sind. Als weitere Ausschmückung, jedoch äußerst selten, kommt Emaillierung in bloß
drei Farben, grün, gelb und blau, vor. Die Herrengrunder Kupfergegenstände waren
fast ausschließlich Ziergegenstände. In Gravur oder hauptsächlich Treibarbeit
dominierte neben Palmetten, Rocaillen, Gitter- und Bandelwerk, Heiligen und figura-
len Szenen das Akanthus- und Blütenmotiv. Seltener sind auch Knorpelstil und
Molluskendekor anzutreffen.
Die einfachste Form der Gegenstände ist der sogenannte Tummler (von taumeln) 221 )
oder Stehaufbecher, ein halbkugelförmiges Gefäß mit zum Stehen eingedrücktem Pol.
Die Form ist keine Erfindung des Mittelalters, sondern kam schon in Gräbern des grie
chischen Kulturkreises vor. 222 ) Nach Datierungen zu schließen kommen sie jedoch in
Herrengrund erst im 18. Jahrhundert vor. Ihre Höhe variiert von 39 bis 53 mm, der
obere Durchmesser von 68 bis 80 mm. Das Innere und ein 8 bis 12 mm breiter äußerer
Mundrand sind stets glatt und vergoldet. Die übrige Außenfläche ist mittels Punzen
gerauht und darin sind mitunter ein bis drei von Palmwedeln eingefaßte Medaillons
ausgespart. Diese sind entweder kreisförmig oder leicht oval, manches mal kartuschen
artig, seltener in Wappenschildform, glatt und vergoldet und mit gravierten Sprüchen
versehen. Meistens stehen aber die Sprüche am glatten oberen Außenrand. Andere
Becher sind konisch, rund oder von ovalem Querschnitt, 8 bis 13 cm hoch und in
gleicher Art wie die Tummler verziert, jedoch infolge Verschleiß sind wenige davon er
halten geblieben. Sie mögen für die Trinkkur im nahegelegenen Badeort Sliac gedient
haben. Weiters gibt es eiförmige Doppelbecher, welche aus zwei genau aufeinander
passenden Tummlern bestehen. Mitunter haben sie auch die Form eines Fasses, wobei
die die Dauben haltenden Reifen glatt und vergoldet sind und die Wandung körnig
gerauht ist. Auf beiden Mundrändern ist oft eine Punze angebracht, welche aber nicht
als solche anzusehen ist, sondern bloß die Stelle anzeigt, an der beide Stücke aufein
ander zu stecken sind. Manche Tummler und auch Doppelbecher haben innen eine
gedrehte Säule, welche sich nach oben verjüngend postamentartig bis zur Höhe des
Mundrandes ragt und dann eventuell auf einer Plattform einen sitzenden Bergmann
mit einem Erzstück in Händen, oder ein oder zwei Bergleute, ein kleines Erzstück
behauend, trägt. Die Männchen sind aus gegossenem Silber und etwa 15 bis 20 mm
hoch.
Manche Tummler sind mit einer sogenannten Vexiervorrichtung 223 ) versehen, welche
für die den damaligen Trinksitten entsprechenden scherzhaften Überraschung diente.
So haben diese in der Standfläche ein Loch, über welchem eine zylindrische, hohle,
nach oben geschlossene Säule derart angelötet ist, daß drei basale, winzige Ausschnitte
offen bleiben, ohne daß eingegossene Flüssigkeit durch diese und das unter der Säule
befindliche Bodenloch ausrinnt. Dies deshalb, weil innerhalb dieser Säule sich eine
zweite, schmälere befindet, die etwas kürzer und am oberen Ende offen ist. Gießt man
langsam Flüssigkeit ein, kann diese zunächst nicht abfließen, sondern erst dann, sobald
sie die Höhe der inneren Säule erreicht hat. Fehlt die Innensäule, rinnt eingeschüttete
Flüssigkeit zur Überraschung sofort aus. Ein Spruch warnt jedoch davor: „Wer hier
nicht recht witzig ist, diesen Wein gar bald vergiesst.“ „Eisen ich War, Ziment Kupfer
Klar, goldt mich bedeckt, sauff aus oder ich dich erSchreck.“
Wohl die gefälligste Form zeigen die sogenannten Doppelhenkelschalen, da sie an
den Längsseiten zierliche, gegossene und teilweise nachziselierte Volutenhenkel
tragen. Sie haben vier oder sechs, meist aber acht Pässe in alternierender Größe der
Teile und sind innen vollständig, außen aber meist nur am Rande vergoldet. Bei den
frühen Stücken des 17. Jahrhunderts ist am getriebenen Boden der Schale eine glatte
Platte aufgelötet, auf welcher vielzeilige Sprüche eingraviert sind. Später befinden sich
diese ein- oder auch mehrzeilig am Außenrand zwischen den Henkeln oder auch am
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