ROTBEIZE
Die gegenüber der Silberbeize wesentlich schwieriger herzustellende Rotbeize gelangte
im Bereich der Fachschulen und der mit ihnen eng verbundenen Industrien zur besonderen
Perfektion:
„Kupferrot, Rotbeize, ist eine ganz oberflächlich auftretende Reduktion von Kupfer. Das
Glas wird mit einer aus Kupfervitriol mit gelber Erde als Bindemittel angeriebenen Mischung
bestrichen oder bemalt und in der Muffel eingebrannt. Nach dem Erkalten werden
nun die grüngelb gefärbten Gläser gut geputzt und abermals in der Muffel bei durch
Steinkohlen, Asphalt oder dergleichen erzeugten reduzierenden Gasen eingebrannt. Die
Gläser färben sich dabei schwarz, erglänzen aber, wenn man Luft zutreten lässt, unter
dem Einfluss des Sauerstoffes, in einem herrlichen Rubinrot. Solche .rotgebeizte' Gefässe
werden zumeist zu feinen Glasschnitten verwendet, auf denen dann der silberweisse
Schnitt auf dem leuchtend roten Grunde steht.“ (Glasfachschulen 1927, S. 16,
17).
Springer, der dem Rubinieren ausführliche Versuchsreihen widmet, verweist darauf, daß
diese Technik „von dem berühmten böhmischen Glaskünstler Friedrich Egermann aus
Haida im Jahre 1832 herausgebracht worden“ sei (Springer 1923, S. 78, 79) und gibt
einen Überblick über die einschlägige Fachliteratur (Springer 1923, S. 79-83).
Wieder finden wir bei Strehblow eine umfassende Beschreibung der komplizierten technischen
Vorgänge (Strehblow 1920, S. 145-148):
„Rotbeize. Bei dieser wird statt dem Silbersalz der Gelbbeize Kupfervitriol für die Mischung
benutzt. Das Anreiben zu einem malfähigen Brei geschieht wie bei der Gelbbeize
mit Gummiwasser und Gelber Erde. Die üblichste Zusammenstellung ist 2 Teile
kristallisiertes Kupfervitriol auf 1 Teil Gelbe Erde; wird entwässertes Kupfervitriol verwendet,
so sind davon nur 1 1/2 Teile auf 1 Teil Gelbe Erde zu nehmen.
Das Einbrennen ist bei der Rotbeize ein wenig verwickelter als bei der Gelbbeize, da es
in drei gesonderten Bränden geschehen muß; man unterscheidet das .Gelbbrennen',
auch ,Anschlagbrennen‘ geheißen, das ,Schwarzbrennen' und das ,Rotbrennen'. Nachdem
die Mischung aufgemalt ist, werden die so bemalten Gläser gut getrocknet und
dann bei 600 bis 650 Grad eingebrannt. Nach dem Abkühlen wird von den Gläsern die
Gelbe Erde gut abgewaschen und die Glasstücke vollkommen blank geputzt; rauhe
Flecken dürfen nicht bleiben. Das Gemalte erscheint nun in einem grünlich=gelben, etwas
fettig sich ansehenden Farbton. Das Kupfervitriol hat sich während des Brandes in
Kupferoxyd, welches im Glase gelöst wurde und andere chemische Stoffe zersetzt. Dieses
Kupferoxyd muß nun in Kupferoxydul übergeführt werden, was im sogenannten
Schwarzbrand durch Rauchgase geschieht. Dazu ist eine eigene Muffel notwendig, die
vollkommen dicht ist und aus ungefähr 3-5 mm starkem Eisenblech hergestellt ist. Die
blank geputzten Gläser werden in diese Muffel wie gewöhnlich eingestellt und am Boden
der Muffel ein Gefäß gegeben, in das man gute Gaskohle oder Asphalt gibt. Der
schon an und für sich gut schließende Deckel wird noch mit Lehm um und um verschmiert.
Während des Brandes entwickeln sich aus der Kohle die Rauchgase, die natürlich
möglichst in der darum so gut verschlossenen Muffel festgehalten werden müssen,
da ja durch sie der chemische Vorgang vor sich geht. Zeitweise läßt man durch das
Schauloch des Muffeldeckels ein wenig Gas austreten und versucht, es mittelst eines
brennenden Spanes zu entzünden; flammt es auf und ist das Glas in der Muffel in Dunkelrotglut
(heller soll es nicht werden!), so wird das Feuer unter der Muffel herausgenommen,
damit die Hitze nicht mehr steigt. Die abgekühlten Gläser, die teilweise voll
Ruß sind und auf denen das Bemalte nun schwarz erscheint, werden abermals geputzt
und wieder in der Muffel wie gewöhnlich eingebrannt. Durch den auf das Kupferoxydul
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