„Die Holzformen geben dem Glase die gewünschte Form. Sie werden nach Musterschnitten, die
aus Papier ausgeschnitten sind, aus grünem, also eben gefälltem Buchenholz auf einer Drehbank
im Innern des Holzklotzes, also der wirklichen Glasform entgegengesetzt, ausgedreht. .. ; aus grünem
Holz, weil dieses dem Verbrennen beim Blasen durch das sich anschmiegende heiße Glas weniger
ausgesetzt ist, das heißt sich nicht so rasch ausbrennt, und dadurch die genaue Form länger
behält, als dies bei trockenem Holze der Fall wäre. Vor dem Einblasen wird die Holzform auch gut
naß gemacht. Der Holzklotz, in den jetzt die Form eingedreht ist, wird in der Mitte - der Längsrichtung
nach - gespalten und außen mit schlichten Haspen aus Draht versehen, so daß die Form aufklappbar
ist. Formen, aus denen viele hunderte oder gar tausende Gläser zu arbeiten sind, stellt
man nicht aus Holz, sondern aus Eisen her.. . In der Mitte des großen Raumes steht mächtig der
flachgewölbte breit aufstehende runde Glasofen mit seinen 6 bis 12 gespenstisch glühenden
Augen, den Arbeitsöffnungen; langgezogene Flammen ziehen im Innern. Geschäftig sehen wir den
Arbeitenden zur Arbeitsöffnung treten, mit einem langen Eisen hineinlangen und einen fast weißglühenden
Glaspatzen herausnehmen; diesen bearbeitet er an und mit Hölzern. Ein anderer setzt
dort gerade einen Henkel an eine sonderbare krügelartige Glasblase, dort schwingt ein dritter eine
längliche Glasblase, die dabei immer länger wird; Jungen laufen, an einer langen Stange noch rotglühende
Glasgebilde tragend, zu anderen kleineren Öfen und legen dort das Glas ab u. a. m. . . .
Ein junger Gehilfe hat ein ungefähr 1,4 Meter langes und 1,5 Zentimeter weites Eisenrohr, das zur
einen Hälfte mit einem Holzmantel versehen ist und in ein Mundstück aus Messing endet: die Glasmacherpfeife;
bei anderen solchen Pfeifen fehlt auch der Mantel und das Mundstück ganz. Mit dem
dem Mundstück gegenüber liegenden Ende der Pfeife fährt er nun in die Arbeitsöffnung des Glasofens
und in den kurz darunter befindlichen Glashafen mit dem erschmolzenen Glase. Große Hitze
schlägt ihm entgegen, denn er schützt sein Gesicht mit einem Stück bunten Glases; buntes Glas,
um in die Weißglut des Ofens auch besser sehen zu können. Er nimmt auf die Pfeife so viel Glas
auf, als ihm haften bleibt, indem er rasch die Pfeife in ihrer Längsachse um sich dreht. Die Glasmasse
ist ziemlich flüssig, ungefähr in der Dickflüssigkeit von dicklichem Honig. Kurz darauf tritt er
zurück und hat an seiner Pfeife einen wallnußgroßen Glaspatzen hängen, der, weil er noch sehr
weich ist, umzukippen und abzukommen sucht; durch rasches Drehen der Pfeife und geschicktes
nach Aufwärts = oder Abwärtshalten verhindert er dies. Ist das Glas ein wenig abgekühlt, so tritt er
an den Arbeitstisch und gibt das Endstück der Pfeife samt den Glaspatzen wagrecht auf eine Marmorplatte
- die .Marbelplatte' - , wälzt es samt dem Glaspatzen herüber=hinüber. wobei das Glas
immer zäher wird, bis sich eine kleine kolbenartige weißglühende Glaswalze gebildet hat; mit dem
Formholz hilft er dazu nach. Dann hält er die Pfeife hoch und bläst durch das Mundstück langsam
ein wenig Luft ein, wobei sich aus der glühenden Glaswalze eine kleine Hohlkugel bildet; diese bearbeitet
er abermals auf der Marbelplatte ein wenig nach. Diese walzenartige kleine Glasblase heißt
.Kölbchen', unter den Glasmachern ausschließlich ,Külbel‘ oder .Kölbel' geheißen. Das Kölbel ist
aus zwei Gründen zu allem Anfang notwendig: erstens hat das Kölbel eine größere Oberfläche und
erst mittels dieser ist es möglich, die zur Vase nötige größere Menge Glas aus dem Hafen zu nehmen,
da eine solche größere Menge an der Pfeife allein nicht haften bliebe und zweitens, um in
dem dann aufgenommenen größeren Glaspatzen schon eine Luftblase zu haben, mittelst der die
Masse später aufgeblasen werden kann. Nun übernimmt der ältere Gehilfe die Pfeife samt Kölbel
und fängt die zur Vase nötige Glasmenge aus dem Hafen; natürlich gehört hierzu schon ein gutes
Augenmaß, denn sonst würde jede Vase eines Dutzend ungleich stark, ungleich dick im Wandkörper
werden, wodurch recht viel Ausschuß und Schaden entstünde. Dieser Gehilfe formt die aufgenommene
Glasmasse mittelst der .Motze' - ein halbkuglig ausgehöhlter Holtzklotz an einem Stiel -
unter Einblasen von Luft und dadurch Vergrößern der nun dicken Glasblase zur ungefähren, aber
noch kleineren Form der Vase. Diese dicke Glasblase mit ihrer ungefähren Form heißt .Posten'. Der
Meister übernimmt die Fertigstellung; der Lehrjunge hat tief zu Füßen des Meisters die Holzform
aufgeklappt, schon zurecht gestellt. Der Meister bessert vorerst noch ein und den anderen kleinen
Fehler am noch helleuchtenden Glasposten, schwingt ihn dann im hohen Kreisbogen, so daß er
sich durch den Schwung noch in die Länge dehnt und setzt ihn hiernach zwischen die aufstehende
Form. Der Lehrjunge schließt diese, während der Meister nicht heftig, aber kräftig und gleichmäßig
in die Pfeife bläst, die er wie einen Quirl langsam zwischen den Handflächen um ihre Achse dreht.
Die Glasblase in der Form wird immer größer, legt sich an die Wände der Form, füllt diese dann
ganz aus, ja quillt über die Form oben noch heraus. Der übergequollene Teil heißt die .Kappe' . . .
Während dieser Arbeit ist das Glas auch schon erhärtet und hat nur mehr eine schwach rötliche
Färbung. Die Holzform wird wieder aufgeklappt und die Vase ist fertig geblasen . . . Das Glas ist
nun erstarrt und der Meister tropft auf die Stelle, wo die Kappe noch an der Pfeife sitzt, kaltes Wasser
- eine heftige Spannung tritt durch die plötzliche Abkühlung an dieser Stelle im Glase auf, ein
leichter Schlag auf die Pfeife - das .Abschlagen' - und die Vase, noch verschlossen mit der Kappe,
fällt in eine kleine mit Asche gefüllte Truhe, von der sie der Lehrjunge mittelst einer langen Eisengabel
in den Kühlofen .einträgt'.“
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