DIE GESCHLOSSENHEIT DER PLÄTZE. 41
ist, bei welchem von jeder Stelle des Platzes aus gleich
zeitig - höchstens nur ein einziger Ausblick aus dem Platz
hinaus vorhanden ist, also auch nur eine einzige Unter
brechung des Gesamtabschlusses ; von den meisten Stellen
des Platzes aus gesehen wird der gesamte Rahmen des
selben aber überhaupt nicht durchbrochen,
weil die Gebäude an den Straßenmündungen
sich perspektivisch überschneiden und durch
diese gegenseitige Deckung keine unangenehm
auffallende Lücke lassen.
Das ganze Geheimnis besteht darin, daß
die einmündenden Straßen winkelig zu den
Visurrichtungen gelegt sind statt parallel mit
ihnen, ein Kunstgriff, der auf anderem Gebiete
von den Bauleuten, Zimmerleuten und Tischlern schon
vom frühesten Mittelalter an oft in raffiniertester Weise
geübt wurde, wenn es sich darum handelte, Stein- oder
Holzfugen zu verbergen oder doch möglichst wenig auf
fallend zu gestalten. Die soge
nannte Schlagleiste der Tischler
verdankt nebst anderem auch
diesem Umstande ihre Entstehung
und so häufige Verwendung.
Was die in den beigegebenen
Figuren enthaltenen Beispiele be
trifft, so zeigt den reinsten Typus
dieser sinnreichen Anordnung der
Domplatz von Ravenna (Fig. 25).
Ebenso angelegt ist der Domplatz von Pistoja und viele
andere. Zu Mantua zeigt die Piazza S. Pietro (Fig. 26) diesen
Typus gleichfalls in reiner Durchführung, während der Platz
vor S. Clemente zu Brescia (Fig. 27) nur teilweise demselben
entspricht. Etwas versteckter ist die geschilderte Regel ent
halten in der Anlage der Piazza della ^Signoria (Fig. 28) zu
Florenz. Die breiten Hauptstraßen folgen der Regel, die
bis gegen bloß Meterbreite (neben Loggia dei Lanzi) ver-
Fig. 28.
Fig. 27.
BRESCIA:
S. Clemente.