DIE KERAMISCHE UND GLASSAMMLUNG
E INEN guten Überblick über die Entwicklung der unglafierten und
glafierten Tonarbeiten fowie über die des Porzellans gewährt in
ihrer heutigen Aufhellung die keramifche Sammlung des Mufeums.
Die ganze Sammlung umfaßt rund 6200 Objekte, doch ift vieles,
was dem Augenblick gedient hat, namentlich eine große Zahl
moderner Erzeugnilfe, im Laufe der Jahre ausgelchieden und im
Depot verwahrt worden.
Die erfte Erwerbung erfolgte im Jahre 1863 durch den Kurator des Öfterreichifchen
Mufeums Herrn v. Friedland, der noch vor Eröffnung des Inftitutes eine größere Anzahl
von Fayencen, befonders folche des 17. und 18. Jahrhunderts aus Nevers, Rouen,
Moultiers, Sceaux, Marfeille und Straßburg, unter Intervention des Herrn Darcel erworben,
dem Mufeum gewidmet und fo den Grund zu einer kleinen Kollektion gelegt
hat, die erd 1891 durch den anläßlich der Nolletlchen Verweigerung in Paris erfolgten
Ankauf mehrerer PalilfylchülTeln eine willkommene Bereicherung erfuhr. Mit Hilfe des
Herrn Friedland wurde auch 1865 die erfte größere Folge antiker Tongefäße, 250 Stück,
aus der Sammlung Caftellani in Rom angekauft. Sie bildet den Grundftock unferes
Belizes an antiken Vafen und umfaßt die Hauptftücke der Sammlung. Es lind die ErgebnifTe
der zu Beginn der Sechzigerjahre beendeten Ausgrabungen von Caere,
unter denen Heinrich v. Brunn das Befte für das Mufeum ausgewählt hatte. Die
Vafen repräfentieren alle in Südetrurien vorkommenden Formen und Stilarten. Eine
weitere Erwerbung aus der Sammlung des Barons v. Koller gab eine erwünlchte
Vermehrung. Im Jahre 1868 kam das Mufeum in den Befi§ interelfanter Funde aus
einem Grabe in Canolfa, vier Jahre fpäter gelang eine bedeutende Vermehrung durch
eine Kollektion römilcher Gefäße aus rotem Ton mit Reliefornamenten. Im Jahre 1873
kam die erfte Tanagrafigur, eine der befterhaltenen, die gefunden wurden, eine
weibliche Statuette mit deutlich erkennbarer Bemalung, in den Befi§ des Mufeums.
Herr A. Reichmann in Mailand Ichenkte im darauffolgenden Jahre dem Mufeum eine
Serie antiker Tongefäße und Figuren, zum großen Teil aus Sardinien dämmend, und
vergrößerte diefe Kollektion bald darauf durch weitere Schenkungen.
Durch Vermittlung des Herrn Hofrates v. Scherzer erwarb das Mufeum im
Jahre 1874 kleinaliatilche Gefäße und Figuren, insbefondere aber drei griechilche
Tongefäße aus Korinth mit Goldverzierung. Eine weitere Serie von 191 Stücken,
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