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MAK

Full text : Das Kaiserlich Königliche Österreichische Museum für Kunst und Industrie, 1864 - 1914

Schulung  der  beteiligten  Kräfte  zahlreich  betlehenden  Lücken  auszufüllen.  Wir  wilfen,
Tagt  er,  gegenwärtig  ganz  genau,  wo  diefe  letzteren  zu  fuchen  feien.  Diefelben
Erlcheinungen,  wie  eben  jet^t  in  London,  find  vorher  in  Paris  und  München  hervorgetreten ­
  und  zeigen  ebenfofehr  eine  mangelhafte  Verbindung  der  hrengen  Wilfenfchaft,
  vor  allem  der  technifchen,  mit  der  Induttrie,  wie  das  Fehlen  inniger  Verbindung
zwilchen  Kuntt  und  Handwerk,  während  in  Frankreich  und  England  diefe  Verbindung
gefucht  werde,  beziehungsweife  nie  unterbrochen  gewefen  fei.  So  ffark  die  Heimat
an  technilcher  Tradition  und  an  Talenten  fei,  fo  viel  Geichmack  in  den  breiten
Schichten  des  Volkes  als  ungehobener  Schale  ruhe,  fo  fehr  Ölterreichs  Kunltindulfrie
der  norddeutlchen  überlegen  fei,  fo  mülfe  doch  nach  großzügigem  Plane  eine  einheitliche ­
  Führung  aller  Kreife,  eine  Verbefferung  im  Lehren  und  Lernen,  eine  Reform
aller  Zweige  des  einlchlägigen  Unterrichtswefens  eintreten,  wenn  man  dauernde
Erfolge  an  die  hingebungsvolle  Tätigkeit  der  produzierenden  Stände  knüpfen  wolle.
Eitelberger  findet,  daß  die  Mufeen  bisher  nicht  die  volksbildnerilche  Aufgabe  erfüllt
haben,  welche  von  ihnen  geleiltet  werden  könne  und  mülfe;  im  großen  und  ganzen
noch  nach  den  veralteten  Prinzipien  des  verflolfenen  Jahrhunderts  organifiert,  dienen
fie  mehr  der  Neugierde  des  Ichauluftigen  Publikums  als  den  Intereffen  des  arbeitenden
und  künltlerilchen.  Es  gelte  den  Mut  zur  Initiative  einer  völligen  Veränderung  der
bisherigen  Mufealpraxis  aufzubringen  und  alle  jene  Hemmnilfe  zu  befeitigen,  welche
dem  Studium  und  der  Entwicklung  des  heimlichen  Schaffens  bisher  entgegenftanden.
Was  Franzofen  und  Engländer  tun,  um  das  Nationalvermögen  durch  Benützung  und
gute  Organifation  ihrer  Mufeen  und  durch  Kreierung  neuer  Anhalten  zu  fteigern,
verdiene  volle  Beachtung,  denn  es  hat  ihren  Indultriellen  die  großen  Erfolge  auf  der
Ausheilung  in  London  und  auf  dem  Weltmärkte  gebracht.  Seit  1855  habe  England
auf  diefem  Felde  enorme  Fortlchritte  gemacht  und  auch  Frankreich  fei  auf  diefem
Wege  im  Laufe  der  lebten  Jahre  außerordentlich  weit  vor  geichritten.  Insbefondere
werde  die  Suprematie  Frankreichs  in  Sachen  des  Gefchmackes,  welche  durch  die
Schöpfung  des  Hotel  Cluny  in  Paris  neu  befehigt  worden  fei,  durch  nichts  fo  fehr
unterbötet  als  durch  die  Apathie  und  Indolenz,  welche  auf  diefen  Gebieten  in  Öfterreich
  herrlche.  England  habe  Ichon  feit  der  erften  Londoner  Ausheilung  (1851)  eingefallen, ­
  daß  es  nottue,  dem  franzöfilchen  Einflulfe  entgegenzuwirken.  Diefer  Erkenntnis
verdanke  das  South-Kenfington-Mufeum  feine  Entftehung,  für  welches  das  englilche
Parlament  in  gerechter  Würdigung  der  Sache  in  den  Jahren  1861  und  1862  je
33  bis  34.000  Pfund  Sterling  bewilligt  habe.  Frankreich  hingegen  hat  in  diefem
Jahre  fünf  Millionen  Francs  dem  Conservatoire  des  Arts  et  Metiers  und  150.000
Francs  zu  Ankäufen  in  der  Weltausftellung  für  diefe  Schule  bewilligt,  abgefehen
davon,  daß  es  alle  feine  Sammlungen  erweitert  habe  und  die  Induftrie  durch  die

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