MMbM—M—BMMMMB
■anü
■h
- VII.
PLATZANLAGEN IM NORDEN EUROPAS.
I m vorhergehenden waren meist italienische Beispiele als
Muster herangezogen. Die klassische Schönheit dieser
Typen ist allgemein anerkannt. Fraglich erscheint es aber,
ob wir auch deren Übertragung in den Norden gutheißen
könnten. Klima, Volksleben, Wohnung und Bauweise sind
hier wesentlich anders; sollten da nicht Straßen und Plätze
auch anders sein müssen ? — Gewiß anders als in der Antike,
denn allzuviel hat sich seither geä'ndert. Wir können nicht
fünf, sechs und noch mehr Kirchen um ein einziges Forum
herumstellen, wie es die Alten mit ihren Tempeln machten,
denn dazu würden wir auch ihren Polytheismus brauchen.
Unsere Häuser sind gleichfalls anders gebaut, nach nordi-‘
schem System, aus dem gedeckten Hallenbau entstanden,
mit vielen Fenstern auf die Straße; unsere Anforderungen
an Straße und Platz schon deshalb allein andere. Das alles
gilt aber von dem Italien des Mittelalters und der Renaissance
genau so wie von nordischen Stadtanlagen, denn der
germanische Wohnhausbau hat auch Italien erobert und
vom antiken Haus nur eine schwache Erinnerung übriggelassen
im Cortile mit seinen offenen Säulengängen. Eben
deshalb hat ja selbst Italien den Typus des antiken Forums
nicht treu bewahrt, weil es das neue Leben aller Völker
Europas mit angenommen und mit geschaffen hat. Der Unterschied
zwischen Renaissanceanla^gen und der Antike ist
daher groß, in Italien ebenso wie im Norden; der Unterschied
zwischen dem Norden und Süden Europas hingegen