105 „Fruchtträger", Bimini-Modell Nr. 990 u, Höhe 8,2 cm,
Kat. Nr. 641, S. 414, 415. - Österreichisches Museum für angewandte
Kunst, Wien, Inv. Gl 3622/1
Obwohl Gustav E. Pazaurek schon 1925 auf die phantasievollen Schöpfungen der Marianne
von Allesch aufmerksam machte, warten sie noch immer auf ihre Entdeckung:
der Elefant (Abb. 152), ein „Höllenhund“ (Abb. 153), der Reiter mit Pferd (Abb. 154),
eine Jagdszene (Abb. 155) u. v. a.:
Da kam die große Überraschung auf der Münchner Gewerbeschau des Jahres 1922. Man sah da
auf einmal nicht mehr die ewig gleichartigen Hirsche und sonstigen Tiere von Thüringen, sondern,
neben den schon wesentlich besseren Arbeiten von Wolfgang von Wersin und von Else Wenz-Vietor...
für die Deutschen Werkstätten, hauptsächlich allerlei Gebilde, die auch aus farbigen
Glasröhrchen und Stengeln vor der Lampe entstanden waren, aber ein selbständiges frisch pulsierendes
Leben offenbarten. Igel und Stachelschwein, die sich in dieser Technik fast von selbst
ergeben, lustige Kücken oder Schnecken, Hähne, die Krähen, Kater, die einen Buckel machen,
Elefanten in allen Größen, vor allem aber allerlei auch in den Farben neuartig empfundene Phantasietiere,
die ein starkes humoristisches Talent verrieten. Der Zoologe mag ja die Hände über dem
Kopf zusammenschlagen, wenn er so einen selbstbewußten Überdackel, eine schnippische
Bachstelze oder einen Vogel Strauß zum Teile in naturgeschichtlich unmöglichen Farben vor sich
sieht oder aber kühne Bastardbildungen wie eine „Dackelkuh“ oder eine „Ringelgans“. Aber hier
handelt es sich gar nicht um naturgeschichtliche Vorbilder, sondern um freie Schöpfungen der
Phantasie, wenn so ein „Irrwisch“ oder „Kinderschreck“, wenn „Tante Therese“ oder „Onkel
Maier“ oder „Fräulein Biribi“ vor uns aufmarschieren und uns mit einigen lustigen Charakterzügen
erheitern . . . Die Künstlerin, die alle diese Dinge geschaffen hat, ist Frau Marianne von Allesch in
Berlin. 1886 in Ingolstadt als die Tochter eines bayrischen Offiziers geboren und in Reichenhall
erzogen, kam sie 1906-1908 zu Professor Niemayer an die Münchner Kunstgewerbeschule und