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Full text: Das Kaiserlich Königliche Österreichische Museum für Kunst und Industrie, 1864 - 1914

Rainer gewidmeten Ausgabe veröffentlicht wurde. Es war dies der erlte und erfolgreiche 
Verfuch diefer Art der Katalogifierung einer Ornamentftichfammlung. 
Der Katalog teilt die ganze Sammlung in zwölf mit ihrer tatfächlichen Aufhellung 
übereinftimmende Gruppen, deren erfte das Ornament im allgemeinen umfaßt; 
daran (chließen fich in Gruppe 11 Stick- und Spi^enmufter und Koftümdarftel- 
lungen und weiters in den Gruppen 111 -Xll verrchiedene muftergültige Vorbilder 
für die einzelnen Zweige des Kunftgewerbes, als: Möbel, Schmiede- und Schloffer- 
arbeiten, Waffen, Uhren, Goldlchmiedearbeiten, Gefäße und Geräte, Heraldik u. f. f. 
Befonders reich ift die Sammlung an Blättern der fogenannten Kleinmeifter des 16. Jahr 
hunderts in der Gruppe der allgemeinen Ornamente, dann an Entwürfen für in Email 
oder Niello auszuführende Goldlchmiedeverzierungen aus dem 16. und 17. Jahr 
hundert, an Vorbildern für getriebene Gefäße, Punzenftichen der Nürnberger Gold- 
fchmiede Bernhard Zan, Paul Elynt, des Würzburgers Hans Hirtz und des Meifters 
l.S. von 1582, der erft kürzlich durch E. W. Braun in dem erlten Hefte des »Archivs 
für Medaillen- und Plakettenkunde« mit dem Nürnberger Goldfehmied Jonas Silber 
identifiziert wurde, an Entwürfen für Juweliere und an heraldifchen Mufterblättern, zu 
welchen auch eine im Jahre 1878 angelegte Sammlung von deutlchen, franzöfilchen, 
italienilchen und holländilchen Buchhändler- und Buchdruckerfigneten aus dem 15. bis 
zur Mitte des 17. Jahrhunderts zu rechnen ift. Die letztere Sammlung ift auch von 
großem künftlerilchem Intereffe wegen der reizenden Kartulchen, welche meift die eigent 
lichen Symbole und Hausmarken angeben und die von den hervorragendften Künftlern 
des 16. und 17. Jahrhunderts entworfen wurden. 
Der fyftematilchen Vermehrung der Ornamentftichfammlung wurde ftets ein ganz 
befonderes Augenmerk zugewendet und auf öffentlichen Verfteigerungen und im Kunft- 
handel jede Gelegenheit zu ihrer Vervollftändigung benützt. Im Anfchluffe an den 1871 
ausgegebenen illuftrierten Katalog wurden die feit diefem Jahre erworbenen Blätter 
in einem mit 130 Abbildungen gefchmückten Katalog, der zur Feier des 25jährigen 
Jubiläums des Inftitutes im Jahre 1889 erfchien, durch den Unterzeichneten genau 
belchrieben; ein dritter Teil, der den Zuwachs feit 1889 behandeln foll, bleibt der 
nächften Zukunft Vorbehalten. 
Der Ornamentftichfammlung ift eine fehr Ichöne und für die Buchausftattung 
äußerft verwendbare Vorbilder bietende Sammlung von 15-557 Blättern Initialen aus 
deutfehen, franzöfifchen, italienifchen und niederländifchen Druckwerken des 15. bis 
18. Jahrhunderts angelchloffen. Der größte Teil diefer Sammlung, 12.631 Blätter, wurde 
im September 1867 aus dem Befitje des Glasmalers H. v. Holtorp in London erworben. 
Befonders zu erwähnen ift hier auch eine größere Anzahl alter Spielkarten, zum 
Teil aus dem 16., der Mehrzahl nach aber aus dem 17. und 18. Jahrhundert und unter 
192
	        
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