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Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 1: Charakteristik und Entwicklung der Stadt, Ingenieurbauten

Die Straßenbahnen. 
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Spiralfedern mehrfach abgefederl. Die Wagenräder bestehen aus schmiedeeisernen oder Stahl 
gußsternen, auf welche Martin- oder Tiegelstahlreifen aufgezogen sind. Die Wagenlager sind 
meist nach der Bauweise von Korbuly angeordnet. Alle Wagen sind mit Einzelpuffern, 
welche in der Mitte liegen, ausgerüstet, die gleichzeitig zur Kupplung der Wagen unter 
Zwischenschaltung eines Bolzens verwendet werden. 
Die elektrische Einrichtung weist in bezug auf Motoren, Fahrschalter, Widerstände, Blitz 
ableiter (meist als Hörnerblitzableiter), Beleuchtung, Sicherungen keine bemerkenswerten 
Eigentümlichkeiten auf. Von Interesse ist die Stromabnehmerausrüstung für die unterirdische 
Stromzuführung, die sogenannten „Kontaktschiffe“. Jeder Motorwagen ist mit zwei Kontakt 
schiffen ausgerüstet, von denen jedoch nur eines in Tätigkeit ist, entsprechend der jeweiligen 
Fahrtrichtung des Wagens. 
Das Kontaktschiff besteht aus zwei an einem schwachen Holzbrett federnd gelagerten 
Holzflügeln mit Metallbeschlägen. Letztere schleifen an den Stromschienen der Unterleitung und 
sind mit Kabeln in Verbindung, welche durch das erstgenannte Holzbrett führen und die 
Stromzuführung zur elektrischen Wageneinrichtung vermitteln. Die Kontaktschiffe können vom 
Führerstand des Wagens aus in den Leitungskanal gesenkt, beziehungsweise aus demselben 
gehoben werden. Beim Herabkurbeln oder Aufziehen des Kontaktschiffes wird gleichzeitig an 
einer unter den Sitzbänken befindlichen Schaltwalze die jeweilig nicht benötigte Zuleitung 
(Bügel- oder Unterleitungskontaktschiff) abgeschaltet. 
Die Fahrschalter haben sieben Stufen für Fahrt und sechs Stufen für die elektrische 
Bremsung. Bei der elektrischen Bremsung werden die Motoren von den Stromleitungen, also 
auch von Erde, gänzlich ausgeschaltet. Jeder Wagen hat überdies eine Handbremse. Zwecks 
einer ruhigen, stoßlosen und raschen Abbremsung eines Motorzuges ist in jedem Anhängewagen 
eine elektrische Bremse eingebaut, welche beim Schalten des Fahrschalters auf Bremsstrom zur 
Wirkung kommt. Es sind meist Solenoidbremsen, die auf das Bremsgestänge einwirken, aber 
auch Scheibenbremsen zur Anwendung gelangt. Am Motorwagen sowie am Anhängewagen sind 
Kupplungsdosen angebracht, um die elektrische Verbindung der beiden Fahrzeuge mittels 
Kupplungskabel untereinander herzustellen. 
Die Drehgestellwagen sind mit „Maximum traction trucks“ ausgestattet. Die nicht ange 
triebenen Achsen dieser Drehgestelle sind mit Scheibenbremsen versehen, um alle Achsen dieser 
schweren Wagen elektrisch ab 
bremsen zu können. Die me 
chanische Handbremse ist als 
Kurbelbremse mit wagrechten 
Hebeln ausgeführt. Die Signal 
glocke unter dem Führerstand 
wird mit dem Fuß betätigt. Als 
Schutzvorrichtung gegen das 
Überfahren dient der Bahn 
räumer, ein pflugartiger, aus 
starken Brettern hergestellter 
Rahmen, der am Untergestelle 
in einem Abstande von 8 cm 
oberhalb der Schienenober 
kante aufgehängt ist. ln jüng 
ster Zeit sind versuchsweise 
bewegliche Schutzvorrichtun 
gen an einigen Wagen in An 
wendung gekommen. 
Die Ausführungsweise der Beiwagen ist die allgemein übliche. Abgesehen von 200 Stück 
solcher Wagen, die als Anhängewagen besonders beschafft wurden, sind sämtliche Beiwagen 
als Pferdebahnwagen in Benützung gestanden und weisen naturgemäß verschiedene Herstel 
lungsarten auf. Sie unterscheiden sich in bezug auf Länge und Höhe der Kasten, auf die 
Durchführung der Untergestelle, auf die Anordnung der Sitze, die vielfach als Quersitze 
erscheinen, in bezug auf die Größe der Plattformen, auf denen auch Sitzplätze angebracht 
sind, kurz in bezug auf alle Einzelheiten. Viele derselben sind offene Sommerwagen ohne 
Seitenfenster. 
Abb. 84. Motorwagen mit festen Achsen.
	        
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