114
MODERNE SYSTEME.
um ihrer selbst willen vor allem nicht offen an der Straße
liegen dürften ? Überall, wo ehemalige zu Palästen gehörende
Privatgärten der öffentlichen Nutznießung übergeben wurden,
kann man sich überzeugen, daß solche vom Straßenverkehr
abgelegene Gärten auch bei kleinerem Umfange ihren
hygienischen Zweck voll und ganz erfüllen und daß hier
auch der Pflanzenwuchs gedeiht. Bezeichnend für den
geringen Nutzen zerstreuter offener Straßenpflanzungen,
besonders von kümmerlich gedeihenden Alleen, ist gewiß
der Umstand, daß sich selbst an heißen Sommertagen
der Korso meist nicht in der Allee, sondern am Trottoir
der Ringstraßen, Avenuen etc. bewegt. Der Hauptwert
dürfte da in der Bespritzung der Blätterkronen liegen,
welche bei großer Hitze förmlich als Verdunstungs- und
sonach Abkühlungsapparate anzusehen wären. Immerhin
mag auch dieser kleine Nutzen groß genug sein, um Straßenpflanzungen
zu veranlassen, wo immer sie durchführbar
sind; vor monumentalen Gebäuden sollte die Baumreihe
aber unterbrochen werden, denn hier ist zweifellos der
ästhetische Nachteil viel bedeutender als der geringe hygienische
Nutzen. Hier wäre zwischen zwei Übeln das kleinere
zu wählen und die Baumreihe abzubrechen.
Der Zwiespalt zwischen alter und neuer Methode auch
im Gebiete der Gartenkunst ermöglicht es nunmehr, alles
in eins zusammenzufassen. Folgend der historischen Entwicklung
aus der ursprünglichen unzerschnittenen Straßenlinie,
wie noch heute bei Dörfern, bleibt bei alten Städten
die Geschlossenheit der Räume und Wirkungen der Ausgangspunkt
aller Anordnungen. Die moderne Anlage folgt
dem entgegengesetzten Streben des Zerschneidens in einzelne
Blöcke: Häuserblock, Platzblock, Gartenblock, jeder ringsherum
von Straßenfluchten begrenzt. Daher auch dieser
allgewaltige Zug der Gewohnheit: alle Monumente in der
Mitte eines leeren Raumes sehen zu wollen. Es ist System
in dieser Verkehrtheit. Das Ideal solcher Anlagen ließe
sich mathematisch definieren als das Streben nach einem