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MAK

Full text : Das Kaiserlich Königliche Österreichische Museum für Kunst und Industrie, 1864 - 1914

ln  großer  Zahl  kamen  die  Künftler,  um  Anregung  zu  holen  und  ihre  Mitwirkung
anzubieten;  langfamer  ging  es  mit  der  Gewinnung  tätiger  Mitarbeit  von  lnduftrie
und  Handwerk.  Eduard  v.  Haas  und  Ludwig  Lobmeyr  gingen  hierin  voran  und
letzterer  hat  lieh  von  jenen  Tagen  an  bis  zur  Gegenwart  ftets  als  treuefter  Freund
und  Mitarbeiter  bewährt,  ein  Vorbild  für  alle,  welche,  die  Bedeutung  der  neuen
Schöpfung  erkennend,  lieh  in  immer  größerer  Zahl  von  den  dem  Mufeum  entftrömenden
  Ideen  beeinflulfen  ließen.  Denn  die  fchon  anläßlich  der  Eröffnung  des
Mufeumsgebäudes  auf  dem  Stubenring  veranftaltete  Ausftellung,  mit  welcher  das  Haus
eingeweiht  wurde,  zeigte  eine  fehr  ftarke  Beteiligung,  über  200  Teilnehmer  füllten  mit
ihren  durchwegs  neu  gefchaffenen  Objekten  fämtliche  großen  Parterrefäle  des  Haufes.
Und  die  Wiener  Weltausftellung  von  1873  zeigte  eine  Kooperation  des  Mufeums,  der
1868  auf  Betreiben  des  Erzherzogs  Rainer  und  Eitelbergers  gefchaffenen  Kunftgewerbefchule
  und  zahlreicher  Künftler  mit  lnduftrie  und  Handwerk  in  fo  auffälliger  und  umfaffender
  Weife,  daß  hiedurch  die  Aufmerkfamkeit  der  ganzen  Welt  auf  das  Wiener
Kunftinftitut  als  ein  nachahmenswertes  Vorbild  gelenkt  wurde  und  man,  wie  immer  das
heutige  Urteil  über  den  künftlerifchen  Wert  jener  Leiftungen  auch  lauten  mag,  zugeben
muß,  daß  hier  fruchtbare  Keime  der  Fortentwicklung  der  angewandten  heimifchen
Kunft  gelegt  worden  find.  Ein  ähnlicher  ftarker  Erfolg  war  dem  heimifchen,  unter
dem  Einfluß  des  Mufeums  und  feiner  Schule  ftehenden  Schaffen  auf  der  Münchener
Ausftellung  von  1876  befchieden,  und  fehr  deutlich  zeigte  fich  gerade  dort  die
eindrucksvolle  Einwirkung  jener  Künftler  auf  die  heimilche  Kunftinduftrie,  als  deren
Führer  damals  Laufberger,  Storck  und  Teirich  immer  mehr  in  den  Vordergrund
traten.  Über  Zweckdienlichkeit  und  Methode  diefer  Neubelebung  zunächft  der  italienifchen
  Renaiffance  und  fodann  nach  der  erwähnten  Münchener  Ausftellung  der  Formenfprache
  der  deutfehen  RenaifTance  in  Architektur  und  dem  Gefamtgebiete  der  Innenkunft,
  welche  von  den  Erbauern  der  Monumentalwerke  der  Ringftraße  und  jenen
Führern  des  Mufeums  und  der  Kunftgewerbefchule  und  dem  großen  Stabe  ihrer  Schüler
und  Jünger  mit  zäher  Beharrlichkeit  und  bewunderungswürdiger  Strenggläubigkeit
durch  Dezennien  gepflegt  und  betrieben  wurde,  hat  die  nachwachfende  Generation
anders  zu  urteilen  gelernt  als  jene  Männer  es  fich  verfahen.  Daß  fie  ihrerfeits  in  allzuweitgehender ­
  Gering(chät$ung  auf  die  francisceifche  Kunft  zurückblickten  und  den  in  den
Fünfzigerjahren  fallengelaffenen  Faden,  an  welchen  anzuknüpfen  gewefen  wäre,  weder
fuchten  noch  fahen,  ift  für  uns  heute  zwar  kein  Rätfel,  denn  es  liegt  im  menfehlichen
  Wefen  begründet,  aber  vielleicht  Gegenftand  des  Bedauerns.  Wenn  man  ihnen
aber  auch  zum  Vorwurfe  macht,  daß  fie  bei  aller  Verfenkung,  bei  allem  Sichverlieren
  in  Vergangenheit  und  deren  hiftorifierende  Erneuerung  über  die  äußere
Form  in  den  innerften  Kern  der  ewig  vorbildlichen,  ewig  unnachahmlichen  alten  Kunft

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