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Verkehrswesen.
Die Anforderungen des Güterverkehres ließen bald die direkte Verbindung der in Wien
einmündenden Bahnlinien als dringendes Bedürfnis erkennen und entstand so die im Jahre 1859
dem Verkehr übergebene „Wiener Verbindungsbahn“, welche ursprünglich nur den Nordbahn
hof mit der Station Wien-Südbahn verband, später aber, statt schon zunächst dem Wien-Süd
bahnhofe, erst in Station Meidling an die Südbahn angeschlossen wurde. Weiterhin kam eine
Verbindung der Wiener Verbindungsbahn mit der Kaiserin Elisabeth-Bahn in Penzing, dann
mit der Aspangbahn und der Österreichisch-ungarischen Staatseisenbahn hinzu.
Eine zweite Verbindung sämtlicher in Wien einmündenden Bahnen erfolgte durch eine
Wien an oder nahe seiner äußersten Grenzen umfassende Dreiviertelkreisbahn von Nußdorf
als „Donauuferbahn“ längs dem Donaustrome und über Schwechat als „Donauländebahn“ im
Anschlüsse an die Wiener Verbindungsbahn zunächst Hetzendorf nach Penzing und Hütteldorf
an die Westbahn. Nahezu alle diese Verbindungslinien wurden im Laufe der Zeit auch dem
Lokalpersonenverkehr innerhalb Wiens dienstbar gemacht.
Die „Wiener Stadtbahn“ schloß den 45 km langen äußeren Ring der Wien umschließenden
Bahnen durch ihre Vorortelinie, während ihre inneren Linien, im „Hauptzollamte“ an die
Wiener Verbindungsbahn anschließend, weitere Verbindungen einzelner Bahnlinien erzielten
und die Führung der Lokalpersonenzüge von der Kaiser Franz Josefs-Bahn auf die Westbahn
ermöglichten.
Für den Fern- beziehungsweise Durchgangsverkehr wurden nur einzelne der Verbindungs
strecken durch wenige Schnell- und Luxuszüge nutzbar gemacht. So wünschenswert in dieser
Richtung eine prinzipielle Durchführung von Fernzügen durch Wien wäre, so steht dem nicht
nur die bloß zweigleisige Anlage der Wiener Stadtbahn hindernd entgegen, sondern auch
bezüglich der übrigen Verbindungsmöglichkeiten der schwerwiegende Umstand, daß — von
der Aspangbahn abgesehen — nur der Nordbahnhof und der Staatsbahnhof, letzterer jedoch
außerhalb des Aufnahmsgebäudes, von derlei Durchgangsfernzügen direkt befahren werden
kann, während im übrigen die Verbindungslinien durchwegs nur in Stationen auf der Strecke,
wenn auch noch innerhalb der Grenzen von Wien einmünden. Leichter durchführbar und
anzustreben wäre jedoch eine ausgedehntere Verbindung einzelner Lokalstrecken der in Wien
einmündenden Bahnen durch direkt verkehrende Lokalzüge.
Der Verkehr auf den in Rede stehenden sieben von Wien ausgehenden Hauptbahnen
stellte sich im Jahre 1902 folgendermaßen: Die durchschnittliche Zahl der binnen 24
Stunden innerhalb des Gemeindegebietes angekommenen und abgereisten Personen betrug
73.817, die durchschnittliche Menge der im Gemeindegebiete binnen 24 Stunden aufgegebenen
und angelangten Güter 21.590 t, wozu an in Wien transitierender Fracht von einer Bahn auf
die andere 8440 t kommen. Zur Durchführung dieses Verkehres wurden auf den Hauptlinien
binnen 24 Stunden durchschnittlich 512 Personen- und 282 Güterzüge mit einem Gesamt
gewicht von 183.106 t ohne das Gewicht der Lokomotiven und Tender in 14.478 Wagen (den
Wagen zu zwei Achsen gerechnet) eingeleitet oder aufgelöst, während weitere 96 Überstellungs
oder Transitzüge den Verkehr zwischen den einzelnen Bahnlinien innerhalb des Gemeinde
gebietes vermittelten und 55 eigene Verschublokomotiven mit einem täglichen Aufwande von
1072 Verschubstunden die Zusammenstellung und Auflösung der Züge besorgten. Vierachsige
Schlafwagen waren pro Tag 48, vierachsige Speisewagen 22 im Lauf.
Das Maximum der binnen 24 Stunden innerhalb des Gemeindegebietes angekommenen
und abgereisten Personen belief sich für die sieben Bahnen zusammen auf 261.657, für welche
Leistung ein Aufwand von 959 Zügen mit einer Belastung von 156.104 t in 13.152 Wagen
erforderlich war, während die Maxima der Güterzüge von und nach Wien binnen 24 Stunden
362 betrugen,^welche 149.942 t in 12.161 Wagen beförderten.
Auf den bezüglich des Personendienstes den reinen Ortsverkehr bedienenden Hauptbahn
linien innerhalb Wiens (Stadtbahn, Verbindungsbahn, Donauuferbahn und Donauländebahn)
wurden außerdem im genannten Jahre pro Tag 92.624 Personen in 1503 Zügen befördert,
und umfaßte der stärkste Verkehr binnen 24 Stunden die Zahl von 461.323 Personen.
Die Zahl der im ganzen Gemeindegebiete bestehenden Eisenbahnstationen und Personen
haltestellen beläuft sich auf 91.
Kaiser Ferdinands-Nordbahn.
Das erste Projekt für die Hauptlinie der Bahn von Wien nach Krakau stammt vom
Professor der Warenkunde und Mineralogie am Wiener k. k. Polytechnikum F. X. Riepl