MAK

Full text: Das Kaiserlich Königliche Österreichische Museum für Kunst und Industrie, 1864 - 1914

Eine der früheften Arbeiten der Sammlung von Gegenftänden aus Leder, die im 
Jahre 1869 erworben wurden, ift ein Käftchen, in defTen Lederbezug Ornamente und 
Heiligenfiguren eingefchnitten, teilweife getrieben und gemalt find, eine deutlche Arbeit 
des 15. Jahrhunderts. Im Jahre 1873 wurden dann zwei Kältchen, die mit reicher Gold- 
prelfung verfehen find, aus dem 18. Jahrhunderte, gekauft, im Jahre 1882 erhielt das 
Mufeum von der Gemeinde Drofendorf das gotifche Futteral einer Monftranze, in 
das Ornamente gelchnitten find und das mit Punzierungen verziert ift, als Gelchenk. 
Seine Durchlaucht Fürft Johann von und zu Liechtenftein hat der Sammlung im 
Jahre 1897 eine mit Leder überzogene Pulverflalche gewidmet, die Satyrn und einen 
Greifen in gelchnittener und gepreßter Arbeit zeigt, eine italienilche Arbeit des 16. Jahr 
hunderts. Auf der Auktion Lanna gelang es dem Mufeum, einen Hoftienbehälter mit 
gelchnittenen und getriebenen Blattornamenten und einem Greifen, aus derfelben Zeit, 
zu erwerben. 
Die Sammlung von Bucheinbänden wurde fchon in den früheften Zeiten des Mufeums 
begonnen. 
Um nur einige der wichtigften Stücke anzuführen, feien zuerft von den italienilchen 
Büchern ein »Angelo Grillo, Rime« aus dem Jahre 1689, in einem roten Maroquin 
einband, genannt, der mit gepreßten und vergoldeten Ornamenten undTierdarftellungen 
gelchmückt ift und im Jahre 1877 erworben wurde. 
ln demfelben Jahre kam dann ein Band mit Gedichten des Arioft aus dem Jahre 
1545, in rotem Ledereinband mit wundervollen Goldranken und Ornamenten aus der 
zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in die Sammlung und ein Pergamentmanufkript 
aus dem Jahre 1675, in einem Einbande mit zartem, goldenem Rankenornament in 
geometrifchen Feldern. 1889 wurde eine Ausgabe des Vafari aus dem Jahre 1647, 
in einem Bande mit zartem Goldfpi^enornament und dem Wappen der Medici, im 
Jahre 1895 ein hervorragendes Buch: M. Fabii Quintiliani lnstitutionum Oratorarium 
libri Xll. (1522), in einem Einbande von Maioli, erworben. Es find auf braunem Leder 
filberne goldkonturierte Bänder Verfehlungen. Im felben Jahre wurde ein veneziani- 
Icher Einband mit ReliefprefTung von Ornamenten, in deren Feldern (chwarzes Ranken 
werk auf teils goldenem, teils rotem und blauem Grunde gezeichnet ift, und ein 
Kalblederband mit gepreßten, vergoldeten und bemalten Ornamenten, Blumen, Vögeln 
und Figuren, eine Pergamenthandfchrift des Rates von Venedig, Antonio di Cavalli, 
auf dem Einbande mit der Jahreszahl 1597 bezeichnet, gekauft. 
Von franzöfilchen Einbänden wurde 1868 eine Bibel, von La Rochelle gedruckt 
1616, mit rotbraunem Kalbledereinband mit Rautenornamenten in Goldprelfung, und 
ein Band »Raison d’Architecture antique«, gedruckt Paris 1539, mit hellbraunem 
Leder mit goldgeränderten Ranken in Grün, Rot und Weiß, aus der erften Hälfte
	        
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