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Full text: Wiener Silber 1780 - 1866 : Tabaksdosen

DEKOR 
Beim Studium von Tabaksdosen sind sowohl die Dekormotive als auch die angewende 
ten Techniken, die sie teilweise bedingen, besonders zu beachten. 
DEKORMOTIVE 
Wie bei den meisten Silber- und Goldobjekten finden wir auch bei den Tabaksdosen 
eine umfangreiche Palette von Dekoren: vorwiegend geometrische, florale, zoomorphe 
und figurale Motive. 
Die geometrischen Motive umfassen gerillte und geriffelte Ränder bzw. Zonen, Perl- und 
Eierstäbe, Zickzackbänder, glatte Bänder (gerade oder geschwungen, auch einander 
überkreuzend), schraffierte oder punktierte Hintergründe, Kreise, Rautenmuster, Linien 
muster (schraffiert, strahlenförmig), Rocaillen, Felder mit Gitterwerk sowie die zahllosen 
guillochierten Elemente (vorwiegend parallel laufende oder gegeneinander versetzte 
Wellenlinien in ihren vielfältigen Varianten, aber auch andere Muster in unendlichem 
Rapport). 
An floralen Motiven ist die Bandbreite vom klassizistischen Vokabular bis zur Rokokoor 
namentik vertreten. Wir registrieren Blätter bzw. Blüten als Einzelmotive, Blatt- und Blü 
tenfriese, florale Wirbelrosetten, Blatt- und Blütengirlanden, Blattranken (Wellenranken, 
Spiralranken), Buketts, Blumen- und Früchtestilleben, Körbe oder Vasen mit Blumen 
und/oder Früchten, Rocaillen mit floralen Elementen. 
Zoomorphes ist eher selten und meist in die Floralornamentik eingebunden, wie Vögel 
in heraldischer Anordnung um ein zentrales Motiv (Vasen, Blumen- und Früchtekörbe 
etc.). 
Auch die Vedute spielt eine gewisse Rolle, wobei die Dosen mit Wiener Ansichten (The- 
seustempel, Burgtor, Volksgarten) vermutlich in Serie erzeugt wurden. 
Figurale Darstellungen sind wohl eher Ausnahmen und auf Mythologisches (Ceres) oder 
Denkmäler beschränkt (Kaiser Franz). 
Eine eigene Gruppe bilden die ausgesparten Felder (Ovale, Rhomben, Rauten, Kartu 
schen), die manchmal mit Initialen oder Inschriften (Datumsangaben) versehen, manch 
mal noch leer und glatt sind. 
Vereinzelt kommen noch andere Motive vor, wie Sonnengesichter, die einen beliebten 
Ausgangspunkt für radial angeordnete Liniendekore darstellen. 
DEKORTECHNIKEN 
Vom Klassizismus bis zum Historismus wurde eine Vielzahl von Dekortechniken ange 
wendet: 
Reliefs konnte man maschinell durch Pressen, Stanzen, Drücken, Walzen, Drehen, Rän- 
derieren erzielen; flachere Oberflächenbehandlung erfolgte durch Punzieren, Ziselieren 
und Gravieren einerseits, Guillochieren bzw. Ätzen andererseits. 
In einer Ebene erscheinen Dekore, die durch Emaillieren und Nieliieren (Tula-Arbeit) ent 
standen, soferne sie nicht mit anderen Techniken (z. B. Ätzen) kombiniert werden. 
Eine Sondergruppe stellt das Färben (mehrfärbiges Gold) dar. 
Die Anwendung nur einer Dekortechnik an einem Objekt ist eher die Ausnahme, die Re 
gel bildet eine Kombination verschiedener Techniken, wobei der jeweilige Anteil an ma 
schineller und manueller Arbeit am Zustandekommen eines Gegenstandes am schwie 
rigsten zu definieren ist. 
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