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Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 1: Charakteristik und Entwicklung der Stadt, Ingenieurbauten

Die Straßenbahnen. 
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bestehen aus Porzellanisolatoren, die mittels Weichgußarmen an die Stege der Schlitzschienen 
angeschraubt werden und an ihrem unteren Teile die Leitungsschienen gabelförmig umfassen. 
Die Entfernung dieser 
Stützpunkte (siehe Abb. 
78 und 79) beträgt 
in den Geraden 4'2m; 
naturgemäß verringert 
sich diese Entfernung 
in den Bogen bedeu 
tend und wird desto 
geringer, je schärfer 
der Bogen ist. Die 
Anbringung derartiger 
Aufhängungen bedingt 
in der Kanalwand die 
Anlage von Aussparun 
gen, wie sie in den 
vorerwähnten Abbil 
dungen dargestellt sind. 
Dieselben sind durch 
gußeiserne Rahmen ein 
gefaßt und meist mit 
gußeisernen Deckeln 
abgeschlossen. Um in 
der Straßenpflasterung 
größere Eisenflächen 
nach Möglichkeit zu 
vermeiden, sind die Deckel vielfach auch so hergestellt worden, daß in dieselben Granitsteine 
mittels Portlandzement eingefügt wurden. Der Abstand der Stromschienen voneinander beträgt 
120 mm. Die einzelnen Schienen sind an den Enden mit je zwei aus verzinntem Kupferdraht 
bestehenden Seilen verbunden. 
Das gesamte Unterleitungsnetz ist in sechs getrennte Gebiete geteilt, die von je einem 
besonderen Kabelkasten aus gespeist werden und ihren Strom von der nächst der Ringstraße 
gelegenen Unterstation „Rahlgasse“ der städtischen Elektrizitätswerke zugeführt bekommen. 
Die Streckentrennung erfolgt durch besondere Unterbrechungsstellen, die aus zwei Ausschaltern 
und einem dazwischen gelegenen stromlosen Leitungsstück von etwa 1 m Länge bestehen. 
Diese Ausschalter können während des Betriebes geschlossen werden, wenn ein Gebiet von 
dem benachbarten Gebiet aus vorübergehend mit Strom versorgt werden soll. Überdies sind 
alle Gleis- und Leitungsabzweigungen durch besondere Vorrichtungen ausschaltbar. Die 
Streckenausschalter treten entlang der Schlitzkanäle in der Straßenpflasterung durch einen 
dreiteiligen gußeisernen Kasten in Erscheinung, der den Zugang zu den Isolatoren ermöglicht 
und im Mittelfeld die Betätigung des Streckenausschalters gestattet. 
Bei Weichen und Kreuzungen findet eine Unterbrechung der Arbeitsleitungen statt. Die 
Länge der Unterbrechung beträgt bei der Weiche etwa 3'25 m, bei Kreuzungen L25 bis 
2-14 m. Diese stromlosen Stellen werden, wie die Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt haben, 
anstandslos von den elektrischen Wagen übersetzt. Um ein Nachziehen von Funken zu ver 
meiden, muß der Wagenführer den Strom im Motorwagen schon vor der Leitungsunterbrechung 
ausschalten. Die Unterbrechungsstellen sind mittels Kabelleitungen überbrückt. 
Abb. 82. Motorwagen mit freien Lenkachsen. 
Wagen. 
Die städtischen Straßenbahnen hatten Ende 1903 insgesamt 945 Motorwagen und 700 Bei 
wagen. Weitere 170 im Pferdebetriebe gestandene Wagen wurden im Jahre 1904 zu Beiwagen 
umgebaut. In der umstehenden Zusammenstellung sind die wichtigsten Angaben über die 
Abmessungen der Motorwagen und Anhängewagen vereinigt. Es sind im wesentlichen vier 
verschiedene Bauarten elektrischer Motorwagen zur Durchführung gelangt, und zwar: 50 Stück 
vierachsige Motorwagen mit zwei Drehgestellen, 520 Stück Motorwagen mit freien Lenkachsen 
(siehe Abb. 82 und 83), 375 zweiachsige Motorwagen mit festen Achsen (siehe Abb. 84), ein- 
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