MAK

Full text: Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen

GROSSSTADTGRÜN. 
205 
von Straßenfluchten bei einem noch gut verbaubaren Mini 
mum von Bauflächen bei der Baublockteilung herausbringt, 
die finanziell beste Aufteilung des Baugrundes erzielt, be 
sonders wenn noch ein Minimum von unverwertbarem, ja 
Erhaltungskosten forderndem Straßengrunde dazukommt. 
Derjenige wird aber Hunderttausende, ja bei größeren Par 
zellierungen Millionen von Bauwerten ungenützt vergeuden, 
der mit den Straßenfluchten schonungslos umgeht. Was soll 
man von diesem Standpunkte aus zu Projekten sagen, welche 
die so kostbaren Straßenfluchten gleich kilometerweise nutz 
los an Squares und Stadtparke vergeuden, wozu noch oben 
drein die Kosten des nötigen Parkgitters kommen. 
Es ist merkwürdig, wie unwiderstehlich dasjenige wirkt, 
was in einer bestimmten Zeit gerade landesüblich ist. Der 
Begriff, daß Gärten offen an der Straße liegen müßten, ist 
heute so allgemein verbreitet, daß man allenthalben mit 
einem wahren Feuereifer, der einer besseren Sache würdig 
wäre, darangeht, überall dort, wo alte Gärten an einer 
Seite oder auch nur ein kurzes Stück unmittelbar an der 
Straße liegen, aber wohlweislich durch eine möglichst hohe 
{gemeiniglich 4 bis 5 m hohe) alte Mauer nebst im Innern 
darangepflanzten Baumreihen und dichtem Strauchwerk 
von der Straße möglichst lärm- und staubdicht abgesondert 
sind, diese schützenden Mauern um jeden Preis nieder 
zureißen und durch luftige Gitter zu ersetzen. In Wien 
wurde dies bei dem erst vor einigen Jahren dem öffent 
lichen Gebrauch übergebenen Esterhazy-Garten durchgeführt. 
Er hat dadurch ungemein gelitten, seine frühere Ruhe und 
Windstille hat er eingebüßt. Trotz dieser ungünstigen Er 
fahrung konnte man bald darauf in den Zeitungen lesen 
unter dem Schlagworte: »Verschönerung der Heugasse«: 
»Die alte Mauer längs des Schwarzenberg-Gartens in der 
Heugasse soll durch ein elegantes Gitter ersetzt werden. 
Der Magistrat wird mit den Besitzern der dem Garten 
gegenüberliegenden Häuser wegen Beitragsleistungen zu 
den Kosten für das neue Gitter in Verhandlung treten.«
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.