kunh unter Karl VI. und Maria Therefia kennzeichnende Beifpiele zu gewinnen, ebenfo
für die fpätere unter Kaifer Franz, in der im befonderen Wien durch feine Pofamente
und Borten hervorragte.
Orientalifche Arbeiten waren fchon in der Bockfchen Sammlung enthalten. Die
Wiener Weltausheilung vom Jahre 1873 und die Einfettung der öherreichifch-ungarifchen
Verwaltung in Bosnien im Jahre 1878 gaben dann Gelegenheit, umfangreiche Ausgehaltungen
vorzunehmen. (Erwähnt feien die Zuweifungen der bosnifchen Landesregierung.)
Auch orientalifche Teppiche wurden von Fall zu Fall erworben, fo fchon
im Jahre 1868 der ausgezeichnete indifche Gebetteppich mit Blumenwerk. Am größten
war aber der Zuwachs auf diefem Gebiete durch den Ankauf der Kunhfammlungen
des k. k. Öherreichifchen Handelsmufeums (im Jahre 1907). Es wurde dadurch nicht nur
eine Fülle von einzelnen Gegenltänden mohammedanifch-orientalifcher und ohafiatifcher
Textilkunlt gewonnen, fondern vor allem eine Anzahl ganz hervorragender Knüpfteppiche,
fo der wundervolle perfifche Vafenteppich mit weißem Grunde, der vielleicht
fchönlte mohammedanifch-indifche Teppich (mit Vögeln und Blumen), einige ausgezeichnete
Herat- und mehrere alttürkifche Teppiche von ungewöhnlicher Größe und
Schönheit. Das Mufeum ilt damit in die erlte Linie der Teppichfammlungen der Welt
gerückt und in diefer Stellung unter anderem auch auf der Münchener muhammedanifchen
Ausheilung im Jahre 1910, wo ein Teil des Belizes ausgehellt war, allgemein
anerkannt worden.
Diefe Ausheilung ermöglichte es übrigens auch, eines der fchönhen Gewebe aus
der Blütezeit perfilcher Kunh um 1600, das bereits nach Amerika verkauft werden Tollte,
für das Mufeum zu erwerben.
Die ohafiatifche Sammlung konnte im Jahre 1905 um eine Fülle alter Stoffproben
vermehrt werden, die der bekannte Geograph Freiherr v. Siebold in Japan noch
zu einer Zeit zuhande gebracht hatte, als diefes Land nach außen hm fah abgelchloffen
war.
Natürlich waren beim Sammeln außer gefchichtlichen und künhlerilchen Gefichtspunkten
auch hets technilche maßgebend. Es gelang fo, in diefer Hinficht lehrreiche,
oh die verfchiedenen Herhellungshadien vorführende, Arbeiten zu erwerben, fo z. B.
von fpätantiken Stoffen, indifchen Batiks, Spieen und ombrierten Stickereien.
Durch viele Jahre wurden auch die Schülerinnen der (nun umgewandelten) k. k.
Lehranhalt für Kunhhickerei und die des k. k. Gobelinkurfes von den Leitern der
Textilabteilung in die Entwicklung der Kunh eingeführt. Auch war Dr. Riegl, ebenfo
wie der jetzige Leiter es noch heute ih, als Univerfitätslehrer bemüht, die Sammlungen
der Wilfenlchaft und Denkmalpflege nutzbringend zu machen. Es entbanden dadurch
fehr fruchtbare Wechfelbeziehungen.
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