heitsglas aufgenommen. 1939 wurden die glasindustriellen Anlagen der Ersten Böhmischen Glas
industrie A.-G., Bleistadt (Sudetenland), gepachtet. (Compaß 1940, Sudetenland, S.455, 456).
Im österreichischen Industrie-Compaß (1960) wird auf das Produktionsprogramm der
„Ersten Österreichischen Maschinglasindustrie Aktiengesellschaft“ hingewiesen: „Fen-
u - Gußglas aller Art, feuerpoliertes Opakglas, Sicherheitshartglas.“ (Compaß
1960, Österreich, S. 469); etwas ausführlicher ist die Eintragung 1968: „Fensterglas
und pickglas, Isolierglas, Gußglas und Drahtglas, Einscheibensicherheitshartglas „Pro-
texit farbiges Sicherheitshartglas „Colorbrunit“, farbiges Glasbauelement „Color-
block“, „Marbrunit“-Fliesen und -Platten“ (Compaß 1968, Österreich, S. 459). Das Un
ternehmen wurde später in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt.
Die 1934 dem Technischen Museum gewidmeten Flachgläser umfaßten „20 Stück Glä
ser u. zwar 12 Stück 8 x 17 cm u. 8 Stück 9x12 cm“. Im detaillierten Verzeichnis wer
den folgende Muster im einzelnen angeführt: „Mattglas“, „Maschinglas“ Schnürlglas“
„Prismenglas“; Ornamentglas (Nr. 6, Nr. 9, Nr. 13, Nr. 121, Nr. 13 grün, Nr. 13 gelb)!
„Kathedralglas , „Eisblumenglas“; ferner Farbenglas-Muster („grau marmoriert“,
„lachs marmoriert“, „erbsgrün marmoriert“, „gelb marmoriert“, „grau“, „lachs“!
„creme“, „tango“). Die letzteren, als „Wandverkleidungsgläser“ charakterisierten Mu
ster entsprechen teilweise in der Bezeichnung, wenn auch nicht in der Größe (9 x 12
cm) den Plättchen (Abb. 47, 48), die mit 20 Farbmustern eine insgesamt umfassendere
Palette reizvoller Nuancen darstellen.
K. K. SPIEGELFABRIK NEUHAUS: GLAUBERSALZGLAS-EXPERIMENTE IM
JAHRE 1813
Im Jahre 1813 wurden in der k. k. Spiegelfabrik Neuhaus Experimente zur Herstellung
von Glaubersalzglas durchgeführt; dazu haben sich nicht nur zeitgenössische Be
richte, sondern offenbar auch die aus diesen Versuchen hervorgegangenen Gläser er
halten. Aloys von Widmannstätten war eine jener Personen, die an den Experimenten
teilgenommen hatten; so lag es nahe, daß er für das Kabinett von Franz I. jene Gläser
übernahm, die dann dem Fabriksproduktenkabinett am k. k. polytechnischen Institut
eingegliedert wurden. Der ehemalige Bestand - „44 massive Probe-Tropfen“
(TH 12506-12549), „35 hohe Cylinder-Gläser mit umgebogenem Rande“ (TH 12550-
12584), „6 Trinkgläser“ (TH 12585-12590) und „27 Probegläser mit sehr dicken Böden“
(TH 12591-12617) - ist noch fast zur Gänze im Technischen Museum erhalten. Mit den
Experimenten des Jahres 1813 können wir ihn durch wichtige zeitgenössische Doku
mente (Technische Universität, Wien, Universitätsarchiv, 88 ex 1816, fol. 28 r°) in Ver
bindung bringen:
Resultat von einer Reihe Versuchen vermittelst Glaubersalz weises Glas zuerzeigen in Neuhaus
1813 angesteltt
a Probetropfen 44 St.
b Glaszylinder mit überbogenem Rand 35 St.
c Große Trinkgläser ß c t
d Niederzylinder mit starker Glasmasse am Boden 27 St.
e Rohe Glasmasse 3 st.
Alle 44 „Probetropfen“ (Abb. 55) sind heute noch vorhanden, wenn auch teilweise in
beschädigtem Zustande; sie zeigen, wie auch die „Niederzylinder“ (im Inventar als
„Probegläser“ bezeichnet, Abb. 54) verschiedene Färbungen, unter denen Grün-Nuan
cen dominieren (neben den abgebildeten „Niederzylindern“ sind noch drei weitere er
halten: TH 12594, 12598, 12600 und ein zerbrochenes Stück ohne Nummernetikett; ins
gesamt sind die Gläser TH 12593-12617 vorhanden).
Die Funktion von „Probetropfen“ beschreibt Scholz:
Um sich von dem Fortgange des Schmelzprozesses zu überzeugen, wird Probe gezogen; d. h.
man lässt eine Portion mittelst einer eisernen Stange herausgenommener Schmelzmasse in Form
eines Tropfens erstarren und schliesst aus dem sandigen Aussehen auf unvollkommne Auflösung
des Quarzes, aus der blasigen Beschaffenheit auf Mangel an Läuterung der Glasmasse
(Scholz 1820, S. 156).
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