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Full text: Farbenglas vom Biedermeier zum Art Déco, 1: Farbenpaletten weiß, schwarz, gelb, grün

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ln einer Übersicht „farbiger Glassätze“ sind bei Graeger folgende Rezepturen für Weiß 
angegeben (Graeger 1868, S.192): 
43) Alabasterglas 
zu Trinkgläsern u. s. w. 
200 Pfd. weißer Sand, 
76 Pfd. gereinigte Potasche, 
26 Pfd. zerfallener Kalk, 
2 Pfd. Salpeter 
3 Pfd. Kochsalz, 
A Pfd. weißer Arsenik, 
2 Pfd. Zinnoxyd. 
Nach dem Schmelzen wird das Glas in Wasser 
abgeschreckt, gemahlen, umgeschmolzen 
und sofort verarbeitet. 
41) Böhmisches Milchglas 
zu Tafelgläsern. 
200 Pfd. weißer Sand, 
88 Pfd. Potasche, 
72 Pfd. weißgebrannte Knochen, 
4 Pfd. zerfallener Kalk, 
100 Pfd. gemahlenes Glas, 
11 Pfd. Kochsalz, 
1 A Pfd. weißer Arsenik. 
In diesem Satze vertritt die Knochenasche die 
Stelle des Kalks; sobald die Masse gut ge 
schmolzen ist, schreckt man sie mit kaltem 
Wasser ab; nach dem Mahlen schmelzt man 
sie bei nicht zu hoher Temperatur noch ein 
mal; einer starken Hitze ausgesetzt wird das 
zuerst nur durchscheinende Glas durchsich 
tig. Die Potasche läßt sich durch 66 Pfd. gerei 
nigte Soda ersetzen. Das „Reißteig“ genannte 
Milchglas nimmt immer die Farbe des ihm zu 
gesetzten Farbstoffs an. 
42) Ein anderes Opalglas. 
200 Pfd. weißer Sand, 
132 Pfd. Potasche, 
120 Pfd. gemahlenes weißes Glas, 
16 Pfd. zerfallener Kalk, 
8 Pfd. Knochenasche, 
6 Pfd. Arsenik, 
1 Pfd. Chlorsilber. 
Das Glas wird nach dem Schmelzen ge 
schreckt, wieder eingeschmolzen, nochmals 
geschreckt und bei nicht zu hoher Hitze aus 
gearbeitet. 
Auf die durch Benrath getroffene Unterscheidung der Arten des Alabaster- und Milch 
glases wurde bereits eingegangen. 
Das „Reaumur’sche Porzellan“ beschreibt Benrath wie folgt: 
Schon 1782 hatte Reaumur erkannt, daß gewöhnliches Glas, längere Zeit hindurch auf einer sei 
nen Erweichungspunkt nur eben überschreitenden Temperatur erhalten, sich trübe und in eine 
weiße, undurchsichtige Masse von bald erkennbar krystallinischem bald „amorphen“ Aeußeren 
übergehe . . . (Benrath 1875, S. 275). 
Der Autor führt zahlreiche Rezepturen für weißes Glas an und weist auf die besonde 
ren Schwierigkeiten hin, die sich bei der Herstellung von Milchglas ergeben: 
Die Quantität Zinnoxyd, und ebenso phosphorsauren Kalkes, die mindestens erforderlich, 
um vollständige Trübung eines Glases bei der Ausarbeitung zu bewirken, im einzelnen Falle vor 
her zu bestimmen, ist sehr schwer, da, wie bereits erwähnt, alles Milchglas, rasch erkaltet, durch 
sichtig erscheint, und erst beim „ Anwärmen“ trübe, und zwar, je häufiger angewärmt, um so opa 
ker wird. Für die KrystalF und Hohlglasfabrikation, deren Objecte, schon behufs ihrer Formung, 
wiederholt angewärmt werden müssen, dürfte sich im Allgemeinen, soll in der Masse opakes Glas 
geliefert werden, ein Zusatz von 8 bis 10 Thln. Zinnoxyd auf 100 Thle. Sand eines weichen Kry- 
stallgemenges als genügend erweisen. (Benrath 1875, S. 311). 
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