dem Gute Kleinskat von mehreren Schleifern alle Arten künstlicher Edelsteine verfertiget. . .
(Keeß 2/1823, S. 894).
Die Zeit des späten Biedermeier war in Österreich-Ungarn auch jene der Ausstellun
gen von „Gewerbs-Produkten“: sie fanden in Prag (1828, 1829, 1831 und 1836) und
Wien (1835, 1839, 1845) statt - ergänzt durch Regionalausstellungen (Klagenfurt 1838,
Graz 1841) und vermitteln in ihren Katalogen und Berichten einen guten Einblick in die
Kunst des Farbenglases jener Periode. Ab der Jahrhundertmitte können wir - regional
- auf die Handelskammer-Berichte der jeweiligen Gebiete und - überregional - auf die
Kataloge und Kommentare der ab 1851 abgehaltenen Weltausstellungen zurückgrei
fen. In der folgenden Übersicht soll der Schwerpunkt auf dem zweiten Viertel des 19.
Jahrhunderts liegen. An den Exponaten der Prager und Wiener Ausstellungen können
wir die Entwicklung des Farbenglases im späten Biedermeier ablesen.
Auf der Prager Ausstellung des Jahres 1828 präsentierte die Gräfl. Harrach’sche Glas
fabrik schwarze Fruchtkörbe aus Hyalith, Blumenbecher „von rothen Hyalith“, eine
„Zuckerdose in Ananasform . . . von Rubinkomposition“, eine Tortenschüssel und zwei
Fruchtschalen „von mit Rubin überzogenen Glase“, ein Trinkglas „mit Rubinglasstei
nen besetzt.“ (Prag 1828, Verzeichnis, Nr. 695, 696, 699, 700, 701, 703; S. 20, 21). Die
verschiedensten Gläser „von Hyalith“ präsentierte auch die Gräfl. Buquoysche Fabrik
in Silberberg (Prag 1828, Verzeichnis, S. 22). Die Exponate von Franz Ant. Zahn, Stein
schönau, umfaßten „beinweiße“, dunkelblaue, himmelblaue und schwarze Gläser,
„agatirte“ und „brilliantirte“ Objekte (Prag 1828, Verzeichnis, S. 24).
Der Farbenreichtum der Exponate war auf der Ausstellung der „lndustrie=Erzeugnisse
Böhmens“ in Prag 1829 noch offensichtlicher. Neben den weiß erscheinenden „agatir-
ten“ Gläsern stellte die Firma Anton Kittel sei. Erben und F. Weidlick & A. Simmchen,
Kreibitz, zahlreiche Alabaster-Vasen und Alabaster-Blumenbecher aus (Prag 1829,
Protokoll 1831, S.9). Der „Kompositionsfabrikant“ Karl Joseph Zenker, Josephsthal,
präsentierte „granatfarbne“ und „rosenrothe geschliffene Perlen“ (Prag 1829, Protokoll
1831, S.9); Johann Klimt, Falkenau, war mit „agatirten Glas=Vasen“ sowie zwei Be
chern „von Alabaster=Glas, mit schwarzem Hyalith überzogen und brillantirt“ vertreten
(Prag 1829, Protokoll 1831, S. 13); Franz Riedel, Antonienwald, zeigte „Eine Schatulle
mit geschliffenen Glassteinen, in verschiedenen Größen und Farben“ sowie eine „Pyra
mide von schwarzem basaltartigen Glas“ (Prag 1829, Protokoll 1831, S. 15, 34); die
meist golddekorierten Hyalithgläser von Buquoy waren aus den Prager Ausstellungen
nicht mehr wegzudenken (Prag 1829, Protokoll, S. 77). Ausführliche Kommentare zu
den Farbengläsern der Harrachschen Fabrik finden wir im Bericht zur Prager Ausstel
lung von 1829: „Außer dem Krystallglase lieferte diese Fabrik mehrere Artikel von ge
färbtem Glase, - chrisolit=amethystfärbig, opalartig u. a. m. - dann als neues Produkt
auch plattirtes Glas von besonderer Schönheit und Reinheit. - Selbst von Hyalith und
Lithyalin sind sehr gelungene Gegenstände eingesendet worden . . .“ (Prag 1829, Be
richt 1831, S. 46, 47). Von „Beinglas“ und „achatirtem Kreidenglase“ ist bei Anton Kit
ters Erben (Prag 1829, Bericht 1831, S. 48) ebenso die Rede wie von den „Vasen von
achatirtem Kreidenglase“ und zwei Bechern „von sehr weißem Beinglase, mit schwar
zem Glase überzogen und geschliffen“ aus dem Falkenauer Unternehmen des Johann
Klimt (Prag 1829, Bericht 1831, S. 48). In der besonderen Rubrik „Hyalith" ist Franz
Riedl [sic! recte: Riedel], Antoniwald - „eine Pyramide von schwarzem basaltartigem
Glase, ein Schaustück von mattgeschliffenem Hyalith“ - angeführt (Prag 1829, Bericht
1831, S. 49), insbesondere aber werden die bekannten Produkte von Buquoy in Silber
berg genannt: „Diese Fabrik ist die erste, und bis jetzt fast die einzige, welche sich mit
der Erzeugung des schwarzen undurchsichtigen, mit dem Namen Hyalith bezeichneten
Glases beschäftigt. Seit mehreren Jahren liefert sie auch Erzeugnisse von buntem
Hyalith.“; man rühmte besonders die „lebhafte schwarze Farbe“ (Prag 1829, Bericht
1831, S. 49, 50). Ein reiches Feld für Farbenglas bot jenes der „Glascompositionen“;
hervorzuheben die „manchfaltigsten und lebhaftesten Farben“ von Blaschka und
Söhne, Liebenau sowie H. Göble, Gablonz (Prag 1829, Bericht 1831, S.52); durch
„Schönheit und Manchfaltigkeit der Farben“ fielen auch die Produkte von Karl Joseph
Zenker, Josephsthal, auf (Prag 1829, Bericht 1831, S. 51).
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