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Full text : Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 1: Charakteristik und Entwicklung der Stadt, Ingenieurbauten

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Verkehrswesen.

gebrachten,  in  einer  schiefen  Reihe  nebeneinanderstehenden,  einzeln  heb-  und  senkbaren
Schaufeln,  welche  den  Schnee  seitwärts  wegzuschieben  haben  (Abb.  92).  Diese  letztgenannte
Konstruktion  der  Schneepflüge  ist  in  Wien  für  Schneepflüge  mit  Pferdebespannung  allgemein
gebräuchlich.
Zur  raschen  Hilfeleistung  bei  Unglücksfällen  oder  Schäden  aller  Art  ist  das  ganze
Straßenbahnnetz  in  mehrere  Bezirke  geteilt,  in  welchen  sich  je  eine  sogenannte  Rüststation,  und
zwar  in  einem  Bahnhof ­
  befindet.
Die  Oberleitung
wird  periodischen  Untersuchungen ­
  unterzogen; ­
  auch  wird  der
Isolationszustand  jedes ­
  Querdrahtes  monatlich ­
  einmal  geprüft,
und  muß  derselbe
mindestens  1  Million
Ohm  betragen.  Eine
wichtige  Einrichtung
zum  Schutze  derOberlcitung
  ist  die  „selbstantretende
  Wache“;
eine  gewisse  Anzahl
von  Bediensteten  ist
damit  beauftragt,  bei
Sturm  und  insbesondere ­
  bei  Schneewetter,
ohne  gerufen  zu  werden, ­
  einen  Überwachungsdienst ­
  auf  der
Strecke  anzutreten,  um
gebrochene  Telephondrähte  u.  s.  w.  von  der  Oberleitung  zu  entfernen  und  bei  etwaigen  Schäden
an  derselben  sofort  die  geeigneten  Maßregeln  zu  ergreifen,  beziehungsweise  diejenigen  Dienststellen ­
  zu  verständigen,  welche  zur  Behebung  der  Schäden  berufen  sind.
Für  die  Überwachung  der  Bahnerhaltungsarbeiten  ist  das  Straßenbahnnetz  in  mehrere
Bezirke  geteilt,  in  welchen  je  ein  Ingenieur  oder  Techniker  die  Aufsicht  führt.  Der  Personalstand ­
  für  die  Bahnerhaltung  und  für  die  Gleisrekonstruktion  beläuft  sich  zur  stärksten  Zeit
auf  insgesamt  850  Mann.
Die  Reinigung  der  Schlitzkanäle  bei  der  unterirdischen  Stromzuführung  geschieht  bisher
nur  von  Hand  aus,  indem  mehrere  hintereinander  gehende  Leute  mit  entsprechend  geformten
Schaufeln  den  Schmutz  in  die  Putzschächte  vorschieben,  aus  welchen  derselbe  dann  zu  bestimmten
Zeiten  entfernt  wird.  Eine  besondere  Sorgfalt  wird  auf  die  dauernd  gute  Erhaltung  der  unterirdischen ­
  Stromzuführung  einerseits  und  der  Kontaktschiffausrüstung  an  den  Wagen  anderseits
verwendet.  Auch  bei  nassem  Wetter  beträgt  der  Stromverlust  auf  einem  Kilometer  Unterleitung
höchstens  Vfio  Ampère.
Die  Stromspannung  beträgt  in  den  Speisepunkten  zwischen  480  und  560  Volt.  Die  größte
Stromabgabe  betrug  6790  Kilowatt,  dabei  waren  789  Motor--j-605  Beiwagen  =  1394  Wagen  im
Betriebe,  so  daß  also  auf  einen  Wagen  4  87  Kilowatt  oder  auf  einen  Rechnungswagen  (3  Beiwagen ­
  =  1  Motor-  =  1  Rechnungswagen)  6’85  Kilowatt  entfallen.  Der  Stromverbrauch  betrug  im
Jahre  1903  auf  einen  Wagenkilometer  bezogen  555  Wattstunden,  auf  einen  Rechnungswagenkilometer ­
  aber  666  Wattstunden.
Die  Gesamtzahl  aller  Angestellten  beträgt  zur  stärksten  Zeit  über  7100.

Abb.  92.  Motorlastwagen  mit  Schneepflug.

Juli  1904.

Ludwig  Spängler.
            
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