ln großer Zahl kamen die Künftler, um Anregung zu holen und ihre Mitwirkung
anzubieten; langfamer ging es mit der Gewinnung tätiger Mitarbeit von lnduftrie
und Handwerk. Eduard v. Haas und Ludwig Lobmeyr gingen hierin voran und
letzterer hat lieh von jenen Tagen an bis zur Gegenwart ftets als treuefter Freund
und Mitarbeiter bewährt, ein Vorbild für alle, welche, die Bedeutung der neuen
Schöpfung erkennend, lieh in immer größerer Zahl von den dem Mufeum entftrömenden
Ideen beeinflulfen ließen. Denn die fchon anläßlich der Eröffnung des
Mufeumsgebäudes auf dem Stubenring veranftaltete Ausftellung, mit welcher das Haus
eingeweiht wurde, zeigte eine fehr ftarke Beteiligung, über 200 Teilnehmer füllten mit
ihren durchwegs neu gefchaffenen Objekten fämtliche großen Parterrefäle des Haufes.
Und die Wiener Weltausftellung von 1873 zeigte eine Kooperation des Mufeums, der
1868 auf Betreiben des Erzherzogs Rainer und Eitelbergers gefchaffenen Kunftgewerbefchule
und zahlreicher Künftler mit lnduftrie und Handwerk in fo auffälliger und umfaffender
Weife, daß hiedurch die Aufmerkfamkeit der ganzen Welt auf das Wiener
Kunftinftitut als ein nachahmenswertes Vorbild gelenkt wurde und man, wie immer das
heutige Urteil über den künftlerifchen Wert jener Leiftungen auch lauten mag, zugeben
muß, daß hier fruchtbare Keime der Fortentwicklung der angewandten heimifchen
Kunft gelegt worden find. Ein ähnlicher ftarker Erfolg war dem heimifchen, unter
dem Einfluß des Mufeums und feiner Schule ftehenden Schaffen auf der Münchener
Ausftellung von 1876 befchieden, und fehr deutlich zeigte fich gerade dort die
eindrucksvolle Einwirkung jener Künftler auf die heimilche Kunftinduftrie, als deren
Führer damals Laufberger, Storck und Teirich immer mehr in den Vordergrund
traten. Über Zweckdienlichkeit und Methode diefer Neubelebung zunächft der italienifchen
Renaiffance und fodann nach der erwähnten Münchener Ausftellung der Formenfprache
der deutfehen RenaifTance in Architektur und dem Gefamtgebiete der Innenkunft,
welche von den Erbauern der Monumentalwerke der Ringftraße und jenen
Führern des Mufeums und der Kunftgewerbefchule und dem großen Stabe ihrer Schüler
und Jünger mit zäher Beharrlichkeit und bewunderungswürdiger Strenggläubigkeit
durch Dezennien gepflegt und betrieben wurde, hat die nachwachfende Generation
anders zu urteilen gelernt als jene Männer es fich verfahen. Daß fie ihrerfeits in allzuweitgehender
Gering(chät$ung auf die francisceifche Kunft zurückblickten und den in den
Fünfzigerjahren fallengelaffenen Faden, an welchen anzuknüpfen gewefen wäre, weder
fuchten noch fahen, ift für uns heute zwar kein Rätfel, denn es liegt im menfehlichen
Wefen begründet, aber vielleicht Gegenftand des Bedauerns. Wenn man ihnen
aber auch zum Vorwurfe macht, daß fie bei aller Verfenkung, bei allem Sichverlieren
in Vergangenheit und deren hiftorifierende Erneuerung über die äußere
Form in den innerften Kern der ewig vorbildlichen, ewig unnachahmlichen alten Kunft
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