zennien hat (ich das nun gewaltig geändert: Univerfität, Volksbildungsverein, Volksheim,
Urania und zahlreiche andere Korporationen veranftalten Hunderte von Vortragszyklen
und Einzelvorträgen, an welchen viele Taufende von Zuhörern teilnehmen.
Die Anziehungskraft der Mufeumsvorträge wurde durch diefe Konkurrenz jedoch nicht
gelchmälert, fie ift vielmehr immer ftärker geworden und hat (ich auf Schichten der Gefellfchaft
erftreckt, welche früher den Mufeumsveranftaltungen ferne geblieben waren.
Angefichts des außerordentlichen Bildungseifers der arbeitenden Klaffe und des immer
lebhafter werdenden Wunlches der Lehrerlchaft, eine Einführung in die Gelchichte
der Kunft zu empfangen, haben wir uns im jahre 1904 entfchloffen, zu den Sonntagsvorträgen
wieder zurückzukehren und als Ergänzung der volkstümlichen Univerfitätskurfe,
welche hauptfächlich das Gebiet der Naturwiffenfchaften, der Gefundheitslehre,
der Rechtslehre, Nationalökonomie und Gefchichte pflegen, volkstümliche
Mufeumskurfe über allgemeine Kunftgefchichte und fpezielle Kapitel derfelben für die
Lehrerlchaft und die Arbeiterkreife an Sonntagsnachmittagen zu veranftalten. Der
Zudrang zu diefen Kurfen, welche wie die anderen Vorträge des Mufeums mit Projektionsvorführungen
verbunden find, übertraf alle Erwartung und hat (ich durch all
die lahre hindurch ungefchmälert erhalten. Hervorgehoben fei auch, daß das Öfterreichifche
Mufeum das erfte öffentliche lnftitut Wiens war, welches vor mehr als
zwanzig Jahren den Projektionsapparat in das Vortragswefen eingeführt und feine
Benützung zu einer ftändigen, heute unerläßlichen Einrichtung gemacht hat. Das
lnftitut verfügt heute über einen Vorrat von mehr als 12.000 Glasbildern, welche
in der liberalften Weife an Mufeen, Lehrkanzeln und Vereine verliehen werden und
außerordentlichen Nutzen geftiftet haben. Wenn man bedenkt, wie fchwierig es bis
zur Einführung des Projektionsapparates gerade auf unferem Gebiete war, die Vorträge
durch Illuftrationsmaterial zu beleben, das in kleinem und ungleichem Formate
vor jedem Vortrage an den Wänden des Saales angebracht werden mußte, ohne
daß der Redner ficher fein konnte, daß das Objekt, von dem er eben fprach, auch
wirklich von jedem Zuhörer angefehen werde; und wenn man weiters in Rückficht
zieht, wie viele Sprecher wegen diefer Schwierigkeiten und Unzukömmlichkeiten auf
die bildliche Darftellung, auf die fie in ihrem Gedankengang fortwährend reflektierten,
völlig Verzicht leifteten, fo wird man erft recht inne, welche außerordentliche
Verbefferung und Bereicherung das Vortragswefen durch das Skioptikon und die Fortfchritte
der Photographie empfangen hat. Allerdings wird man (ich davor hüten müffen,
den Wert der Vorträge und der Belehrung, die von ihnen ausgehen foll, durch ein Übermaß
von Bildern und ihre blitzartige Vorüberführung vor dem Auge zu beeinträchtigen.
Die ernften Vorträge eines Mufeums dürfen nie auf die durch den Kinematographen
gereizte und vielfach bedrohte Schauluft der Zuhörerfchaft allein wirken wollen.
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