Straß, A Q- Manganoxyd, 24 Gr. Kobaltoxyd und 1 Gr. Purpur des Cassius; zum Aquamarin
6 U. Straß, 24 Gr. Spießglanzglas und VA Gr. Kobaltoxyd u. s. w. Einer der schönsten Glasflüsse
ist ohne Zweifel der mit Gold bereitete Rubinfluß, mit dessen Verfertigung 1803 der Glasmeister
Leopold Mayer auf der Paulinahütte sehr gelungene Versuche gemacht und deßwegen von Sr.
Majestät dem Kaiser die goldene Ehrenmedaille erhalten hat. Er dient entweder in ganzer Masse
zu Tafeb oder Hohlglas (des hohen Preises wegen jedoch selten), oder man überzieht damit das
weiße geschliffene Glas, oder endlich (welches die häufigste Anwendung ist) man umwindet das
weiße Glas mit schmalen Streifen (verschnürtes Glas). Die Reinheit der Materialien muß vorzüg
lich berücksichtiget werden; daher man auch zum Reiben derselben Porphyr und zum Sieben be
sondere Siebe nimmt. Es wäre zu wünschen, daß man auch die bis jetzt noch nicht gebrauchten
Metalle zum Färben der Gläser versuchen wollte. Neuerlich wurde schon wolframsaurer Kalk zur
Nachahmung des Opals, und chromsaures Kali zur Nachahmung des Chrysoprases versucht.
Man sieht jetzt diese künstlichen Edelsteine bloß als Legirungen an, seitdem man weiß, daß die
Erden und Kalien Metalloxyde sind. Nach dem Schmelzen werden die Schmelztiegel zerschlagen,
die Massen ausgenommen, zertheilt und geschliffen, um die Arten des Schliffs echter Edelsteine
nachzuahmen, oder Kreuze, Herzchen, Perlen u. dgl. daraus zu machen.
Die undurchsichtigen Glaspasten haben zur Basis ein leichtflüssiges, durch Zusatz von Zinn
oxyd milchweiß und undurchsichtig gemachtes Bleyglas, welches durch Zusatz von Metalloxyden
verschiedene Farben anzunehmen fähig ist. Das gewöhnlichste Glas dieser Art ist das weiße
Email und die M a j o I i c a - oder gewöhnliche Fayanceglasur. Durch Zusatz von
phosphorsaurem Kalk oder Knochenasche (weißgebrannten und gestampften Schafbeinen) wird
das Glas ebenfalls milchweiß, verliert seine Durchsichtigkeit, bleibt aber durchscheinend und ist
im Handel unter dem Nahmen Milchglas oder Beinglas bekannt. Ein vorzüglich schönes Beinglas
erhält man durch Zusatz einer geringen Menge Zinnoxyd. Ganz dunkles, undurchsichtiges Glas
ist der Hyalith, wozu nebst den übrigen Glasmaterialien Eisenschlacken, Silberschlacken oder
auch Basalt, die vor dem Einträgen in die Glashäfen gut ausgeglüht und gepocht, hierauf mehr-
mahls geschmolzen und geschrenkt werden müssen, verwendet werden. Das Hyalithglas gleicht
dem äußern Ansehen nach dem schwarzen englischen Steingute, und verdiente zum Theil den
Nahmen Steinmasse. Nebst der Härte ist der schöne Glanz, welcher durch keine künstliche
Politur nachgeahmt werden kann, bemerkenswerth. Auch kann der Hyalith, wie das Wedgwood
geschirr, zu heißen Getränken, ohne zu springen, verwendet werden. Man macht hieraus vorzüg
lich einfache, geschmackvoll geschliffene oder geschnittene, auch mit sehr schöner Vergoldung
verzierte Thee= und Kaffehservices, so wie Trinkbecher, Blumentöpfe, Fidibusbecher, Flacons,
Leuchter, Tabaksbehälter, Theeflaschen, etruskische Vasen etc. Graf Bouquoi erhielt auf die Er
zeugung des schwarzen Hyaliths d. 9. Juny 1820 ein 8jähr. ausschl. Priv. Man hat auch rothen
Hyalith oder Kupferglas, meistens mit farbigen Adern. (Keeß 2/1823, S. 889-891).
Die erwähnten Hyalithe des Grafen Buquoy und die Zich'schen Steingläser zählen wohl
zu den bekanntesten „Compositionen“; in den Sammlungen des Technischen Mu
seums entdeckte ich zwei schwarze Hyalith-Platten (Abb. 15, 23), die nach Arnold Bus-
son als unauffindbar galten (Busson 1991); der zugehörige Brief an Prechtel befindet
sich heute im Universitätsarchiv der Technischen Universität Wien (406 ex 1820, fol.
1 r°-2 r°):
Wohlgebohrner
Hochverehrtester Herr v. Prechtel!
Im Auftrag des Herrn Grafen v Buquoy meines Herren und Besitzers der Herrschafft Gratzen in
Böhmen gebe ich mir die Ehre Euer Wohlgebohren hiernebst ein auf der dießherrschaftlichen
Georgenthaler Glasfabrike aus Hyalith=Glas verfertigte Tischblatte zu übermachen, welche der
Herr Graf dem unter Euer Wohlgebohrnen Direction stehenden politechnischen Industrie Cabinet
zu widmen sich die Ehre geben. Indem ich mich hiermit des erhaltenen Auftrages entledige, er
laube ich mir hier nur noch die Versicherung meiner vollkomnesten Hochachtung beyzufügen mit
welcher ich die Ehre habe zu seyn
Gratzen am 9" May 1820.
Euer Wohlgebohren
Ergebenster Diener
Joseph FrankfFrankl?)
N. S. Um von der richtigen Übergabe der Tischblatte versichert zu seyn, wird gebetten die hier
beygeschlossene Empfangsbestätigung gütigst unterfertigen und sonach dem Überbringer dies-
ses Schreibens und der Tischblatte behändigen zu wollen.
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