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MAK

Full text : Das Kaiserlich Königliche Österreichische Museum für Kunst und Industrie, 1864 - 1914

DIE  SAMMLUNG
VON  METALLARBEITEN
C IE  Sammlung  von  Metallarbeiten  hat  in  ihrer  Entwicklung  mit  jener
^  der  Textilien,  der  Ornamentftiche  fowie  der  keramilchen  nicht
B  gleichen  Schritt  halten  können.  Fünfmal  wurden  ihr  Kollektionen  einverleibt,
  die  einen  ausbaufähigen  Grundftock  bedeuten  konnten:
W  1867  von  Caftellani  in  Rom  eine  Kollektion  griechitcher,  römifcher  und
etruskifcher  Bronzen,  und  im  felben  Jahre  zwanzig  Prunktchlölfer  aus
dem  Nachlaß  des  Hoffchlolfers  Nowack;  1869  die  Bronzenfammlung  Sourdeau,  vorwiegend ­
  Renaiffanceplaketten;  1881  die  Perlenkronen  mit  den  koftbaren  Renaiflancefchmuckltücken
  aus  der  Kirche  des  ehemaligen  Damenltiftes  zu  Hall  in  Tirol,  und  1907
orientalilche  und  oftafiatilche  Metallarbeiten  aus  dem  k.  k.  Ölterreichifchen  Handelsmufeum.
  Bei  den  knappen  Mitteln  des  Inftituts,  dem  hohen  Kaufpreis  und  der  relativen
Seltenheit  guter  Objekte  im  Handel  war  es  überaus  tchwierig,  Goldfchmiedearbeiten
zu  fammeln.  Die  private  Sammeltätigkeit  hatte  fchon  in  der  Mitte  des  Jahrhunderts
den  Preis  alter  Goldfchmiedearbeiten  hochgezogen.  Durch  die  Silbereinlieferungspatente ­
  vom  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  war  der  Beltand  an  heimifchem  Goldund
  Silbergut  tief  reduziert  und  die  ölterreichifchen  Objekte  zu  außerordentlichen
Raritäten  gemacht  worden.  So  hatte  das  Öfterreichifche  Mufeum  hier  mit  doppelten
Schwierigkeiten  zu  kämpfen.  Diefe  vor  Augen,  hat  das  Inftitut  anfangs  mehr  Wert
auf  die  Erwerbung  von  Abgüffen  und  galvanoplaftifchen  Kopien  berühmter  Werke
gelegt.  So  beginnt  denn  das  Spezialinventar  »Goldfchmiedekunlt,  Gefäße  und  Geräte«
mit  der  Kopie  des  Landfchadenbund-Pokals.  Die  Galvanos  wurden  in  der  Folge
rafch  vermehrt.
Als  erlies  Original  fand  (ich  im  Jahre  1864  ein  unvollftändiger  Pokal  aus  der  Mitte
des  16.  Jahrhunderts  ein,  von  vergoldetem  Silber,  ohne  Deckel,  am  Lippenrand  mit  einem
Nürnberger  Befchau-  und  Meilterzeichen  (Petjold),  am  Fuße  mit  Augsburger  Befchauund
  Meillerzeichen  (Chriftoph  Lenker).  Nur  langfam  kamen  weitere  Arbeiten:  1866
ein  fpätgotifcher  Kelch;  zwei  Jahre  hernach  eine  kleine  Augsburger  Schülfel  aus  dem
Anfang  des  18.  Jahrhunderts,  der  (ich  fpäter  verwandte  Stücke  zugefellt  haben,  im
felben  Jahre  ein  Augsburger  Humpen  des  17.  Jahrhunderts  mit  wuchtig  getriebenen
Ornamenten,  1872  ein  füddeutfcher  Pokal  in  Pinienzapfenform.  Ferner  im  felben  Jahrzehnt ­
  zwei  fpätgotifche  Kelche,  ein  Vortragskreuz  von  vergoldetem  Kupfer,  nach  der
Infchrift  eine  Arbeit  von  Joa.  de  Civitella  aus  Spoleto,  1485;  die  Kollektion  von

151

ÖSTERR.  MUSEUM
F.  ANGEW.  KUNST
BIBLIOTHEK
            
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