MAK

Full text: Das Kaiserlich Königliche Österreichische Museum für Kunst und Industrie, 1864 - 1914

Gobelin- und Porzellanfabrik und andere Staatsanftalten mächtig förderte, öfter 
reich muß, führt Eitelberger weiter aus, um folcher Konkurrenz gewachfen zu fein, 
eine dem Kenfington-Mufeum analoge Anftalt gründen, fklavifche Nachahmung fei 
jedoch zu unterlaßen, die Anlehnung an das franzöfilche Vorbild durchaus nicht am 
Platte; bei allen öfterreichilchen lnftitutionen müffe auf die eigentümlichen Verhältnilfe 
der Monarchie Rückficht genommen werden. Öfterreich hat zu trachten, auf der 
Höhe des Jahrhunderts zu ftehen, wie dies in kunfterzieherilcher und volkswirtlchaft- 
licher Beziehung unter der Kaiferin Maria Therefia der Fall gewefen ift. Der Erfolg 
folcher Beftrebungen fei ficher, denn foferne es fich um die Ausnützung vorhandener 
Kunftlchäfze handle, aus welchen die heutige Produktion für ihre Aufgaben die reichfte 
Belehrung (chöpfen könne, ftehe, dank der außerordentlichen, mehrhundertjährigen 
Sammeltätigkeit des kaiferlichen Kaufes, Öfterreich an Bildungsmaterial keinem Staate 
der Welt nach, aber man dürfe eben nicht, wie dies mit den Tapeten in Schön 
brunn und zahlreichen im Depot des Belvedere befindlichen Werken der Fall fei, 
die vorhandenen reichen Schäle verftecken, fondern müffe fie zum Nutzen der Allgemein 
heit an die Öffentlichkeit bringen. Würden in folcher Art, wie es für Öfterreich 
notwendig fei, Schritte auf der neuen Bahn der Kunft- und Volkserziehung unter 
nommen werden, befchränke man fich nicht darauf, Impulfe zu geben, fondern harre 
man bei dem als richtig Erkannten konfequent aus, und werde die Durchführung 
diefer Sache frei von aller bureaukratifchen Organifation und Bevormundung in die 
Hände weniger tüchtiger und vertrauenswürdiger Perfonen gelegt, fo beftehe kein 
Zweifel, daß auf diefe Weife ein Kunftinftitut gefchaffen werden könne, welches den 
ähnlichen Anhalten Englands und Frankreichs ebenbürtig, allen deutfchen lnftitutionen 
überlegen fein, dem Vaterlande zur Ehre gereichen, die Künftler und alle produzieren 
den Stände und wirtfchaftlichen Korporationen zu gemeinfamer Arbeit vereinigen und, 
unter der Beihilfe des Hofes den Adel, die Kirche und den kunftliebenden Bürger- 
ftand zur Mitarbeit heranziehen und zu Reformen im eigenen Haufe veranlaßen würde. 
Diefe Denkfchrift, verfaßt am 22. Juli 1862, zeigt Rudolf v. Eitelberger auf der 
vollen Höhe der Erkenntnis des Notwendigen und Erftrebenswerten; fie hat nicht nur 
Richtung und Tempo der organifatorifchen Arbeit, welche zur Gründung des öfter- 
reichifchen Mufeums führte, angegeben, fondern auch den eigentümlichen Charakter, 
die Vielfeitigkeit der Wirkungsweife des Inftitutes beftimmt, welche ihm bis auf den 
heutigen Tag trotz aller Wandlungen des Gefchmacks und der pädagogifchen An- 
fchauungen eigen geblieben ift und es fo wefentlich von allen anderen, nach feinem 
Vorbilde gefchaffenen verwandten Einrichtungen, zumal des Deutfchen Reiches, unter- 
fcheidet. Denn, wenn auch Eitelberger im Hinblick auf die Verhältnilfe, in welchen 
fich die öffentlichen Sammlungen Wiens zu feiner Zeit befanden, und da er in feiner 
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