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Full text: Glas 1905 - 1925 : vom Jugendstil zum Art deco

SCHWARZBEIZE 
Das „Edelschwarz“ der Fachschule Haida, von der Glasindustrie begierig aufgegriffen, 
war eine Schwarzbeize (Strehblow 1920, S. 148): 
„Sie ist das Zwischenergebnis der Rotbeize, das Ergebnis des zweiten Brandes. Um 
schöne Schwarzbeize zu erhalten, ist peinlich darauf zu achten, daß beim Schwarzbren 
nen ja keine Luft störend, d. h. rotfärbend einwirkt; der Deckel ist also gut verschmiert 
zu belassen. Der Brand ist über die beim Schwarzbrennen vorher angegebene Dunkel 
rotglut bis zur Rotglut des Schmelzfarbenfeuers zu steigern und das Glas ist dann in 
der verschmierten, gut verschlossenen Muffel erkalten zu lassen. Gute Schwarzbeize 
soll tiefschwarz und nahezu undurchsichtig sein, sowie Hochglanz haben, wohingegen 
das Schwarzgebrannte der Rotbeize in der Durchsicht grünlichschwarz und nicht zu 
dicht erscheinen soll. 
Die Schwarzbeize ist ein wunderbares, durch keine andere Fachfertigkeit und durch 
kein anderes Mittel zu erzielendes Glasschwarz mit dem dem Glas zukommenden Glas 
glanz. Dieses Glasschwarz wurde erstmals im Jahre 1914 in der Staatsfachshule in 
Haida als neues Verfahren zum Schmücken des Glases gefunden und mit Goldverzie 
rungen unter dem Namen ,Edelschwarz‘ verwendet; auch für Kugiereien ist es prächtig 
im Sinne eines Überfanges zu verwenden.“ 
Die von Springer durchgeführten Versuche schließen neben der Schwarzbeize (Sprin 
ger 1923, S. 120) auch Experimente über andersfarbige Beizen (Blau und Grün) ein; die 
Ergebnisse waren unbefriedigend (Springer 1923, S. 117-119). 
REDUKTIONEN (RAUCHBEIZEN) 
Die unter diesem Begriff zusammengefaßten Techniken werden von den verschiedenen 
Autoren uneinheitlich behandelt: bei Hohlbaum finden sich Lüster und Reduktion im Ka 
pitel Malerei; bei Strehblow gehört die Reduktion zum Kapitel Beizen (Rauchbeizen), 
Springer bringt diese Techniken in einem Anhang zum Kapitel Glasmalerei, „IV. Ab 
schnitt: Metallglanzätze, d. s. Metallreflexe (Reduktionsfarben) Lüster und Iristöne“. 
Das allgemeine Prinzip des Reduzierens besteht in folgendem (Springer 1923, S. 196): 
Auf Glas wird eine Mischung von Silber-, Kupfer-, Wismut-Verbindungen u. a., welche 
mit gebrannter Gelberde unter Zusatz von Gummiarabikum oder Zucker als Klebstoff 
angerührt sind, aufgetragen und hierauf bei Rotglut gleich reduzierend eingebrannt. Der 
Farbton, welcher hierbei nach dem Abwaschen der Reduktionsmischung auftritt, ist ei 
nerseits abhängig von den Mengenverhältnissen der einzelnen Metallverbindungen: Ue- 
berwiegt das Kupfer, so herrschen die roten Töne vor, während Silber hauptsächlich 
goldige, Wismut besonders blaue Töne liefert. Von sehr großem Einfluß ist aber ander 
seits die Art und Dauer der Reduktion: Mit einer und derselben Mischung läßt sich 
durch längere oder kürzere, stärkere oder schwächere Reduktion eine überaus reiche 
Farbenskala erhalten 
Mit den Reduktionsfarben befaßte sich Hohlbaum bereits vor Springer (Hohlbaum 1910, 
S. 76): 
„Zum Unterschiede von den Lüstern sind die Reduktionsfarben verschiedenfarbig me 
tallische Reflexe, welche dadurch entstehen, daß unter Einwirkung reduzierender Gase 
die in der Glasoberfläche gelösten Metalloxyde zu Metallen reduziert werden. Die Re 
duktionsfarben sind zum Unterschiede von den Lüstern sehr haltbar. Die Reduktionsfar 
ben werden in der Weise hergesteilt, daß man die Reduktionsmassen mit dem Pinsel auf 
das Glas streicht und nachher das Glas in der Muffel stark brennt. Ist die Temperatur er 
reicht, so gibt man Asphalt oder Kolophonium in die Muffel, wodurch Gase entstehen. 
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