DIE KENNZEICHEN DER WIENER WERKSTÄTTE
Im weitesten Sinn verstanden, umfassen die Kennzeichen der Wiener Werkstätte neben
registrierten Marken und Punzen auch Firmensignets und Etiketten. Dazu kommen
noch die Monogramme der entwerfenden Künstler und jene der ausführenden Handwer
ker.
Während das Erscheinungsbild von Schutzmarken (im Sinne von markenrechtlich regi
strierten Marken) und Punzen - geringfügige Abweichungen ausgenommen - von ihrer
Entstehungszeit an bis zur Auflösung der Wiener Werkstätte gleich blieb und sich fall
weise nur Größe und Proportionen je nach Erfordernis änderten, gab es viele Arten von
Signets und Etiketten; in Verbindung mit Inserat- und Plakatentwürfen wurden aber
auch das WW-Monogramm und die Worte Wiener Werkstätte von den verschiedensten
Entwerfern meist sehr individuell gestaltet.
Welche Bedeutung die Wiener Werkstätte der Kennzeichnung beimaß, ist daraus zu er
sehen, daß zur Zeit ihrer Gründung die wichtigsten Typen von Marken und Signets be
reits Vorlagen. Dies läßt sich anhand der ersten faßbaren Daten zur Gründungsge
schichte der Wiener Werkstätte dokumentieren (HR Gen VIII/124), in deren Räumlichkei
ten Rosenmarke und WW-Monogramm schon sehr früh präsent waren (Abb. 1-3, S. 6, 8,
12).
Die ersten Statuten der Wiener Werkstätte sind mit 12. Mai 1903 datiert; am 22. Juni
1903 erfolgte die Registrierung der Rosenmarke, vermutlich etwa um dieselbe Zeit die
Anmeldung des WW-Monogramms im Oval als Punze. Eine mit 18. 11. 1903 datierte
Rechnung trägt - als vorgedrucktes Formular - das bekannte Firmensignet, das das
WW-Monogramm mit den Worten WIENER WERKSTÄTTE kombiniert, und zweimal ist
der Stempel WIENER WERK STÄTTE in Form eines dreizeiligen Schriftblocks vertreten
(Abb. 4, S. 15).
Das sogenannte „Arbeitsprogramm“ der Wiener Werkstätte, das 1905 in einer eigenen
Publikation veröffentlicht wurde, enthält die beiden typischen Kennzeichen - Rosen
marke und WW-Monogramm - zweimal (Abb. 5, S. 16), wobei damals nur die Rosen
marke als registrierte Schutzmarke angesprochen wurde (die beiden anderen Marken -
WW-Monogramm und Wortmarke - wurden ja erst später registriert). Rosenmarke und
WW-Monogramm waren, wie bereits erwähnt, auch als Symbole in die Gestaltung der
Wiener Werkstätte-Räume in der Neustiftgasse in Wien einbezogen: das WW-Mono-
gramm als Relief über der Türe (Abb. 2, S. 8) - in einem offenbar etwas später zu datie
renden Foto treten aus den beiden hochrechteckigen Feldern zwei Figuren von Richard
Luksch (Abb. 3, S. 12) - und die Rosenmarke in Metall als Schmuck des Kamins (Abb. 1,
S. 6) spiegelbildlich verdoppelt.
Identifizierbare und datierbare Gegenständen in diesen Räumen (vgl. Neuwirth, WW
Avantgarde 1984, S. 47) lassen darauf schließen, daß keines der Fotos vor 1904 entstan
den sein kann. Die meisten der abgebildeten Metallobjekte waren 1903 oder 1904 ent
worfen worden. An dieser Stelle scheint es mir wichtig, darauf hinzuweisen, daß manche
Unterschriften unter den Fotos im Archiv der Wiener Werkstätte irreführend sind - viele
von späterer Hand stammend und vor allem in den Jahresangaben nicht immer völlig
korrekt (so ist die Datierung einiger Innenraumfotos von Wiener-Werkstätte-Schauräu-
men ins Jahr 1903 widerlegbar, da manche der dort abgebildeten Objekte nachweislich
erst nach 1903 entstanden sind).
Ein weiteres, wenngleich undatiertes Dokument der Frühzeit liegt in Form eines Stan
zenbuches aus der Buchbinderei der Wiener Werkstätte (Abb. 8, 9, S. 21) vor. Es enthält
nicht nur Abdrücke der für die Buchbinderarbeit benötigten Stanzen, sondern beweist
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