Gobelin- und Porzellanfabrik und andere Staatsanftalten mächtig förderte, öfter
reich muß, führt Eitelberger weiter aus, um folcher Konkurrenz gewachfen zu fein,
eine dem Kenfington-Mufeum analoge Anftalt gründen, fklavifche Nachahmung fei
jedoch zu unterlaßen, die Anlehnung an das franzöfilche Vorbild durchaus nicht am
Platte; bei allen öfterreichilchen lnftitutionen müffe auf die eigentümlichen Verhältnilfe
der Monarchie Rückficht genommen werden. Öfterreich hat zu trachten, auf der
Höhe des Jahrhunderts zu ftehen, wie dies in kunfterzieherilcher und volkswirtlchaft-
licher Beziehung unter der Kaiferin Maria Therefia der Fall gewefen ift. Der Erfolg
folcher Beftrebungen fei ficher, denn foferne es fich um die Ausnützung vorhandener
Kunftlchäfze handle, aus welchen die heutige Produktion für ihre Aufgaben die reichfte
Belehrung (chöpfen könne, ftehe, dank der außerordentlichen, mehrhundertjährigen
Sammeltätigkeit des kaiferlichen Kaufes, Öfterreich an Bildungsmaterial keinem Staate
der Welt nach, aber man dürfe eben nicht, wie dies mit den Tapeten in Schön
brunn und zahlreichen im Depot des Belvedere befindlichen Werken der Fall fei,
die vorhandenen reichen Schäle verftecken, fondern müffe fie zum Nutzen der Allgemein
heit an die Öffentlichkeit bringen. Würden in folcher Art, wie es für Öfterreich
notwendig fei, Schritte auf der neuen Bahn der Kunft- und Volkserziehung unter
nommen werden, befchränke man fich nicht darauf, Impulfe zu geben, fondern harre
man bei dem als richtig Erkannten konfequent aus, und werde die Durchführung
diefer Sache frei von aller bureaukratifchen Organifation und Bevormundung in die
Hände weniger tüchtiger und vertrauenswürdiger Perfonen gelegt, fo beftehe kein
Zweifel, daß auf diefe Weife ein Kunftinftitut gefchaffen werden könne, welches den
ähnlichen Anhalten Englands und Frankreichs ebenbürtig, allen deutfchen lnftitutionen
überlegen fein, dem Vaterlande zur Ehre gereichen, die Künftler und alle produzieren
den Stände und wirtfchaftlichen Korporationen zu gemeinfamer Arbeit vereinigen und,
unter der Beihilfe des Hofes den Adel, die Kirche und den kunftliebenden Bürger-
ftand zur Mitarbeit heranziehen und zu Reformen im eigenen Haufe veranlaßen würde.
Diefe Denkfchrift, verfaßt am 22. Juli 1862, zeigt Rudolf v. Eitelberger auf der
vollen Höhe der Erkenntnis des Notwendigen und Erftrebenswerten; fie hat nicht nur
Richtung und Tempo der organifatorifchen Arbeit, welche zur Gründung des öfter-
reichifchen Mufeums führte, angegeben, fondern auch den eigentümlichen Charakter,
die Vielfeitigkeit der Wirkungsweife des Inftitutes beftimmt, welche ihm bis auf den
heutigen Tag trotz aller Wandlungen des Gefchmacks und der pädagogifchen An-
fchauungen eigen geblieben ift und es fo wefentlich von allen anderen, nach feinem
Vorbilde gefchaffenen verwandten Einrichtungen, zumal des Deutfchen Reiches, unter-
fcheidet. Denn, wenn auch Eitelberger im Hinblick auf die Verhältnilfe, in welchen
fich die öffentlichen Sammlungen Wiens zu feiner Zeit befanden, und da er in feiner
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