Im Jahre 1823 führt Stephan Edler von Keeß die ihm bekannten weißen Gläser an
(Keeß 2/1823, S. 890):
Die undurchsichtigen Glaspasten haben zur Basis ein leichtflüssiges, durch Zusatz von Zinn
oxyd milchweiß und undurchsichtig gemachtes Bleyglas, welches durch Zusatz von Metalloxyden
verschiedene Farben anzunehmen fähig ist. Das gewöhnlichste Glas dieser Art ist das weiße
Email und die M a j o I i c a = oder gewöhnliche Fayanceglasur. Durch Zusatz von
phosphorsaurem Kalk oder Knochenasche (weißgebrannten und gestampften Schafbeinen) wird
das Glas ebenfalls milchweiß, verliert seine Durchsichtigkeit, bleibt aber durchscheinend und ist
im Handel unter dem Nahmen Milchglas oder B e i n g Ia s bekannt. Ein vorzüglich schönes
Beinglas erhält man durch Zusatz einer geringen Menge Zinnoxyd.
Anschaulich beschreibt Leng 1835 die Herstellung des weißen Glases und teilt auch
einige Rezepturen mit (Leng 1835, S. 423-426):
Bläulichweiß, minder durchsichtig, oft blos durchscheinend, opalisirend wird das Glas, wenn man
dem weißen Glassatz phosphorsauren Kalk, Zinnoxyd, Hornsilber zusetzt, wodurch man das
Mi Ich = oder Beinglas erhält, welches bei zurückgeworfenem Licht eine milchbläuliche, bei
hindurchgehenden eine weingelbe Farbe hat. Man verfertigt aus diesem Glase vorzüglich Lam
penschirme, Glocken für Lampen in Schlafzimmern, Blumenvasen, Flakons und dergl. Als
phosphorsauren Kalk wendet man weißgebrannte und pulverisirte Schaafknochen an, also reine
Knochenasche, auch wohl thierische Kohle, also im Grunde nur phosphorsauren Kalk. Das Zinn
oxyd wirkt eigentlich blos dadurch, daß es sich als höchst schwerflüssig zwischen die Glastheil-
chen legt und so das Glas durchscheinend macht. Man bereitet es gewöhnlich auf den Glashütten
selbst, indem man Zinn unter Zutritt der Luft auf der concaven Sohle eines Calcinirofens
schmilzt, der mit Holz auf an beiden Seiten angebrachten Heerden erhitzt wird. Das geschmol
zene Zinn bedeckt sich bald auf der von einem Luftzug bestrichenen Oberfläche mit einem asch
grauen Häutchen von Oxydul, welches man mittelst einer Krücke nach dem Ende des Ofens
schiebt, wo es bei längerem Erhitzen in das schmutzig graugelbliche Oxyd, die Zinnasche, über
geht. Wenn das sämmtliche Metall oxydirt ist, wozu nach der Menge desselben 10-18 Stunden er
forderlich sind, bewahrt man die Zinnasche in großen Krügen oder in Fässern auf. Zu den bes
sern Glaswaaren löst man reines gekörntes Zinn mittelst Salpetersäure von 1,14-1,20 specifi-
schem Gewicht in einem großen Kolben auf; das Oxyd fällt in weißen Flocken zu Boden, welche
man erst mit siedendem, dann mit kaltem Wasser auswäscht und bei gelinder Wärme trocknet.
Nach Schubarth setzt man zu dem Glassatz für weißes Glas 8-10 Procent reine Knochenasche
und 6 Procent Mennige. Soll die Farbe mehr opalartig werden, so nimmt man A Theil Hornsilber
und 3 Theile Knochenasche. Folgende Glassätze sind in Frankreich gebräuchlich.
Opalisirendes Glas.
100 Th. weißer Sand
66 Th. gute Pottasche
60 Th. pulverisirtes weißes Glas
8 Th. Kalk
4 Th. Knochenasche
3 Th. Arsenik
1 Th. Hornsilber.
Bastenaire empfiehlt folgende beide Glassätze
und versichert, daß sie ihm immer ein schönes
Glas geliefert hätten.
100 Th. weißer Sand
50 Th. calcinirte Pottasche
16 Th. an der Luft zerfallener Kalk
3 Th. Knochenasche
A Th. Silberoxyd.
Desgleichen.
100 Th. weißer Sand
45 Th. calcinirtes basisch kohlensaures Natr.
50 Th. Bruchglas oder Glasabfälle
16 Th. an der Luft zerfallener Kalk
6 Th. gebrannte Schaafsknochen
3 Th. Arsenik
1 Th. Hornsilber.
Opalisirendes Krystallglas.
100 Th. weißer gewaschener Sand
40 Th. calcinirte Pottasche
30-40 Th. weißes Bruchglas
25-30 Th. Zinnoxyd, je nachdem das Glas un-
100 Th. weißer Sand
75 Th. Mennige
39 Th. calcinirte Pottasche
8 Th. Salpeter
8 Th. Knochenasche
3 Th. Silberoxyd
2 Th. Arsenik.
durchsichtig werden soll
12 Th. an der Luft zerfallener Kalk
10 Th. Mennige
2 Th. Arsenik.
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