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Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 1: Charakteristik und Entwicklung der Stadt, Ingenieurbauten

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Verkehrswesen. 
daß der Lokomotivbetrieb, namentlich in den eingedeckten Strecken, vielfache Übelstände 
ergibt. Die Verbrennungsgase befördern die rasche Abrostung der freiliegenden eisernen Kon 
struktionsteile und des Oberbaues und erzeugen Staub, der in die Wagen cindringt. Diese 
und der aus der Lokomotive und im Winter aus den Heizleitungen ausströmende Wasser 
dampf erzeugen bedeutende Rauch- und Dampfmassen, die bei der raschen Aufeinanderfolge 
der einander entgegenfahrenden Züge aus den Tunnelstrecken zur Zeit eines trüben und 
nebligen Wetters nur sehr 
langsam entweichen und 
somit sowohl die Fahr 
gäste als auch das Zugs 
begleitungspersonal sehr 
belästigen. Die Versuche 
in der Station „Ferdinands 
brücke“, diese Rauchmas 
sen vor dem Austritt in die 
Tiefbahnhaltestelle durch 
kräftige Ventilatoren zu 
tage zu fördern, ergaben 
nur einen sehr geringen 
Erfolg. Es ist also wohl 
fraglos, daß die Einführung 
des elektrischen Betriebes 
nur eine Frage der Zeit 
ist, sobald die Kosten der 
elektrischen Kraft einen 
billigeren als den gegen 
wärtigen Betrieb gestatten. 
Zur Ermittlung der Kosten 
Abb. 72. Schnitte und Grundriß eines Stadtbahnwagens III. Klasse. 1:100. Wurden 1901/1902 in der 
Teilstrecke Michelbeuern— 
Heiligenstadt (3'1 km) Versuchsfahrten mit Zügen von fünf bis zehn Wagen vorgenommen und 
hierbei Gleichstrom von 500 Volt Spannung verwendet. Die Zuführung des Stromes erfolgte 
durch eine auf die Schwellen verlegte U-förmige Schiene, die Rückleitung durch die mit 
kupfernen Riegeln verbundenen Laufschienen. 
Die Stadtbahn verfügt schon heute über eine elektrische Zentrale, die zu Zwecken der 
Beleuchtung und zur Bedienung der elektrischen Aufzüge am Hauptzollamtsbahnhofe errichtet 
wurde. Die Zentrale, welche bereits in dem Abschnitte „Hauptbahnen“ beschrieben wurde, 
erzeugt jetzt rund 1,800.000 Kw.-St., wovon 1,300.000 Kw.-St. zur Beleuchtung und 500.000 Kw.-St. 
zu Kraftübertragung verwendet werden. Zur Ausgleichung der Spannungen wurden fünf Akku- 
mulatorenstationen eingeschaltet. 
Die Gesamtbau- und Anlagekosten der Stadtbahn für das engere Netz von 40-4km 
Länge betrugen rund 138 Millionen Kronen. 1 ) 
Bei dem Bau der Stadtbahn waren folgende Firmen beteiligt: 
Für Unterbau und Hochbau: Union-Baugesellschaft, Redlich & Berger, Wiener Baugesellschaft, Allgemeine österreichische 
Baugesellschaft, Josef Prokop, Gettwert & Dittel, Doderer & Göhl, Alois Schuhmacher, Rabas & Rummel. Für Unterbau: Peter Kraus. 
Für Hochbauten: Karl Brodhag, Friedrich Haas, Christian Speidel, Julius Stättermayer, Hans Schätz und Karl Stigler. Für Oberbau* 
Franz Burian. Für Betonbauten: Pittel & Brausewetter und G. A. Waiß. Für Pflasterungen und Eindeckungen: Lederer & Nessényi 
und N. Schefftel. Für Kunstschlosserarbeiten: Kämmerer & Filzamer. Für Gas- und Wasserleitungen: Karl Dumont, Teudloff und 
Dittrich. Für mechanische Einrichtungen: Anton Freißler, Stephan von Götz’ Söhne, Josef Friedländer, Märky, Bromovsky & Schulz 
Schember & Söhne. Für elektrische Einrichtungen: Siemens & Halske und Rob. Bartelmus. Für Eisenkonstruktionen: Anton Biro’ 
AlbeiT Milde, Ignaz Gridl, R. Ph. Waagner, Prager Maschinen- und Brückenbauanstalt, Erzherzogliche Industrialverwaltung in 
Teschen, Witkowitzer Bergbau- und Eisenhüttengesellschaft, E. Skoda und Breitfeld & Danëk. 
Literaturnachweis. 
F. v. Bischoff, Die Stadtbahn. Zeitschrift des österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines. 1897. 
G. Gerstel, Der Betrieb der Wiener Stadtbahn. Zeitschrift des österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines. 1898. 
A. O eiwein, Der Umbau des Hauptzollamtsbahnhofes. Zeitschrift des österreichischen Ingenieur- und Architekten- 
Vereines. 1899. 
V. Schützenhofer, Die Fahrbetriebsmittel der Wiener Stadtbahn. Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur- und Archi 
tekten-Vereines. 1897. 
H. Koestler, Der Oberbau der Wiener Stadtbahn. Zeitschrift des Österreichischen Ingenieur-und Architekten-Vereines. 1900. 
Jahresberichte der Kommission für Verkehrsanlagen. 
Mai 1904. 
Artur Odwein.
	        
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