Die exakte Zuordnung dieser Kärtchen zu bestimmten „Glascompositionen“ ist leider
im Laufe der Zeit verlorengegangen. Nachträglich hergestellte Konkordanzen sind riskant,
da vor allem Kombinationen mehrerer färbender Stoffe kaum eindeutig mit bestimmten
„Stücken roher Composition“ identifizierbar sind.
Die manchmal auf den Kärtchen aufscheinenden Zahlen entsprechen nicht den Nummern
des TH-Inventars - denkbar wäre eventuell die Numerierung der Objekte aus
dem Kabinett des Kronprinzen Ferdinand, zu dem sich bedauerlicherweise kein Inventar
überliefert hat. In einer Kurzbeschreibung dieses Kabinetts werden jedoch große
Mengen der Glasflüsse, künstlichen Edelsteine und „Compositionsmassen“ angegeben;
dort wurden die
. . . Glasflüsse und künstlichen Edelsteine aus Böhmen und Venedig (1072), die Compositionsmassen
und farbigen Stifte zur Glasmosaik aus Mailand (326), die Emailmassen (50) für Gold und
Silber u. s. w. auf eine höchst zweckmäßige und belehrende Art dargestellt, und zwar in einer
Mannigfaltigkeit, welche nichts Merkwürdiges übergeht und zugleich Geist und Auge ergetzt.
(Keeß-Blumenbach 1830, S. 767, 768).
Der Systematik des Kabinetts (Keeß-Blumenbach 1830, S. 757) mit ihren zwei „Abtheilungen“
(der Sammlung der „rohen Materialien“ und jener der „Fabriks= und
Manufactur=Erzeugnisse, welche aus jenen rohen Materialien hervorgehen“) entspricht
im kleinen auch jener Bestand der Firma Blaschka aus Liebenau, der die „rohen“ Glascompositionen
den aus ihnen gefertigten Produkten gegenüberstellt.
BLASCHKA & SÖHNE IN LIEBENAU
Bereits an der Prager Ausstellung des Jahres 1828 nahm die Firma Blaschka und
Söhne in Liebenau (Bunzlauer Kreis) mit „Drei Sortiments Glasperlen, geschliffene und
rohe Composition“ (Prag 1828, Verzeichnis, Nr. 631) teil.
Im Bereich „Glascompositionen. Gequetschtes und geblasenes Glas.“ zeigte dieses
Unternehmen
eine äußerst manchfaltige Suite von Compositions=Schmucksteinen, theils in rohen Stücken,
theils zierlich und rein geschliffen.
Diese Steine zeichnen sich durch Glanz, Lebhaftigkeit und Schönheit der Farben aus, und ahmen
auf das täuschendste die ächten Edelsteine nach.
In Berücksichtigung der Vorzüglichkeit dieses, dem Vaterlande eigentümlichen böhmischen
Produktes wurde demselben die bronzene Medaille zuerkannt. (Prag 1829, Bericht 1831, S. 51,
52).
Für die Prager Ausstellung 1831 ist „Ein Kästchen mit roher Glaskomposition in verschiedenen
Farben . . . 8 fl.“ (Prag 1831, Protokoll 1833, S. 13, Nr. 344) angeführt, und
dem Bericht über dieselbe Ausstellung entnehmen wir einen einleitenden Text über
„Glascomposizionen“ sowie eine Würdigung der Firmen Blaschka & Söhne, Liebenau,
und Gebrüder Karl und Franz Zenker, Joachimsthal:
Glascomposizionen.
Gequetschtes und geblasenes Glas, Perlen.
Diese Artikel der böhmischen Nationalindustrie ebenfalls eigenthümiich angehörig, werden vorzüglich
in der Gegend von Gablonz durchgehends von inländischem Material erzeugt, und nach
Italien, Frankreich, Holland, ganz Deutschland, bei weitem am häufigsten aber nach Asien, Afrika
und Amerika, gegen Hereinbringung eines jährlichen Geldbetrages von circa 2,000,000 fl. versendet.
Obgleich dem Anscheine nach ein nicht sehr bedeutendes Produkt, weil dessen meister
Werth im Arbeitslöhne besteht, so ist doch für jene rauhe Gebirgsgegend, wo die Ergiebigkeit
des Bodens der starken Bevölkerung nicht entspricht, die Wichtigkeit dieses, mehrere Tausend
arme Menschen beschäftigenden, dort fast allein erreichbaren Erwerbsquells, nicht genug zu
würdigen.
23.
Nro. 21. Blaschka & Söhne, Giaskomposizionsfabrikant zu Liebenau, bunzlauer Kreises. Durch
Einsendung mehrerer Kästchen mit mannigfaitigfärbigen Glaskomposizionssteinen, Perlen und
Flacons von weißem Krystallglas, bewährte diese Fabrik, daß ihre Erzeugnisse die beifällige Anerkennung,
welche ihnen bei der vorigen Ausstellung durch Ertheilung der bronzenen Medaille zu
Theil wurde, im vollen Maaße fortwährend behaupten. Die böhmischen Komposizionssteine, - ein
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