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Full text : Glas 1905 - 1925 : vom Jugendstil zum Art deco

ROTBEIZE

Die  gegenüber  der  Silberbeize  wesentlich  schwieriger  herzustellende  Rotbeize  gelangte
im  Bereich  der  Fachschulen  und  der  mit  ihnen  eng  verbundenen  Industrien  zur  besonderen ­
  Perfektion:
„Kupferrot,  Rotbeize,  ist  eine  ganz  oberflächlich  auftretende  Reduktion  von  Kupfer.  Das
Glas  wird  mit  einer  aus  Kupfervitriol  mit  gelber  Erde  als  Bindemittel  angeriebenen  Mischung ­
  bestrichen  oder  bemalt  und  in  der  Muffel  eingebrannt.  Nach  dem  Erkalten  werden ­
  nun  die  grüngelb  gefärbten  Gläser  gut  geputzt  und  abermals  in  der  Muffel  bei  durch
Steinkohlen,  Asphalt  oder  dergleichen  erzeugten  reduzierenden  Gasen  eingebrannt.  Die
Gläser  färben  sich  dabei  schwarz,  erglänzen  aber,  wenn  man  Luft  zutreten  lässt,  unter
dem  Einfluss  des  Sauerstoffes,  in  einem  herrlichen  Rubinrot.  Solche  .rotgebeizte'  Gefässe
  werden  zumeist  zu  feinen  Glasschnitten  verwendet,  auf  denen  dann  der  silberweisse
  Schnitt  auf  dem  leuchtend  roten  Grunde  steht.“  (Glasfachschulen  1927,  S.  16,
17).
Springer,  der  dem  Rubinieren  ausführliche  Versuchsreihen  widmet,  verweist  darauf,  daß
diese  Technik  „von  dem  berühmten  böhmischen  Glaskünstler  Friedrich  Egermann  aus
Haida  im  Jahre  1832  herausgebracht  worden“  sei  (Springer  1923,  S.  78,  79)  und  gibt
einen  Überblick  über  die  einschlägige  Fachliteratur  (Springer  1923,  S.  79-83).
Wieder  finden  wir  bei  Strehblow  eine  umfassende  Beschreibung  der  komplizierten  technischen ­
  Vorgänge  (Strehblow  1920,  S.  145-148):
„Rotbeize.  Bei  dieser  wird  statt  dem  Silbersalz  der  Gelbbeize  Kupfervitriol  für  die  Mischung ­
  benutzt.  Das  Anreiben  zu  einem  malfähigen  Brei  geschieht  wie  bei  der  Gelbbeize ­
  mit  Gummiwasser  und  Gelber  Erde.  Die  üblichste  Zusammenstellung  ist  2  Teile
kristallisiertes  Kupfervitriol  auf  1  Teil  Gelbe  Erde;  wird  entwässertes  Kupfervitriol  verwendet, ­
  so  sind  davon  nur  1  1/2  Teile  auf  1  Teil  Gelbe  Erde  zu  nehmen.
Das  Einbrennen  ist  bei  der  Rotbeize  ein  wenig  verwickelter  als  bei  der  Gelbbeize,  da  es
in  drei  gesonderten  Bränden  geschehen  muß;  man  unterscheidet  das  .Gelbbrennen',
auch  ,Anschlagbrennen‘  geheißen,  das  ,Schwarzbrennen'  und  das  ,Rotbrennen'.  Nachdem ­
  die  Mischung  aufgemalt  ist,  werden  die  so  bemalten  Gläser  gut  getrocknet  und
dann  bei  600  bis  650  Grad  eingebrannt.  Nach  dem  Abkühlen  wird  von  den  Gläsern  die
Gelbe  Erde  gut  abgewaschen  und  die  Glasstücke  vollkommen  blank  geputzt;  rauhe
Flecken  dürfen  nicht  bleiben.  Das  Gemalte  erscheint  nun  in  einem  grünlich=gelben,  etwas ­
  fettig  sich  ansehenden  Farbton.  Das  Kupfervitriol  hat  sich  während  des  Brandes  in
Kupferoxyd,  welches  im  Glase  gelöst  wurde  und  andere  chemische  Stoffe  zersetzt.  Dieses ­
  Kupferoxyd  muß  nun  in  Kupferoxydul  übergeführt  werden,  was  im  sogenannten
Schwarzbrand  durch  Rauchgase  geschieht.  Dazu  ist  eine  eigene  Muffel  notwendig,  die
vollkommen  dicht  ist  und  aus  ungefähr  3-5  mm  starkem  Eisenblech  hergestellt  ist.  Die
blank  geputzten  Gläser  werden  in  diese  Muffel  wie  gewöhnlich  eingestellt  und  am  Boden ­
  der  Muffel  ein  Gefäß  gegeben,  in  das  man  gute  Gaskohle  oder  Asphalt  gibt.  Der
schon  an  und  für  sich  gut  schließende  Deckel  wird  noch  mit  Lehm  um  und  um  verschmiert. ­
  Während  des  Brandes  entwickeln  sich  aus  der  Kohle  die  Rauchgase,  die  natürlich ­
  möglichst  in  der  darum  so  gut  verschlossenen  Muffel  festgehalten  werden  müssen, ­
  da  ja  durch  sie  der  chemische  Vorgang  vor  sich  geht.  Zeitweise  läßt  man  durch  das
Schauloch  des  Muffeldeckels  ein  wenig  Gas  austreten  und  versucht,  es  mittelst  eines
brennenden  Spanes  zu  entzünden;  flammt  es  auf  und  ist  das  Glas  in  der  Muffel  in  Dunkelrotglut ­
  (heller  soll  es  nicht  werden!),  so  wird  das  Feuer  unter  der  Muffel  herausgenommen, ­
  damit  die  Hitze  nicht  mehr  steigt.  Die  abgekühlten  Gläser,  die  teilweise  voll
Ruß  sind  und  auf  denen  das  Bemalte  nun  schwarz  erscheint,  werden  abermals  geputzt
und  wieder  in  der  Muffel  wie  gewöhnlich  eingebrannt.  Durch  den  auf  das  Kupferoxydul

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