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Full text: Farbenglas vom Biedermeier zum Art Déco, 1: Farbenpaletten weiß, schwarz, gelb, grün

Verhältnissen in demselben Ofen Proben zu schmelzen, aus diesen mittelst der Pfeife oder durch 
Ausgießen das Glas in der Dicke, die es nach der Verarbeitung haben soll, darzustellen, um hier 
nach den Farbenton und die Menge des zuzusetzenden Oxydes zu beurtheilen, und erst nach 
diesen Proben die Zusammensetzung in den größeren Häfen vorzunehmen. Es ist daher auch 
nicht möglich, sichere Verhältnisse über den Zusatz der färbenden Oxyde für die verschiedenen 
Arbeiten aus gefärbten Gläsern anzugeben. (Schreiber 1849, S. 185, 186). 
1857 
Glaspasten und Stangenglas. 
. . . erscheint die Glaspaste als Halbfabricat, dessen Veredlung zu künstlichen Edelsteinen 
und Glas-Bijouterien weit mehr Arbeitskraft beschäftigt, als die höchst einfache mechanische 
Darstellung derselben in der Form von Blöcken oder Broden. Nur die Schwierigkeit, gewisse Far 
ben und deren Nuancen durch Beimengung von Metalloxyden u. dgl. bei so hoher Temperatur 
hervorzubringen, wie sie zum Schmelzen der Kieselsäure erforderlich, somit der chemische Theil 
der Arbeit ist es, welcher bei diesem Zweige der Glas-Industrie entscheidet und noch heute von 
den Fabriken Venedigs als Geheimniss bewahrt wird. Uebrigens ist die Kunst der Färbung des 
Glases theitweise Gemeingut geworden, andererseits findet sie sich in einzelnen Glasfabriken 
Böhmen’s und Oesterreich's unter der Enns vortheilhaft entwickelt, so dass dieselben eigen- 
thümliche Farben und Farbenmischungen für ihre Luxusgläser hervorbringen und deren Dar 
stellung als eigene Erfindung ebenfalls geheimhalten. 
Unter den Glasflüssen, deren Erzeugung ausschliessend auf Venedig beschränkt ist, deren Nach 
ahmung noch nirgends gelungen, deren Absatz daher nach allen Richtungen stattfindet, wo Glas- 
Bijouterien aus diesem Materiale gearbeitet werden, steht der künstliche Avanturin obenan. Dass 
der Goldschimmer dieser Composition von metallischen Kupferblättchen herrühre, ist durch Ana 
lysen dargethan; unbekannt bleibt aber die Art und Weise, wie metallisches Kupfer im flüssigen 
Glassatze unverändert bewahrt, oder aus Kupferoxyden während des Erkaltens der Glasmasse 
abgeschieden werden könne. 
Die Glaspasten werden in den venetianischen Glasfabriken zumeist in der Form von Broden dar 
gestellt, theils von den dortigen Fabriken und Gewerbsleuten verarbeitet, theils nach dem öster 
reichischen Zollgebiete und nach dem Auslande ausgeführt. Die mechanische Darstellung der 
Brode geschieht, indem der Arbeiter eine entsprechende Menge des zähflüssigen Glassatzes am 
unteren Ende einer eisernen Stange aus dem Hafen auffasst, diesen Klumpen unter fortgesetzter 
Drehung der Stange auf einer gusseisernen Platte flachdrückt, die Stange (oder Pfeife) absprengt 
und auf die abgesprengte Fläche des Brodes dem Fabriksstempel eindrückt; nach Abkühlung 
dieses Brodes im Kühlofen ist dieses Halbfabricat für den Verkehr fertig gemacht. 
Eine andere Form des farbigen Glases als Halbfabricat bildet das Stangenglas. Der aus dem 
Hafen gehobene Glasklumpen wird durch Rollen auf einer Platte in die Form eines kurzen Cylin- 
ders gebracht, der in der Richtung der Längenachse mittelst einer stärkeren oder schwächeren 
Ahle durchstochen wird. Nach geschehener Anwärmung wird auch an das zweite Ende des Cylin- 
ders eine Eisenstange angeheftet; indem jede dieser Stangen von einem Arbeiter ergriffen wird, 
bewegen sich beide mit gleicher Geschwindigkeit in gerader aber entgegengesetzter Richtung, 
wodurch die zähe Glasmasse bis auf einen hohlen Cylinder von dem gewünschten Durchmesser 
ausgestreckt wird. . . 
Wird aus einem Glasklumpen statt eines Cytinders, ein dreiseitiges, vier- oder mehrseitiges 
Prisma geformt, in der Längenachse durchstochen und gestreckt, so erhält man hohle Glasstan 
gen mit drei, vier oder mehr Kanten, welche ebenfalls zur Perlen-Fabrication benützt werden. 
Derlei Stangen von farbigem Glase für grössere Perlen werden nicht allein zu Venedig, sondern 
auch in Böhmen erzeugt, wogegen die Erzeugung der feinen Glascylinder für die sogenannten 
Schmelzperlen auf die venetianischen Glasfabriken beschränkt ist. 
Werden aus einer weissen, durchsichtigen Glasmasse drei- und mehrseitige massive oder in ihrer 
Achsenrichtung durchlöcherte Prismen durch Pressen in eigens vorgerichteten Formen herge 
stellt, so bilden diese weissen Glasstangen das Material, aus welchem durch Schleifen die be 
rühmten böhmischen Lustersteine und Kronleuchtergläser erzeugt werden . . . 
Das jährliche Gesammterzeugniss der österreichischen Glasfabriken an Glaspasten und Stangen 
glas beläuft sich somit auf 60.000 Wiener Centner in runder Summe, wovon ein Zehnttheil auf 
Böhmen, der Rest auf Venedig (Murano) kömmt. 
Nach den Unterabtheilungen und der Bestimmung dieser Glassorten vertheilt sich diese mittlere 
Productions-Ziffer auf folgende Weise: 
Venedig: 
Schmelzbrode für Bijouterien 1.000 Centner 
Stangenglas für Schmelzperlen 
a) Emailglas 18.000 Centner 
b) durchsichtiges Glas 28.000 Centner 
Stangenglas für gewickelte Perlen 7.000 Centner 
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