MAK

Full text: Das Kaiserlich Königliche Österreichische Museum für Kunst und Industrie, 1864 - 1914

von welchen zwei Drittel venezianifchen, ein Drittel deutlichen und böhmifchen Ur- 
Sprungs (16. bis 18. Jahrhundert) waren. Unter den Venezianer Gläfern waren leichte, 
graziöfe Pokale, Flügelgläfer und zierliche flache Schalen ftark vertreten, während vor 
zügliche grüne Humpen mit Emailmalerei die deutfche und gefchliffene und gefchnittene 
Kriftallgläfer die böhmifche und fchlefifche Fabrikation vertraten. Diefe drei Gruppen 
möglich!! zu bereichern und zu vervolllfändigen, bildete die Hauptaufgabe auch für die 
nächlten Jahre. Ebenfalls 1867 hatte das Mufeum durch den Generalkonful v. Walcher 
in Jerufalem Gelegenheit, moderne orientalifche Glasarbeiten zu erwerben, die zum Teil 
wegen ihreroriginellenForm nichtunintereffant find. 1869 erfolgte eine größereErwerbung 
von Gläfern aus dem Stifte St. Peter in Salzburg, und zwar emaillierte deutfche Humpen 
und andere deutfche Gläfer des 17. Jahrhunderts, prächtige Venezianer Glasarbeiten 
und böhmifche gefchnittene Pokale des 18. Jahrhunderts. Als hervorragendftes Stück 
ein Haller Pokal in Trichterform mit Goldranken und dem Wappen des Erzbifchofs 
Matthias Lang von Salzburg (1509 bis 1540), das ältelle bekannte Erzeugnis der Haller 
Glashütte. Drei weitere Haller Gläfer ergänzten in den folgenden Jahren die Repräfen- 
tation diefer interefTanten Gattung. Im Jahre 1870 erfuhr dieSammlung durch einGefchenk 
Seiner kaiserlichen Hoheit des durchlauchtigllen Herrn Erzherzogs Rainer eine wertvolle 
Bereicherung. Es ilt dies eine bunt emaillierte und in Gold dekorierte arabifche Mofcheen- 
ampel des 16. Jahrhunderts, ln den folgenden Jahren ergänzten einzelne wertvolle 
Erwerbungen und Gefchenke ununterbrochen die eine oder andere Gruppe, fo daß bis 
um die Mitte der Achtzigerjahre die ganze Sammlung im wefentlichen auf ihren heutigen 
Stand gebracht war. Befonders die Kollektion der venezianifchen Gläfer konnte bei der 
Seltenheit im Handel vorkommender bedeutender Stücke nach 18 85 nur wenige nennens 
werte Neuerwerbungen verzeichnen. Nur fchwach vertreten find die venezianifchen Gläfer 
mit Emailmalerei und auch von den an der Unterfeite mit kalten Farben bemalten 
Gläfern des 16. Jahrhunderts enthält die Sammlung nur ein Stück. Desgleichen kommt 
das Aventuringlas nicht genügend zur Geltung. Dagegen gelangen die zahlreichen 
Formen der Trinkgläfer und Flügelgläfer in feltener Vollftändigkeit zur Anfchauung und 
ebenfo find zahlreiche Beifpiele von Fadenglasarbeiten und von gerilfenen Gläfern in 
allerlei Varianten vorhanden. 
Die Weltausftellungen der Jahre 1867, 1873 und 1878 hatten Gelegenheit geboten, 
durch Beifpiele moderner venezianifcher Glasarbeiten manche Technik und Dekorations 
weife zur Anfchauung zu bringen, die in alten Originalen nicht vorhanden war. Von 
diefen Erzeugniflen konnte vieles, das inzwifchen in echten Stücken erworben wurde, 
im Laufe der Jahre ausgefchieden werden, fo daß von der urfprünglich etwa dreimal fo 
großen Zahl derartiger Imitationen nur mehr 50 Stücke in einem gefonderten Schranke 
ausgeftellt find. 
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