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MAK

Full text : Das Kaiserlich Königliche Österreichische Museum für Kunst und Industrie, 1864 - 1914

kunh  unter  Karl  VI.  und  Maria  Therefia  kennzeichnende  Beifpiele  zu  gewinnen,  ebenfo
für  die  fpätere  unter  Kaifer  Franz,  in  der  im  befonderen  Wien  durch  feine  Pofamente
und  Borten  hervorragte.
Orientalifche  Arbeiten  waren  fchon  in  der  Bockfchen  Sammlung  enthalten.  Die
Wiener  Weltausheilung  vom  Jahre  1873  und  die  Einfettung  der  öherreichifch-ungarifchen
Verwaltung  in  Bosnien  im  Jahre  1878  gaben  dann  Gelegenheit,  umfangreiche  Ausgehaltungen ­
  vorzunehmen.  (Erwähnt  feien  die  Zuweifungen  der  bosnifchen  Landesregierung.) ­
  Auch  orientalifche  Teppiche  wurden  von  Fall  zu  Fall  erworben,  fo  fchon
im  Jahre  1868  der  ausgezeichnete  indifche  Gebetteppich  mit  Blumenwerk.  Am  größten
war  aber  der  Zuwachs  auf  diefem  Gebiete  durch  den  Ankauf  der  Kunhfammlungen
des  k.  k.  Öherreichifchen  Handelsmufeums  (im  Jahre  1907).  Es  wurde  dadurch  nicht  nur
eine  Fülle  von  einzelnen  Gegenltänden  mohammedanifch-orientalifcher  und  ohafiatifcher
Textilkunlt  gewonnen,  fondern  vor  allem  eine  Anzahl  ganz  hervorragender  Knüpfteppiche, ­
  fo  der  wundervolle  perfifche  Vafenteppich  mit  weißem  Grunde,  der  vielleicht
fchönlte  mohammedanifch-indifche  Teppich  (mit  Vögeln  und  Blumen),  einige  ausgezeichnete ­
  Herat-  und  mehrere  alttürkifche  Teppiche  von  ungewöhnlicher  Größe  und
Schönheit.  Das  Mufeum  ilt  damit  in  die  erlte  Linie  der  Teppichfammlungen  der  Welt
gerückt  und  in  diefer  Stellung  unter  anderem  auch  auf  der  Münchener  muhammedanifchen
  Ausheilung  im  Jahre  1910,  wo  ein  Teil  des  Belizes  ausgehellt  war,  allgemein ­
  anerkannt  worden.
Diefe  Ausheilung  ermöglichte  es  übrigens  auch,  eines  der  fchönhen  Gewebe  aus
der  Blütezeit  perfilcher  Kunh  um  1600,  das  bereits  nach  Amerika  verkauft  werden  Tollte,
für  das  Mufeum  zu  erwerben.
Die  ohafiatifche  Sammlung  konnte  im  Jahre  1905  um  eine  Fülle  alter  Stoffproben
vermehrt  werden,  die  der  bekannte  Geograph  Freiherr  v.  Siebold  in  Japan  noch
zu  einer  Zeit  zuhande  gebracht  hatte,  als  diefes  Land  nach  außen  hm  fah  abgelchloffen
  war.
Natürlich  waren  beim  Sammeln  außer  gefchichtlichen  und  künhlerilchen  Gefichtspunkten
  auch  hets  technilche  maßgebend.  Es  gelang  fo,  in  diefer  Hinficht  lehrreiche,
oh  die  verfchiedenen  Herhellungshadien  vorführende,  Arbeiten  zu  erwerben,  fo  z.  B.
von  fpätantiken  Stoffen,  indifchen  Batiks,  Spieen  und  ombrierten  Stickereien.
Durch  viele  Jahre  wurden  auch  die  Schülerinnen  der  (nun  umgewandelten)  k.  k.
Lehranhalt  für  Kunhhickerei  und  die  des  k.  k.  Gobelinkurfes  von  den  Leitern  der
Textilabteilung  in  die  Entwicklung  der  Kunh  eingeführt.  Auch  war  Dr.  Riegl,  ebenfo
wie  der  jetzige  Leiter  es  noch  heute  ih,  als  Univerfitätslehrer  bemüht,  die  Sammlungen
der  Wilfenlchaft  und  Denkmalpflege  nutzbringend  zu  machen.  Es  entbanden  dadurch
fehr  fruchtbare  Wechfelbeziehungen.

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