Rande umlaufend. Im Schalenboden finden sich in Treibarbeit von Rocaillen, Pal
metten oder Akanthusranken umrahmte, stilisierte Blumen, Tulpen, Nelken, Lilien,
Rosen, Eicheln oder figurale Darstellungen wie Heilige, Bergleute oder Genre
szenen. Mitunter sind kleine silberne Bergmännchen auf einem oder mehreren Nabeln
im Fond aufgesetzt, welche mit Erz- und Gesteinsproben in den Armen oder in Tätig
keit mit Schlägel und Eisen gezeigt sind. Darstellungen aus dem Bergwerksleben
kommen auch als getriebene Randfriese vor. Andere Schalen haben einen in der Mitte
hochgezogenen Boden mit oder ohne aufgesetzter Bergmannsfigur. Die Inschrift einer
gebuckelten Schale gibt ihre Verwendung als Weinkostschale bekannt. (Spruch Nr. 93)
Abb.
Zu erwähnen wären noch die sehr seltenen Bergmannspokale. Ein besonders schöner
mit getriebenem Laubwerk auf Fuß, Kuppa und Deckel, auf letzterem als Knauf eine
kleine Erzstufe und einer Inschrift auf der Unterseite des Fußrandes, befindet sich in
der Kunstkammer des Stiftes Kremsmünster 224 ), ein anderer (Abb. ) auf breitem,
mit Akanthusranken geziertem Fuß und gelappter, mit getriebenen Blüten und In
schrift gezierter Kuppa in einer Wiener Privatsammlung. Beide haben als Schaft einen
etwa 10 cm großen Bergmann. Ein dritter Pokal befindet sich im Kunstgewerbe-
Museum in Budapest. 225 ) Auch hier dient ein Bergmann als Schaft. Er steht auf einem
kleinen, von einem Kupfersockel getragenen Gesteinsberg und trägt am Haupt einen
mit drei gravierten Kartuschen gezierten Tummler, aus dessen Mitte ein kleiner Berg
mann herausragt 225 ).
Sehr beliebt waren auch Dosen für Rauch- und Schnupftabak. Solche in künstlerischer
Ausführung aus Edelmetall, in Email, aus Porzellan oder anderem Material, waren der
Allgemeinheit unerschwinglich und auch zerbrechlich. Sie wurden durch das billigere
Kupfer ersetzt und durch die Vergoldung die teuere Dose nachgeahmt oder vorge
täuscht. Es gab „Manns- und Weibsdosen“, welche sich durch verschiedene Größen
unterscheiden. Ein Herr oder eine Dame der höheren Stände mußte mehrere Dosen
für verschiedene Gelegenheiten, Kleider und Jahreszeiten besitzen. Die Art der Hand
habung zeugte von guten Manieren und man konnte die Aufmerksamkeit der
Umgebung dadurch auf sich und vorhandene Vorzüge lenken oder Neugierde er
wecken. Casanova 226 ) und andere Zeitgenossen berichten in ihren Memoiren, wie
schöne und kostbare Dosen bei Tisch und anderen Gelegenheiten gezeigt, herumge
reicht, bewundert und auch verschenkt wurden. Zweifellos wurde manche Herren
grunder Dose wegen ihrer Originalität, aber auch wegen der gravierten Sprüche gern
gekauft, gezeigt, betrachtet und gesammelt 227 ).
Es gab Dosen mit Stulpdeckel und solche mit Scharnieren in manigfaltigen Formen. So
kennen wir runde, ovale, rechteckige und oktogonale Dosen, sowie andere in Kar
tuschen-, Wappen-, Muschel-, Korb-, Koffer- oder auch Buttenform. Die Scharniere
und Daumenstücke sind meist in Silber gegossen, die Deckel graviert oder getrieben,
mitunter auch mit Email versehen, die Außen- und Innenwandung ganz oder teilweise
vergoldet. Eine Dose in Korbform ist besonders eigenartig. Sie ist derart in einen
konischen Becher eingeschoben, daß dieser durch Druck der Dose anhaftet, wobei
beide Gegenstände ein Stück zu sein scheinen. Die Inschriften am Boden beider Stücke
geben und aber deren Verwendungszweck an. (Spruch 25 und 155) Umschlagbild.
Eine andere Dose hat einen Verschluß in der Art eines Kombinationsschlosses. Nur
durch Drehen der Zeiger zweier am Dosendeckel gravierter Uhrblätter in eine be
stimmte Richtung kann die Dose geöffnet werden. 228 ) Abb. 26.
Endlich gibt es auch kupferne Ketten, Sonnenuhren und reich ausgestattete Prunk
stücke. Unter den letzteren finden sich z. B. Deckelbecher und Prunkbecher mit
Kugelfüßen, sowie die schon erwähnten Bergmannspokale, stufenartige Tafelaufsätze
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