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MAK

Full text : Das Kaiserlich Königliche Österreichische Museum für Kunst und Industrie, 1864 - 1914

zennien  hat  (ich  das  nun  gewaltig  geändert:  Univerfität,  Volksbildungsverein,  Volksheim, ­
  Urania  und  zahlreiche  andere  Korporationen  veranftalten  Hunderte  von  Vortragszyklen ­
  und  Einzelvorträgen,  an  welchen  viele  Taufende  von  Zuhörern  teilnehmen.
Die  Anziehungskraft  der  Mufeumsvorträge  wurde  durch  diefe  Konkurrenz  jedoch  nicht
gelchmälert,  fie  ift  vielmehr  immer  ftärker  geworden  und  hat  (ich  auf  Schichten  der  Gefellfchaft
  erftreckt,  welche  früher  den  Mufeumsveranftaltungen  ferne  geblieben  waren.
Angefichts  des  außerordentlichen  Bildungseifers  der  arbeitenden  Klaffe  und  des  immer
lebhafter  werdenden  Wunlches  der  Lehrerlchaft,  eine  Einführung  in  die  Gelchichte
der  Kunft  zu  empfangen,  haben  wir  uns  im  jahre  1904  entfchloffen,  zu  den  Sonntagsvorträgen ­
  wieder  zurückzukehren  und  als  Ergänzung  der  volkstümlichen  Univerfitätskurfe,
  welche  hauptfächlich  das  Gebiet  der  Naturwiffenfchaften,  der  Gefundheitslehre,
  der  Rechtslehre,  Nationalökonomie  und  Gefchichte  pflegen,  volkstümliche
Mufeumskurfe  über  allgemeine  Kunftgefchichte  und  fpezielle  Kapitel  derfelben  für  die
Lehrerlchaft  und  die  Arbeiterkreife  an  Sonntagsnachmittagen  zu  veranftalten.  Der
Zudrang  zu  diefen  Kurfen,  welche  wie  die  anderen  Vorträge  des  Mufeums  mit  Projektionsvorführungen ­
  verbunden  find,  übertraf  alle  Erwartung  und  hat  (ich  durch  all
die  lahre  hindurch  ungefchmälert  erhalten.  Hervorgehoben  fei  auch,  daß  das  Öfterreichifche
  Mufeum  das  erfte  öffentliche  lnftitut  Wiens  war,  welches  vor  mehr  als
zwanzig  Jahren  den  Projektionsapparat  in  das  Vortragswefen  eingeführt  und  feine
Benützung  zu  einer  ftändigen,  heute  unerläßlichen  Einrichtung  gemacht  hat.  Das
lnftitut  verfügt  heute  über  einen  Vorrat  von  mehr  als  12.000  Glasbildern,  welche
in  der  liberalften  Weife  an  Mufeen,  Lehrkanzeln  und  Vereine  verliehen  werden  und
außerordentlichen  Nutzen  geftiftet  haben.  Wenn  man  bedenkt,  wie  fchwierig  es  bis
zur  Einführung  des  Projektionsapparates  gerade  auf  unferem  Gebiete  war,  die  Vorträge ­
  durch  Illuftrationsmaterial  zu  beleben,  das  in  kleinem  und  ungleichem  Formate
vor  jedem  Vortrage  an  den  Wänden  des  Saales  angebracht  werden  mußte,  ohne
daß  der  Redner  ficher  fein  konnte,  daß  das  Objekt,  von  dem  er  eben  fprach,  auch
wirklich  von  jedem  Zuhörer  angefehen  werde;  und  wenn  man  weiters  in  Rückficht
zieht,  wie  viele  Sprecher  wegen  diefer  Schwierigkeiten  und  Unzukömmlichkeiten  auf
die  bildliche  Darftellung,  auf  die  fie  in  ihrem  Gedankengang  fortwährend  reflektierten, ­
  völlig  Verzicht  leifteten,  fo  wird  man  erft  recht  inne,  welche  außerordentliche
Verbefferung  und  Bereicherung  das  Vortragswefen  durch  das  Skioptikon  und  die  Fortfchritte
  der  Photographie  empfangen  hat.  Allerdings  wird  man  (ich  davor  hüten  müffen,
den  Wert  der  Vorträge  und  der  Belehrung,  die  von  ihnen  ausgehen  foll,  durch  ein  Übermaß ­
  von  Bildern  und  ihre  blitzartige  Vorüberführung  vor  dem  Auge  zu  beeinträchtigen. ­
  Die  ernften  Vorträge  eines  Mufeums  dürfen  nie  auf  die  durch  den  Kinematographen
  gereizte  und  vielfach  bedrohte  Schauluft  der  Zuhörerfchaft  allein  wirken  wollen.

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