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Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 1: Charakteristik und Entwicklung der Stadt, Ingenieurbauten

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Verkehrswesen. 
derselben Seite angeordnet wurden. Es würde zu weit führen, auf die Begründung hierfür 
näher einzugehen. 
Die Abzweigweiche auf Unterleitungsstrecken ist gewöhnlich eine Einzungenweiche mit 
einem Ablenkungswinkel von 1°, bei einem Bogenhalbmesser von 30 m. Die bewegliche Zunge 
aus gehämmertem Martinstahl befindet sich über dem Kanal; sie ist 2 82 m lang und ragt 
mit der Spitze nach rechts und links in die Fahrschiene hinein, so daß sie auf dem Schienenfuß 
einen zweiten Auflagerpunkt findet; in ihren Endstellungen wird die Zunge mittels Daumen 
verriegelt. Die Stellung der Weiche erfolgt von Hand mittels eines eisernen Hakenstockes. Die 
Weichen sind in verhältnismäßig geräumigen Kammern eingebaut, die mittels Einsteigschächten 
zugänglich sind. Die Weichenherze haben allgemein den Neigungswinkel 1:4. Für die Kreu 
zungen sind bestimmte Winkel festgelegt worden, von denen nicht abgewichen wurde. Zur 
Verlegung kamen Kreuzungen von 90°, 75°, 60°, 45°, ferner von 28° 4' 10" und 14° 2' IO". 
Die Kreuzungen liegen durchwegs in den Geraden, weil an diesen Stellen die Unterleitungen 
Abb. 78. Längenschnitt und Draufsicht der Unterleitung. 
naturgemäß unterbrochen werden müssen und eine sichere Betätigung des Stromabnehmers 
bei einer Bogenkreuzung nicht zu erwarten ist. 
Da für eine ausreichende Entwässerung und Reinigung der Leitungskanäle vorgesehen 
werden mußte, sind in Entfernungen von 60 bis 120 m, je nach dem Gefälle der Straße, in 
den Kanälen Putzschächte eingebaut, die einen Rohranschluß an die städtischen Unratkanäle 
haben. 
Bautechnische Nebenanlagen. 
Die gußeisernen Haltestellentafeln werden von grellrot angestrichenen Säulen oder Wand 
armen getragen; sie haben außer der Aufschrift noch die Bezeichnung der Zonen- und Sektoren 
einteilung für den Tarif. Überdies tragen die neueren Ausführungen der Tafeln an der Be 
krönung einen Pfeil, der die Fahrtrichtung des benachbarten Gleises angibt, wobei erwähnt 
sei, daß auf den Straßenbahnen, wie auf allen österreichischen Eisenbahnen, links gefahren wird. 
Die Zwischenhaltestcllen sind aus Sicherheitsgründen fast ausnahmslos vor die Straßenkreuzun 
gen gelegt worden. An einzelnen Stellen mit großem Straßenverkehr sind erhöhte Warteplätze 
an den straßenseitigen Einsteigplätzen angeordnet worden. Die eisernen Wartehäuschen haben 
eine Länge von 3 bis 6 m bei einer Tiefe von T5m und sind vielfach mit Abfertigungs- oder 
Geräteräumen ausgestattet. Ausnahmsweise sind bei besonders verkehrsreichen Endpunkten, 
wie beispielsweise in der Nähe der Hauptallee im Prater, größere Räumlichkeiten geschaffen 
worden, die auch Warteräume für die Bedienungsmannschaft und sonstige Nebenräume enthalten. 
Erwähnt sei noch als eine bei Straßenbahnen ungewöhnliche Anlage die Unterfahrung 
der Linie nach dem Zentralfriedhof mittels zweier vor dem Haupteingange dieses Friedhofes
	        
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