DIE
TEXTILSAMMLUNG
W IE alle anderen Sammlungen des Mufeums war auch die Textilabteilung
zunächlt auf Leihgaben, befonders aus dem Hofbefit^e, angewiefen,
doch konnte (chon kurze Zeit nach der Gründung des Mufeums, durch
die Erwerbung der Bocklchen Sammlung, ein gediegener Grund für die
eigene weitere Entwicklung gelegt werden. Bekanntlich hatte Kanonikus
Dr. Bock fchon vor der Errichtung der erlten Kunltgewerbemufeen
(in London und Wien) aus den alten Kulturgebieten des Rheins und Italiens, aber auch
aus andern Ländern, eine reiche Sammlung alter Stoffe und Spieen zufammenge-
bracht. Die Hauptteile gingen an das South-Kenfington und an das Ölterreichifche
Mufeum über. Es handelte lieh zumeilt wohl nur um kleinere Abfchnitte; die Reich
haltigkeit an Stoffmultern ließ aber einen Überblick fall über die ganze mittelalter
liche und teilweife auch die fpätere Entwicklung gewinnen. Befonderen Wert erhielt die
Sammlung noch durch einen gedruckten Katalog, der die wilfenfchaftliche und fonltige
Benützung wefentlich erleichterte.
Die Beltimmungen und Anschauungen Bocks find im einzelnen heute zwar nicht
mehr aufrecht zu erhalten, immerhin waren fie eine wichtige Vorltufe unferer heutigen,
freilich immer noch lückenhaften Kenntnilfe. Aber wenn lieh die Auffalfung der
Stücke auch geändert hat, fo ilf ihr eigener Wert dadurch nicht berührt worden.
Dem Geilte der Zeit entsprechend, hatte Bock natürlich nicht nur die Ab ficht
künltlerifch oder wiffenfchaftlich wichtiges Material zu fammeln, Sondern auch Vor
bilder für die gerade von ihm angeltrebte Erneuerung der kirchlichen Webekunlt.
ln der Tat hat (ich C. Giani in Wien diefe Anregungen in hohem Grade zunutze
gemacht und konnte fchon bei der Parifer Weltausftellung des Jahres 1867 mit glän
zenden Leiltungen hervortreten, die dem ölterreichifchen Gewerbe Ehre und Nutzen
einbrachten. Auch die Arbeiten Friedrich Fifchbachs, die heute als Anfchauungsmaterial
noch Wert haben und Seinerzeit befonders die Tapetenerzeugung Sehr befruchteten,
gehen zum größten Teile auf die Tätigkeit Bocks und des Ölterreichifchen Mufeums
zurück.
Die Reichhaltigkeit und die früh beginnende wilfenfchaftliche Durcharbeitung der
Bockfchen Sammlung ermöglichte auch ein klareres Erkennen der Lücken des Mufeums-
beltandes und ein allmähliches Ausfüllen derfelben. Unter den mittelalterlichen Er
gänzungen wären unter anderem eine große Glockenkafel mit goldenen lierbildungen,
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OSTERR. MUSEUM
F. ANGEW. KUNST
BIBLIOTHEK