BEI MODERNEN STADTANLAGEN.
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Volksseele lebendige Weltanschauung mangelt, welche in
einem solchen ^Verk seine sinnliche Verkörperung fände.
Aber auch inhaltsleer, wie es die moderne Kunst ist, bloß
dekorativ angefaßt, wäre die Aufgabe für den realistischen
Menschen des neunzehnten Jahrhunderts noch erschreckend
groß. Der Städteerbauer von heute muß sich vor allem an
die edle Tugend äußerster Bescheidenheit gewöhnen, und
zwar, was das Absonderliche an der Sache ist, weniger
aus Geldmangel als vielmehr aus inneren, rein sachlichen
Gründen.
Gesetzt den Fall, daß bloß dekorativ bei einer Neuanlage
ein pompöses und malerisch möglichst wirkendes
Stadtbild gleichsam nur zur Repräsentanz, zur Verherrlichung
des Gemeinwesens geschaffen werden soll, so kann
das mit dem Lineal, mit unseren schnurgeraden Straßenfluchten
nicht bewirkt werden; es müßten, um die
Wirkungen der alten Meister hervorzubringen, auch die
Farben der Alten auf die Palette gesetzt werden. Es müßten
allerlei Krummziehungen, Straßenwinkel, Unregelmäßigkeiten
künstlich im Plane vorgesehen werden; also erzwungene
Ungezwungenheiten; beabsichtigte Unabsichtlichkeiten.
Kann man aber Zufälligkeiten, wie sie die Geschichte
im Laufe der Jahrhunderte ergab, am Plane
eigens erfinden und konstruieren? Könnte man denn an
solcher erlogenen Naivität, an einer solchen künstlichen
Natürlichkeit wirkliche, ungeheuchelte Freude haben?
Gewiß nicht. Die Freuden kindlicher Heiterkeit sind einer
Kulturstufe versagt, in welcher man nicht mehr so gleichsam
in den Tag hineinbaut, sondern verstandesmäßig am
Reißbrette die Anlagen konstruiert. Dieser ganze Vortrag
läßt sich aber nicht mehr ändern und somit wird ein guter
Teil der angeführten malerischen Schönheiten für neuere
Anlagen wohl unwiederbringlich verloren sein. Sowohl
das moderne Leben als auch die moderne Technik des
Bauens lassen eine getreue Nachahmung alter Stadtanlagen
nicht mehr zu, eine Erkenntnis, der wir uns nicht ver-