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MODERNE SYSTEME.
Fußgänger. Diese müssen alle hundert Schritte das Trottoir
verlassen, um schon wieder über eine Straße hinüber-
zugehen, wobei sie rechts und links nicht genug Achtung
haben können auf die kreuz und quer daherkommenden
Wagen. Es fehlt ihnen der natürliche Schutz der ununter
brochenen Häuserfront. In jeder Stadt, in der sich ein so
genannter Korso (Verdauungsbummel) irgendwo entwickelt
zeigt, kann man beobachten, wie sich derselbe unwillkür
lich eine lange nicht wesentlich zerschnittene Häuserreihe
als erwünschte Seitendeckung auswählte, da sonst das
ganze Vergnügen durch das ewige Aufpassen auf den
Kreuzungsverkehr verdorben wäre. Am deutlichsten ist
das beim Wiener Ringstraßenkorso zu sehen. Von dem Ge
bäude der Gartenbaugesellschaft bis zur verlängerten
Kärntnerstraße bewegt sich die dichte Menschenmenge nur
auf der gegen die innere Stadt gelegenen Seite der Ring
straße, während die entgegengesetzte (im Sommer sogar
angenehmere kühlere) Seite menschenleer ist. Woher
kommt das ? Nur daher, weil auf der gemiedenen südlichen
Seite man den Schwarzenbergplatz durchqueren müßte
und das ist unangenehm. Von der Kärntnerstraße an
weiter bis zu den Hofmuseen bewegt sich der Korso aber
plötzlich auf der anderen Seite der Ringstraße. Warum ?
Weil man sonst vor der Auffahrtsrampe des Opern-
theaters vorbei müßte, was neuerdings dem natürlichen
Hange nach Seitendeckung nicht entsprechen würde.
Was für herrliche Verkehrsverhältnisse kommen aber
erst zutage, wenn noch mehr als vier Straßenzüge zu
sammenlaufen. Bei Hinzufügung von nur noch einer
Straßenmündung auf einen solchen Kreuzungspunkt steigt
die Zahl der möglichen Wagenbegegnungen schon auf 160,
also auf mehr als das Zehnfache des erstbesprochenen
Falles und ebenso die Zahl der verkehrsstörenden
Kreuzungen. Was soll man aber sagen zu Knotenpunkten
des Verkehres, wo gar sechs und noch mehr Straßen von
allen Seiten her zusammenlaufen wie in dem in Fig. 84 ge-