DEKOR
Beim Studium von Tabaksdosen sind sowohl die Dekormotive als auch die angewende
ten Techniken, die sie teilweise bedingen, besonders zu beachten.
DEKORMOTIVE
Wie bei den meisten Silber- und Goldobjekten finden wir auch bei den Tabaksdosen
eine umfangreiche Palette von Dekoren: vorwiegend geometrische, florale, zoomorphe
und figurale Motive.
Die geometrischen Motive umfassen gerillte und geriffelte Ränder bzw. Zonen, Perl- und
Eierstäbe, Zickzackbänder, glatte Bänder (gerade oder geschwungen, auch einander
überkreuzend), schraffierte oder punktierte Hintergründe, Kreise, Rautenmuster, Linien
muster (schraffiert, strahlenförmig), Rocaillen, Felder mit Gitterwerk sowie die zahllosen
guillochierten Elemente (vorwiegend parallel laufende oder gegeneinander versetzte
Wellenlinien in ihren vielfältigen Varianten, aber auch andere Muster in unendlichem
Rapport).
An floralen Motiven ist die Bandbreite vom klassizistischen Vokabular bis zur Rokokoor
namentik vertreten. Wir registrieren Blätter bzw. Blüten als Einzelmotive, Blatt- und Blü
tenfriese, florale Wirbelrosetten, Blatt- und Blütengirlanden, Blattranken (Wellenranken,
Spiralranken), Buketts, Blumen- und Früchtestilleben, Körbe oder Vasen mit Blumen
und/oder Früchten, Rocaillen mit floralen Elementen.
Zoomorphes ist eher selten und meist in die Floralornamentik eingebunden, wie Vögel
in heraldischer Anordnung um ein zentrales Motiv (Vasen, Blumen- und Früchtekörbe
etc.).
Auch die Vedute spielt eine gewisse Rolle, wobei die Dosen mit Wiener Ansichten (The-
seustempel, Burgtor, Volksgarten) vermutlich in Serie erzeugt wurden.
Figurale Darstellungen sind wohl eher Ausnahmen und auf Mythologisches (Ceres) oder
Denkmäler beschränkt (Kaiser Franz).
Eine eigene Gruppe bilden die ausgesparten Felder (Ovale, Rhomben, Rauten, Kartu
schen), die manchmal mit Initialen oder Inschriften (Datumsangaben) versehen, manch
mal noch leer und glatt sind.
Vereinzelt kommen noch andere Motive vor, wie Sonnengesichter, die einen beliebten
Ausgangspunkt für radial angeordnete Liniendekore darstellen.
DEKORTECHNIKEN
Vom Klassizismus bis zum Historismus wurde eine Vielzahl von Dekortechniken ange
wendet:
Reliefs konnte man maschinell durch Pressen, Stanzen, Drücken, Walzen, Drehen, Rän-
derieren erzielen; flachere Oberflächenbehandlung erfolgte durch Punzieren, Ziselieren
und Gravieren einerseits, Guillochieren bzw. Ätzen andererseits.
In einer Ebene erscheinen Dekore, die durch Emaillieren und Nieliieren (Tula-Arbeit) ent
standen, soferne sie nicht mit anderen Techniken (z. B. Ätzen) kombiniert werden.
Eine Sondergruppe stellt das Färben (mehrfärbiges Gold) dar.
Die Anwendung nur einer Dekortechnik an einem Objekt ist eher die Ausnahme, die Re
gel bildet eine Kombination verschiedener Techniken, wobei der jeweilige Anteil an ma
schineller und manueller Arbeit am Zustandekommen eines Gegenstandes am schwie
rigsten zu definieren ist.
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