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MAK

Full text : Loetz Austria 1900

des  Ritter  von  Spaun  als  die  alleroriginellste  bezeichnen.  Die  Firma,  welche  in  der  Erzeugung
von  Luxus-Artikeln  excellirt,  hat  ihr  Bestes  eingesetzt  und  man  weiss  wahrhaftig  nicht,  ob
man  der  Carneol-Monstre-Lampe  oder  dem  Theetische  mit  Carneolglasplatten  den  ersten
Preis  zuerkennen  soll.  Uebrigens  verdient  hervorgehoben  zu  werden,  dass  fast  sämmtliche
von  R.  v.  Spaun  zur  Schau  gestellten  Objekte  bereits  gelegentlich  der  Pariser  Weltausstellung ­
  den  ,grand  prix'  davongetragen  haben  und  dass  sie  gegenwärtig,  insoferne  der  Aussteller ­
  selbst  als  Jurymitglied  fungiert,  ,hors  concours'  auftreten.
Wir  dürfen  hier  als  bekannt  voraussetzen,  dass  man  in  den  letzten  Jahren  auf  dem  Gebiete
der  Edelsteinfabrikation  bahnbrechende,  von  Erfindung  zu  Erfindung  drängende  Fortschritte
gemacht  hat.  Hand  in  Hand  mit  der  Darstellung  künstlicher  Edelsteine  auf  chemischem  und
elektrolytischem  Wege  ging  die  fabriksgemässe  Erzeugung  von  Halbedelsteinen.  Imitationen,
wie  Jaspis,  Carneol,  Malachit,  Achat  etc.,  welche  eine  in  Structur  (Aederung),  Form,  Farbe,
Glanz  und  hinsichtlich  des  mechanischen  Verhaltens  täuschende  Nachahmung  der  betreffenden ­
  Mineralien  bezweckten.  War  durch  die  künstliche  Edelsteinfabrikation  auf  dem  Edelsteinmarkte ­
  eine  förmliche  Revolution  erzeugt  worden,  so  erregten  die  für  die  Verfertigung  der
bislang  in  Porzellan  oder  Bronce  gehaltenen  Luxus-Waaren  in  Gebrauch  kommenden  Halbedelstein-Imitationen ­
  -  allen  voran  das  Carneol  durch  den  Reiz  seines  abgetönten,  weichen
Glanzes  und  seiner  zart-rosigen  infolge  seiner  natürlichen  Aederung  um  so  wirkungsvollerer
Couleur  -  in  den  Kreisen  der  Interessenten  berechtigtes  Aufsehen.
Carneol  ist  in  den  Augen  des  Mineralogen  nichts  anderes,  als  ein  roth  gefärbtes  Calcedon,  es
hiess  also  vor  Allem  eine  möglichst  billige  Fabrikation  von  Calcedon  im  Grossen  ausfindig  zu
machen.  Die  in  den  Glashütten-Laboratorien  diesbezüglich  angestellten  Versuche  wurden
auch  von  Erfolg  gekrönt,  jedoch  gelang  es  den  Wenigsten,  der  so  hergestellten  Carneol-Imitation
  eine  solche  Beschaffenheit  zu  geben,  um  sie  für  die  Fabrikation  von  Luxus-  und  Decorations-Artikel
  im  Ganzen  geeignet  zu  machen.  Insbesondere  stellten  sich  der  entsprechenden ­
  Politur  des  gewonnenen,  durch  entsprechende  Metalloxyde  rosig  gefärbten  Glasflusses
mannigfache  Schwierigkeiten  entgegen.  Erst  v.  Spaun  gelang  es,  künstliche  Carneol-Platten
herzustellen  und  zur  Erhöhung  des  Effectes  darauf  auch  allerlei  feine  Glasornamentirungen
anzubringen.  ._
Seine  Carneol-Fabrikate,  die  öffentlich  zum  ersten  Male  auf  der  Pariser  Weltausstellung  figurirten,
  fanden  auch  viele  Bewunderer  und  wie  schon  erwähnt,  die  verdiente  Anerkennung.
Denn  diesmal  waren  die  österreichischen  Glasindustriellen  den  Franzosen  thatsächlich  vorangeeilt. ­
  Jedenfalls  ist  die  Einführung  von  Carneol-Luxus-Artikeln  auf  dem  Weltmarkt  neuerlich ­
  nur  ein  Beweis,  dass  die  österreichischen  Glasindustriellen  sich  auch  auf  einen  höheren
künstlerischen  Standpunkt  zu  stellen  wissen  und  sich  nicht  damit  begnügen,  nur  die  technische ­
  Gestaltung  zu  vervollkommnen,  sondern  auch  den  Impuls  zur  Ausbildung  neuer,  für  die
Zukunft  der  Glasindustrie  bedeutsamer  Fabrikationszweige  von  bleibendem  kunstgewerblichem ­
  Werthe  zu  geben.
Was  nun  die  exponirten  Gegenstände  selbst  anbelangt,  die  auch  einen  lebhaften  Absatz  finden ­
  (so  wurde  die  bereits  erwähnte  preisgekrönte  Salonlampe  nicht  weniger  denn  5  Mal
nachbestellt  u.A.  auch  vom  Grafen  Montecucoli)  so  nimmt  zu  allererst  die  imposante  Carneol-Lampe
  in  reicher  Goldbronce-Montirung  den  Blick  gefangen.  Der  untere  Ständer  der
Lampe  ist  aus  einem  eigenthümlich  gedrehten  Carneol  hergestellt  (gegossen),  was  die  Wirkung ­
  des  Ganzen  nur  noch  erhöht.  Etwas  Herrlicheres  als  diese  1  1/2  Meter  hohe  Lampe  in
einem  prunkvollen  Schlosssaal  versetzt,  in  matt,  rosigem,  gedämpftem  Licht  erglänzend,
etwa  von  den  zwei  nicht  minder  künstlerisch  ausgeführten  schlanken  Carneol-Jardinieren
flankirt,  in  denen  ein  Riesenstrauss  von  Rosen,  Camelien,  Calceolanen  und  Fuchsien  eben
durch  die  Zusammenstimmung  mit  dem  sie  umgebenden  rosig-schimmernden  Material,  die
reizvollsten  Farbeneffecte  zaubert  -  lässt  sich  gar  nicht  denken.
Ein  Prachtstück  der  ganzen  Collection  ist  auch  der  bereits  erwähnte  Tisch  mit  eingelegter
Carneolplatte.  Sehr  originell  und  harmonisch  berührt  es,  dass  das  auf  dem  Tische  sich  präsentirende
  Theegeschirr  in  dem  gleichen  Material  wie  ihre  Unterlage  gehalten  ist.  Auch  die
feine,  discrete  Goldrandzeichnung  (welche,  wie  Schreiber  dieses  von  einem  Arbeiter  der
Klostermühle-Fabrik  erfahren,  vom  R.  v.  Spaun  selbst  herrührt),  auf  der  Carneolplatte  verdient ­
  bemerkt  zu  werden.  Ueberhaupt  finden  wir  es  vom  künstlerischen  Standpunkte  entsprechend, ­
  dass  in  den  Klostermühler  Carneol-Fabrikaten  die  Golddecoration  nur  sparsam
angewendet  wird,  sonst  würde  das  Ganze  leicht  den  Eindruck  des  Ueberladenen  machen.
Einen  äusserst  feinen  Geschmack  verrathen  die  Liqueur-  und  Cognac-Service,  eine  Eis-Garnitur ­
  in  Form  von  Seerosen.

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