Telegraphie.
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das eigens für diese Zwecke erbaute Telegraphengebäude am Börseplatz. So weitläufig die
damals dem Telegraphenbetriebe zur Verfügung gestellten Räume waren, erwiesen sie sich
doch nach kaum 30 Jahren infolge der raschen Entwicklung des Telegraphenwesens so be
schränkt, daß mannigfache, den Betrieb hindernde Übelstände zutage traten. Diesem gründlich
abzuhelfen und dem Wiener Telegraphenamte eine würdige und für einige Jahrzehnte aus
reichende Heimstätte zu bieten, wurde vor kurzer Zeit der Umbau des Gebäudes in Angriff
genommen, und werden diese durch die Rücksichtnahme auf den intensiven Betrieb sehr er
schwerten Arbeiten im Jahre 1905 zum Abschlüsse gelangen. Die Adaptierung umfaßt haupt
sächlich die Aufsetzung eines vierten Stockwerkes auf die volle Grundfläche des Gebäudes,
wodurch das bisher den Apparatsaal bildende dritte Stockwerk zur Unterbringung der schon
längst schwer entbehrten Wohlfahrtseinrichtungen für das zahlreiche Personal (700 Damen und
Herren) verfügbar wird.
Das nach den Plänen des Architekten Eugen Faßbender rekonstruierte Gebäude ist
ein mächtiger, vier Stock hoher, in Formen der italienischen Renaissance gehaltener Bau,
welcher einen freistehenden Baublock von 53 73 m Länge und 42 - 04 m Tiefe bildet. Gegen
den Börseplatz baut sich ein Mittelrisalit mit Freitreppe vor, welcher durch eine mächtige,
den Telegraphenverkehr symbolisierende, auf der Attika aufruhende Figurengruppe gekrönt ist.
A Rohrpostapparate. C Saalaufsicht.
B Telegramm- und Rohrpost- D Sprechstellen,
expedit.
Abb. 101. Parterregrundriß
E Telephonische Telegrammver- G M Warteräume.
mittlung. H Postamt.
F Kassen. K Zeitungskorrespondenten.
Abb. 102. Saalgrundriß
der k. k. Telegraphenzentrale. 1 : 800.
In dem 6 55 m hohen doppelten Unterkeller befinden sich ausgedehnte Magazine des
Zentraltelegraphendepots, welche durch zwei elektrische Aufzüge mit den Toreinfahrten in der
Hohenstaufengasse und Helferstorfferstraße in Verbindung stehen, weiters die Kesselanlage der
Zentralheizung und das Maschinenbaus der Rohrpost. Im Souterrain sind außer den Bureaus
und Magazinen des Telegraphendcpots die den Betriebsstrom für sämtliche Leitungen liefernden
Akkumulatoren samt den dazugehörigen Motoren und Dynamos untergebracht. Von diesem
Niveau aus beginnt auch der das ganze Gebäude bis zum obersten Stockwerk duichgehendc
Kabelschacht, in welchen die vom Rangicrobjckt zum Hauptumschalter führenden Telegraphen
kabel und die die Adern der Straßentelephonkabel mit den Dachständerleitungen verbin
denden Hauskabel geführt sind. Neben dem Kabelschacht ist der Schacht für den kombinierten
Lasten- und Personenaufzug und jener für die elektrische Telegrammbeförderungsanlage gelegen.
Über die am Börseplatz gelegene Haupttreppe (siehe Abb. 101) gelangt man durch das
geräumige, durch vier Marmorsäulen unterteilte Vestibül zu beiden Seiten an die für das tele
graphierende und telephonierende Publikum bestimmten Warteräume, die durch Schalter von
der Kasse und den Umschaltlokalitäten getrennt sind. Der linke Teil des Parterres, welches
noch durch zwei von den Eingängen Hohenstaufengasse und Helferstorfferstraße erreichbare
Nebenstiegen mit den oberen Geschossen in Verbindung steht, ist für das Telegramm- und
Rohrpostexpedit bestimmt, während die andere Gebäudehälfte einerseits die Lokalitäten des
Filialpostamtes, anderseits jene der telephonischen Übermittlung enthält.