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Full text: Farbenglas vom Biedermeier zum Art Déco, 1: Farbenpaletten weiß, schwarz, gelb, grün

Im vielstufigen Entstehungsprozeß der Flakons ist der jeweilige Anteil der namentlich 
bekanntgewordenen Firmen Fischer, Posselt und Zimmermann (bzw. „R. E.“) nicht im 
mer exakt festlegbar; viele Flakons dürften in Formen gepreßt und dann teilweise ge 
schliffen worden sein. Gold auf geschliffenen Facetten und Kanten erhöhten die far 
bige Wirkung, Metallmontierungen mit Fingerringen erleichterten den Gebrauch. Wie 
weit die etikettierenden Firmen für Glaserzeugung, Montierung, Schliff, Vergoldung 
usw. verantwortlich waren, läßt sich im einzelnen nicht mehr bestimmen - jedenfalls 
waren sie das letzte Glied in der Kette einer Produktion, die in der Gablonzer Region 
ihr Zentrum hatte. Naheliegend war daher auch, daß sich der Sitz der „k. k. Fachschule 
für Quincaillerie und Bijouterie“ in Gablonz befand. 
Die Vielfalt der Gablonzer Erzeugnisse - unter dem Begriff „Glasquincailleriewaaren- 
Erzeugung“ geläufig (Adreßbuch Österreich 1900, S. 110) - wird auch aus den Berufs 
bezeichnungen im Zentralkataster von 1908 ersichtlich: 
Glasätzer, Glasbläser, Glasbohrer, Glasdrucker, Glasgespinstwarenerzeuger, Glaskitter, Glas 
knopferzeuger, Glaskompositionsbrenner, Glasmaler, Glasperlenanreiher, Glasperlenerzeuger, 
Glasperlenhändler, Glaspolierer, Glasringerzeuger, Glasschleifereien, Glasschmuckerzeuger, 
Glasschneider, Glasspinnereien, Glassteinerzeuger, Glassteinhändler, Glassteinsimilision, Gtas- 
und Bijouteriemaler, Glas- und Bijouteriewarenhändler, Glas- und Galanteriewarenhändler, Glas- 
und Metallmaler, Glas- und Porzellanmaler, Glaswareneinkauf, Glaswarenerzeuger, Glaswaren 
händler. (Zentralkataster XII/1908, S. 215, 216). 
Bijouterie und Quincaillerie waren demnach die zwei wichtigsten Zweige der Gablon 
zer Industrie. Als Beispiel für ein Produktionsprogramm auf dem Bijouteriesektor sei 
jenes der Glaswaren-Exportfirma Gebrüder Bendit angeführt: „Glasperlen aller Art, 
massiv, schwarz und färbig, imitirte Gold- und Silberperlen, imitirte Korall- und Carne- 
olperlen für Export. Perlen und Aufnähsteine für Posamentenfabrication. Unechte Bi 
jouterieartikel, als: Brochen, Ohrringe, Fingerringe, Armbänder, Collierschmuck, Hut 
schmuck-Artikel, Agraffen, Schnallen, Hutbefestigungs- und Aufputznadeln, Gürtel- 
schliessen etc. ..." (Adreßbuch Österreich 1900, S. 115). 
Auch der Begriff der „Glaskurzwaren“ wird gerne verwendet: das Erzeugungspro 
gramm von W. Klaar in Gablonz umfaßte „Broschen, Ohrringe, Armbänder, Colliers, 
Amulets, Hutschmuck aller Art in Glas und Metall, Haarnadeln, Hutnadeln, Cravattenna- 
deln, Manschettenknöpfe, Lacepins und Morningpins, Gürtel und Gürtelschliesser, 
Photographierrahmen, Tintenfässer, Briefbeschwerer, Celluloid- und Korallperlen und 
Nickelkurzwaaren.“ (Adreßbuch Österreich 1900, S. 116). 
Die Mannigfaltigkeit der Glaswaren-Spezialitäten aus der Gablonzer Gegend wird auch 
vom Programm der Gablonzer Firmen Dolch & Thiel, Karl J. Heyda sowie Schindler & 
Comp, unterstrichen: „Prismen, Lichtmanschetten, Messerleger, Glaskorke, Salzfässer 
etc., Nippes und Photographierahmen“ (Dolch & Thiel, Gablonz, in: Adreßbuch Öster 
reich 1900, S. 115), „Prismen und Lusterbehang, Tintenfässer, Briefleger, Salzfässer, 
alles aus Glas, Stöpsel, Flacons, Menagen und alle kleinen Krystallglas-Artikel.“ (Karl J. 
Heyda, Gablonz, in: Adreßbuch Österreich 1900, S. 116), ferner „Menagen, Flacons, 
Tintenfässer, Briefleger, Schalen, Dosen, Liqueur- und Wasserflaschen, Toilettesätze, 
Weinkrüge, Vasen, Schüsseln, Bisquits, Fruchtgläser, Aufsätze, Puderdosen, Licht 
manschetten, Prismen etc.“ (Schindler & Comp., Gablonz, in: Adreßbuch Österreich 
1900, S. 117). 
Der Typus jener „Lichtschalen“, die bei Josef Pam & Comp, genannt werden (Adreß 
buch Österreich 1900, S. 117) sind wohl durch jene vertreten, die Emil Fischer 
(Abb. 36, 37) bzw. Anton Zimmermann (Abb. 38) in Blau und Türkis, Hellgrün und Rosa 
mit zarten Goldrändern lieferten. 
29 Two scent bottles; R. E., Josefsthal (Bohemia), prior to 1913; green frosted glass, metai 
mounting; labels: “R. E. i. J.”; height: 6.7 and 6.9 cm. - Technical Museum Vienna, inv. no. 2327/ 
XIII (Gift of the Design Copyright Association of Parties Interested in Flacons in Josefsthal, Anto- 
niwald and surroundings) 
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