Dem Verzeichnis zur gleichen Ausstellung ist die Eintragung zu entnehmen
114. Hm. Blaschka und Söhne, Glaskompositionsfabrikanten in Liebenau, bunzl. Kreis. Kommiss,
in Prag, Hr. Joseph Rilke, Brückengasse N. C. 272.
2098-2104. Sieben Kästchen mit der königl. böhmischen Krone, Reichsapfel und Zepter, Blumen
korb, dann Faßsteine, Glasperlen, Flacons etc. (Prag 1836, Verzeichnis, S. 18).
Im 19. Jahrhundert war in Gablonz und Liebenau eine Reihe von Kompositionsbrenne
reien entstanden, zu denen auch jene von Blaschka & Söhne in Liebenau zählte. Über
dieses Unternehmen weiß Zuman folgendes zu berichten (Zuman 1929, S. 57):
Als Hauptort für die Kompositionsbrennerei zu Anfang des 19. Jahrhunderts galt Liebenau. Die
Firma Blaschka & Söhne daselbst heißt schon 1843 Glaskompositionsfabrik. Sie bestand damals
bereits etwa 80 Jahre. Ihren Anfang nahm sie mit einer sehr geringen Erzeugung von Glasflüssen
(Komposition), die von dem Gründer der Firma in geschliffener Form als Faßsteine, Spiegel
steine, Glasknöpfe und dgl. zumeist nach Bayern, Württemberg, Baden und Italien gebracht und
dort an die Gold-, Silber- und Schmuckwarenarbeiter verkauft wurden. Später wurde dieser Hau
sierhandel eingeschränkt, und gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Erzeugnisse an die
Hauptplätze der Zierwarenfabriken Iserlohn, Schwäb. -Gmünd, Stuttgart und Pforzheim geliefert
oder im großen auf den Messen zu Leipzig, Braunschweig, Frankfurt a. M. und Frankfurt a. d. O.
verkauft. Die späteren Inhaber der Fabrik arbeiteten stetig an der Verbesserung der roten Masse,
die sie auch aus Kärnten bezogen. Sie beschäftigten 1843 160 bis 200 Arbeiter. Der Werkstoff war
sehr hart und konnte deswegen feiner geschnitten und poliert werden, auch die Nachahmung der
Farben der echten Steine war täuschend gut. Die Kompositionsgranaten an Schnüren, sowie Ru
bine und andere Erzeugnisse aus Glaskomposition, wie Flacons, Leuchterrosen, Messerunterset
zer, Lüstergläser usw., wurden damals nach allen Weltteilen geliefert. (Zuman 1929, S. 57).
DIE ZENTREN DER „COMPOSITIONSGLÄSER“ IN BÖHMEN
Stephan Edler von Keeß geht als einer der ersten auf die Erzeugung der „Glasflüsse
oder unechten Edelsteine“ ein:
Die Glasflüsse oder unechten Edelsteine wurden wahrscheinlich in Venedig erfunden, welches
sich darin vor allen übrigen Städten auszeichnete und besonders zu Ende des 17. Jahrh. allen je
nen Gewerbsleuten viel Abbruch that, welche sich mit dem Schleifen der Edelsteine beschäftig
ten. Die Stadt Turnau in Böhmen wußte sich das Geheimniß zu verschaffen, und gelangte in der
Folge durch die Bereitung künstlicher Edelsteine zu einem blühenden Wohlstände. Außer den
Compositionsfabrikanten zu Turnau werden auch zu Gablonz auf dem Gute Kleinskai von mehre
ren Schleifern alle Arten künstlicher Edelsteine verfertiget. (Keeß 2/1823, S. 894).
In den „Tafeln zur Statistik der österreichischen Monarchie“ ist eine Abhandlung über
das böhmische „Compositionsglas“ enthalten:
Ein ansehnlicher Theil der böhmischen Glas=lndustrie betrifft die Erzeugung des Compositions=
Glases oder der falschen Edelsteine, der Perlen, des gequetschten und geblasenen Glases. Diese
durch den Gegenstand und Umfang ihres Betriebes nicht minder als durch die Richtung des Ab
satzes höchst merkwürdige Industrie hat sich im Nordosten des Bunzlauer Kreises auf den Herr
schaften Kleinskal und Morchenstern, dann in den Städten Liebenau und Turnau fast ausschlie
ßend concentrirt. Der Unterschied zwischen Composition und gefärbtem Glase besteht haupt
sächlich darin, daß letzteres in offenen Hafen (Tiegeln), wobei man die Farben während der
Schmelzung, lichter oder dunkler, noch abändern kann, erstere aber in hermetisch geschlosse
nen Schmelztiegeln bereitet wird, und das Gelingen einer Farbe weit mehr als bei dem Glase oft
dem bloßen Zufalle unterliegt, auch darin, daß sie durch meist metallische Zusätze hervorge
bracht wird, daher die Composition durch schweres Gewicht und helleren Farbenglanz die Edel
steine täuschender nachahmt, und höher im Preise zu stehen kommt als das Glas. Alle hierzu ver
wendeten Stoffe liefert das Inland, den Absatz aber findet das daraus hervorgegangene Product
in allen Theilen der Welt.
Die Erzeugung des Compositions=G!ases erfolgt nicht in den Glashütten, sondern findet in den
so genannten Compositions^Brennhütten statt, von welchen es ungefähr 16 auf den beiden
obengenannten Herrschaften gibt, und deren fast jede irgend eine durch Erfahrung gewonnene
Eigenthümlichkeit in Mischung der Compositions=Masse bewahrt. Die Bereitung der Composi
tion galt früher als ein Geheimniß, welches durch einen Reisenden aus Holland in der Mitte des
vergangenen Jahrhunderts nach Liebenau, später nach Turnau, von wo es in die Umgegend ver
breitet wurde, gelangte, wie denn heute noch jeder Compositions=Brenner die von ihm durch Er
fahrung erlangten Vortheile der Mischung zur Hervorbringung eines schönen Farbenglanzes oder
neuer Farbe=Nuancen geheim hält. Die Composition wird in Stangen und Röhren geformt, welche
38