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Full text: Barockes Kupfer aus Herrengrund und ornamentale Vorlageblätter

dekorativen Ideen. Derartige Entwürfe sind mit spielerischer Vielfalt der Gestaltungs 
möglichkeiten für Kontur und Ornament bezogen auf eine besondere Art der Geräte. 
Anwenden lassen sie sich von komplizierter Ausführung in edelstem Material und 
virtuosester Technik, bis zum einfachen Stück des täglichen Gebrauchs. Jeweils aber 
erkennt man in ihnen und in den nach ihnen geformten Objekten die stilistischen Ab 
sichten ihrer Zeit. Deshalb sind hier einer Sammlung eigenartiger Kupfergegenstände 
deren Material so interessant und einzigartig, deren Form aber so sehr den allgemeinen 
Prinzipien folgt, die Reihe jener Entwürfe an die Seite gestellt, die von der Hofkunst 
und dem Prunkgerät, bis zum bürgerlichen Gebrauchsobjekt die äußere Erscheinung 
der Gegenstände bestimmen. Ob die Ausführung etwa einer Dose in Gold, Silber oder 
Kupfer sein sollte, war für den Entwerfer ebenso gleichgültig, wie die Frage, wer den 
ausgeführten Gegenstand benützen solle. 
Der Ausführende aber, dem der Entwurf wie ein Idealplan vorlag, modifizierte ihn 
nach Material, Technik und Benützer. Die Vorlagen waren dabei immer die gleichen. 
Nur modern mußten sie sein; und so finden wir in raschlebiger Abfolge stilistische Ver 
änderungen von den phantastischen Bildungen des 17. Jahrhunderts, zu den blatt 
reichen Rankenornamenten um zwei Generationen später, den zarten Band- und 
Rahmenwerksideen des 18. Jahrhunderts über das reiche Rokoko bis zum strengen 
Klassizismus; die einfach sein wollende Bürgerlichkeit des frühen 19. Jahrhunderts 
bildet den Abschluß. 
Alle diese Ornamentveränderungen spiegeln aber große weltweite Bewegungen 
wider: vom bombastischen imperialen Barock über die theatralisch verspielte Welt der 
Mitte des 18. Jahrhunderts zur nüchternen, aufklärerischen Wiedergeburt einer ideali 
sierten Antike aus der der stolze Bürger geboren wird, ist ein weiter Weg. Es ist der 
große Reiz des Kunstgewerbes, diese weiten Wege philosophischer und staatspoli 
tischer wie künstlerischer Überlegungen auch in einer kupfernen Schnupftabaksdose 
nachgehen zu dürfen. 
Im speziellen Fall dieser Ausstellung handelt es sich in der Hauptsache um eine um 
fangreiche Privatsammlung der einzigartigen Herrengrunder Gegenstände, deren 
material-technische Erfindung dem 15. Jahrhundert, wie die Notiz in Schedels Welt 
chronik beweist, bereits bekannt, deren große Blüte aber im Verlauf des 18. Jahr 
hunderts war. Es ist eine wenig bekannte Gruppe des Kunstgewerbes, die aber so inter 
essant ist, daß sie Beachtung finden soll. Die Gebrauchsbestimmung dieser Objekte 
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