tassen im Stil der gleichzeitigen Silber- und Porzellanformen entstanden, fehlen meist
die Sprüche.
Das Hauptmotiv „Eisen war ich, Kupfer bin ich, Silber trag ich, Gold bedeckt mich“
wiederholt sich immer wieder und wird in unzähligen Varianten abgewandelt. Sie sind
öfters gereimt und nehmen meist Bezug auf den Vorgang der mysteriösen, unerklär
lichen Verwandlung, indem sie vorgeben, daß aus Eisen Kupfer entstand. Noch zu
Ende des 18. Jahrhunderts standen ja Wunder und Kuriosität mindest ebenbürtig
neben dem Kunstwerk. Im wunder- und abergläubischen 17. und 18. Jahrhundert, dem
Zeitalter der Goldmacher und Alchimisten, der Schatz- und Wunderkammern, die
jeder Fürst und Landesherr, der etwas auf seine „Reputation“ hielt, haben mußte,
wurde nur allzu gerne alles geglaubt, was durch die Sinnsprüche vorgetäuseht wurde.
Das Ungewöhnliche und Geheimnisvolle der Aufbringung des edlen Kupfers durch
Verwandlung aus altem, unscheinbarem Eisen mittels der wunderbaren, unerklär
lichen Eigenschaften des Herrengrunder Zementwassers regte die Phantasie der Zeit
an. Einige Sprüche (Nr. 44, 229, 232) weisen darauf hin, daß der Ruhm von Herren
grund in viele Länder drang und viele Fremde es sehen wollten und besuchten.
Dem Zeitalter, aber auch dem naiven Sinn der Künstler und Auftraggeber entspre
chend, findet man in den Sprüchen zahllose Schreib- und Interpunktionsfehler sowie
Mängel der Gliederung. Sie sind häufig in phonetischer Schreibweise abgefaßt, die
Zeilentrennung geht mitunter mitten durch ein Wort oder zwei Schrifttypen wurden an
ein und demselben Stück angewandt. Die Schriftzeichen wurden entweder mit Buch
stabenpunzen eingeschlagen oder graviert. Sie sind entweder Fraktur, römische Anti
qua, Lapidarschrift oder auch lateinische Kursivschrift. Manche Stücke sind in kalli
graphischer Strichgravur und orthographisch richtiger Schreibweise beschriftet,
andere wieder mit Tremoliergravur, wie sie häufig auch auf Zinngegenständen vor
kommt, weisen mitunter eine unorthographische Schreibweise auf. Es ist denkbar, daß
erstere von Goldschmieden, letztere aber von Zinngießern oder Bergleuten selbst an
gebracht wurden. Da es auch in Landstädten gemischte Zünfte gab, ist es nicht ausge
schlossen, daß die Kupferschmiede bei der Zunft der Zinngießer in Neusohl inkor
poriert waren. Es ist auch anzunehmen, daß die Gegenstände zunächst unbeschriftet
fertiggestellt und erst vor oder anläßlich des Verkaufes wunschgemäß graviert wurden.
Die früheste bekannte Datierung auf Herrengrunder Kupfergegenständen ist das Jahr
1635, 219 ) die späteste 18 1 4. 220 ) Daß sie aber auch schon früher erzeugt wurden, kann
als wahrscheinlich gelten. Die Gegenstände waren wohl zum allergrößten Teil als An
denken oder Geschenkartikel für fremde Besucher sowie für die Ausfuhr bestimmt
(Spruch Nr. 44, 103).
Die Verkehrsverhältnisse der Zeit und die Abgelegenheit des Herstellungsortes von
den Hauptadern des Verkehrs brachten es mit sich, daß sich diese Kleinindustrie durch
etwa 200 Jahre ziemlich unverändert erhalten konnte. Die vermutliche Billigkeit der
Arbeitskräfte und auch der Materialgewinnung machten im Verein mit der vorzüg
lichen Ausführung und den naiven Sprüchen die Herrengrunder Kupfergegenstände
als Geschenke beliebt und als Andenken begehrenswert. Dies beweisen die mitunter
angebrachten Wappen, Monogramme und Widmungen (Spruch 62,92,116,158,165,
212, 235-240, 255,256).
Die Gegenstände sind meist einfache Typenformen mit Rauhung der Außenfläche
durch Hohlkugelpunzen und teilweiser oder gänzlicher Feuervergoldung. Außer
dieser Punzierung und Vergoldung bestand der Schmuck aus Treibarbeit, Gravierung
und mitunter einem oder auch mehreren aufgesetzten Bergmännchen aus gegossenem
Silber, welche meist sitzend oder stehend, mit kleinen Erzstücken in den Händen, oder
auch in Tätigkeit mit Hammer und Schlägel ein Erzstück bearbeitend, dargestellt
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