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MAK

Full text : Loetz Austria 1900

sonders  reichhaltig.  Immer  sind  die  Farben  der  Blumenbelege  fein  gestimmt  zu  der  Farbe
des  Gefäßes,  grelle  Farben  und  Buntheit  sind  vermieden,  die  zarten  Töne  gehen  zu  harmonischem ­
  Ganzen  zusammen.  So  liegt  auf  einer  mild  rosenrothen  Vase  eine  Päonienblüthe  aus
klarem  Glase,  nur  an  den  Rändern  der  Blumenblätter  goldig  schimmernd,  und  aus  der  Tiefe
des  Kelches  leuchtet  das  Rosa  des  Grundes  heraus.  Von  besonders  farbenkräftiger  Irisirung,
blau,  roth  und  goldfarbig,  sind  sackförmig  faltige  Gefäße  aus  grünem  Glase.  Es  genüge  an
diesen  Beispielen,  welche  zeigen,  wie  mannigfaltig  in  Formen  und  Farben  sich  diese  ganz
eigenartigen  Opalgläser  als  reizvoller  Schmuck  des  Zimmers  darstellen.
Als  eine  zweite  neue  Serie  von  Kunstarbeiten  der  Fabrik  Klostermühle  treten  uns  die  Intarsiagläser ­
  entgegen,  welche  mit  Einlagen  aus  Farbenglasfäden  hergestellt  sind.  Schon  die  alten
Venezianer  kannten  und  übten  diese  Technik,  welche  aber  auf  die  bekannten  Latticiniogläser
und  verwandte  Arten  beschränkt  blieb.  Klostermühle  entwickelte  schon  in  den  80er  Jahren
diese  schwierige  Technik  zu  ganz  neuer  Art.  In  München  1888  waren  Gläser  ausgestellt,  in
deren  krystallene  Wandungen  farbige  Blumen  =  oder  Fruchtzweige  und  strengere  ornamentale ­
  Formen  eingelegt  und  eingearbeitet  waren,  flach  im  Glaskörper,  also  ächte  Intarsia.
Neben  diesen  Gläsern  mit  bestimmten  Zeichnungen  der  Ornamentation  aus  farbigen  Einlagen ­
  hatte  Klostermühle  zu  derselben  Zeit  auch  jene  blendend  schönen,  ebenfalls  in  derselben ­
  Einlegetechnik  gearbeiteten  Onyx=  und  Carneolgläser  ausgestellt,  welche  in  diesen
Blättern  eingehend  besprochen  und  gewürdigt,  auch  1888  prämiirt  und  in  Paris  1889  mit  dem
großen  Preise  ausgezeichnet  worden  sind.  An  diesen  farbenprächtigen  Glasarten  sind  die
Einlagen  derart  irregulär  eingearbeitet,  daß  Structur  und  Farbenwechsel  der  natürlichen  Vorbilder ­
  täuschend  nachgeahmt  erscheinen.  Auch  das  vornehme  Malachitglas  schloß  sich  später ­
  an.
Wir  halten  diese  kurze  historische  Rückschau  für  durchaus  angebracht  und  dem  Schwall
kunstgewerblicher  Publikationen  gegenüber  für  nöthig  und  berechtigt,  um  festzustellen,  daß
die  Fabrik  Klostermühle  lange  vor  Tiffany  die  Intarsiatechnik  vollkommen  beherrschte.  Es  war
daher  der  böhmischen  Fabrik  mit  ihren  geschickten  Glaskünstlern  ein  Leichtes,  auch  Decorationsmotive
  aufzunehmen  und  in  der  Einlegearbeit  zu  verwenden,  welche  an  den  Tiffanygläsern
  so  hoch  bewundert  und  mit  ganz  horrenden  Preisen  bezahlt  werden.  Aber  die  Fabrik
Klostermühle  imitirt  keineswegs  amerikanische  Gläser,  sie  sucht  in  Feld  und  Garten  und
sonst  in  der  Natur  selbständig  ihre  Vorbilder,  welche  sie  in  der  Glasmasse  in  freier  Arbeit  vor
dem  Ofen  aus  der  technischen  Natur  des  Glases  selbst  zum  Ornament  entwickelt  und  ausbildet. ­

So  sehen  wir  an  den  neuen  Intarsiagläsern  reizvoll  fein  und  schwungvoll  gebildete  Pfauenfedern ­
  mit  ihren  blauen  und  grün=  und  braungoldenen  Spiegeln,  lange,  zierlich  gestreifte
Schilfblätter  und  andere  Pflanzenformen,  und  bewundern  von  Neuem  die  außerordentliche
Geschicklichkeit  in  der  Mache  und  den  vollendeten  Geschmack  in  der  Anordnung  und  Färbung ­
  dieser  Ornamente  der  wieder  in  Regenbogenfarben  schillernden,  überaus  schönen  und
ansprechenden  Ziergläser.
Wir  zweifeln  nicht,  daß  diesen  wahrhaft  schönen  Kunstgläsern  der  ihnen  gebührende  Rang
von  allen  Freunden  und  Kennern  eingeräumt  werden  wird,  und  zwar  mit  besonderer  freudiger
Anerkennung  der  Thatsache,  daß  die  continentale  Glasindustrie  in  technischer  und  künstlerischer ­
  Hinsicht  der  nordamerikanischen  keineswegs  nachsteht.  A.  S.“
Spaun  sandte  den  oben  zitierten  Zeitungsbericht  mit  folgendem  Begleitschreiben  (10.  11.
1898;  Archiv  ÖMAK,  ZI.:  1043-1898)  an  Artur  Ritter  von  Skala,  Direktor  des  Österreichischen
Museums  für  Kunst  und  Industrie:
„Hochverehrter  Herr  Hofrath!
Als  ich  gestern  v.  m.  Reise  rückkehrte  erhielt  ich  Ihre  werthe  Karte  u  war  sehr  erstaunt  dass
Herr  Bakalovits  den  schon  lange  in  seinen  Besitze  befindlichen  Artikel  nicht  übergeben  hat;
übersende  beiliegend  denselben.  Für  die  gütige  Übersendung  der  Tifany  Vase  danke  ich
nochmals.  Leider  ist  es  mir  bis  heute  nicht  möglich  eine  ähnliche  fertig  zu  stellen  da  mit  Ablieferungen ­
  von  Peders  (?)  voll  auf  zu  thun  habe.  In  Glas  habe  ich  noch  v.  frühe  paar  Stüke
fertig,  aber  der  Graveur  braucht  Zeit  dazu.  Ich  will  gegen  Weihnachten  an  die  Ausführung
schreiten.  Auch  braucht  der  Mann  doch  längere  Zeit  dazu.  Es  ist  aber  sehr  schwer  da  keine
Graveure  herangebildet  sind,  die  vom  Gravieren  einer  Blume  eine  Idee  haben;  ebenso  wie
Maler.  -  die  es  mit  einen  gewissen  Chic  machen.  -

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