MAK

Full text: Farbenglas vom Biedermeier zum Art Déco, 1: Farbenpaletten weiß, schwarz, gelb, grün

Als Glassätze für weißes undurchsichtiges 
Glas finden wir in Fonteneiies Fabricant de 
Verre noch folgende Gemenge angegeben, 
die jedoch wohl nichts anders als weißes 
Email liefern werden. 
100 Th. weißer Sand 
66 Th. weiße Pottasche 
8 Th. Kalk 
50 Th. pulverisirtes weißes Glas 
100 Th. Bleioxyd 
3 Th. Arsenik. 
Unter Bleioxyd ist hier höchst wahrscheinlich 
das Gemenge aus Blei und Zinn zu verstehen, 
welches zur Darstellung des weißen Emails 
benutzt wird. 
100 Th. weißer Sand 
50 Th. calcinirte Pottasche 
16 Th. an der Luft zerfallener Kalk 
60 Th. Zinnoxyd. 
Weißes undurchsichtiges Krystallglas. 
100 Th. weißer Sand 
78 Th. Mennige 
39 Th. calcinirte Pottasche 
8 Th. krystallisirter Salpeter 
62 Th. weißes Zinnoxyd. 
Zu Schirmen für Lampen, wo es darauf ankommt, das grelle Licht zu mäßigen, oder dem Glase 
soviel von seiner Durchsichtigkeit zu benehmen, daß zwar das Licht noch zum Theil durchgeht, 
aber die Gegenstände nicht mehr unterschieden werden können, kann man ein dem schönsten 
matt geschliffenen ähnliches Glas bereiten, wenn man zuerst einen Klumpen weißes durchsichti 
ges Glas auf die Pfeife nimmt und zu einer Kugel aufbläst, dann die Kugel in den Hafen mit dem 
Beinglase taucht und wieder bläst, endlich noch etwas von dem durchsichtigen Glase aufnimmt 
und dann das Stück vollends fertig macht. . . 
Auf das durch Zinnoxyd oder phosphorsauren Kalk weiß gefärbte Glas geht Prechtl 
folgendermaßen ein (Prechtl 1836, S. 43, 44): 
Um das mit Zinnoxyd undurchsichtig weiß gefärbte Glas oder Schmelzglas in größeren 
Massen zu bereiten, schmelzt man 12 Pfund gemeines oder Krystallglas mit 3-6 Pfund des auf 
die, Bd. V. S. 265, angegebene Weise bereiteten Gemenges aus Zinn= und Bleioxyd (aus 30 Thei- 
len Blei und 33 Theilen Zinn) unter Hinzufügung von 1 Loth Braunstein und 8 Loth Spießglanzglas. 
Mehr im Großen und zur Darstellung von Gefäßen und verschiedener Schleifwaare braucht man 
statt des Zinnoxydes den wohlfeileren phosphorsauren Kalk oder die Knochenerde, 
welche entsteht, wenn man Knochen im offenen Feuer bis zur weißen Asche verbrennt oder kal- 
zinirt. Durch diesen Zusatz entsteht ein milchweißes Glas, nach der Menge des Zusatzes der 
Knochenmasse mehr oder weniger undurchsichtig (sogenanntes Beinglas). Man schmelzt zu 
diesem Behüte einen Glassatz von 60 Pfund Quarzsand und 40 Pfund Pottasche, oder auch den 
Glassatz für das gewöhnliche Krystallglas, mit 10 bis 20 Prozent der Knochenasche. Man vermei 
det dabei eine zu starke Hitze, und entfernt jeden Zutritt von Kohle; ein Zusatz von Braunstein, 
wie zum weißen Glase, ist vortheilhaft. Das Glas ist. nach dem Schmelzen klar, erhält aber die 
Milchfarbe in dem Maße, als es bei dem Verarbeiten mit der Pfeife angewärmt wird, durch eine Art 
von Entglasung (Bd. VI. S. 571); so daß die Farbe, welche dem Verhältnisse des Zusatzes der 
Knochenerde entspricht, um so mehr hervortritt, je öfter die Anwärmung geschieht. Man kann auf 
diese Art die Gläser von einer durchscheinenden Opalfarbe bis zum gesättigten Milchweiß färben. 
Indem man Gefäße aus diesem Glase verarbeitet, hat man auf möglichste Gleichförmigkeit in der 
Dicke der Wände zu sehen, damit die Farbe nicht zu grelle Abstufungen erhalte. 
156
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.