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Full text: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 1: Charakteristik und Entwicklung der Stadt, Ingenieurbauten

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Straßenuesen. 
eines Teiles der Mariahilferstraße, beziehungsweise in Abb. 115, welche ein Bild dieser Straße 
gibt, gekennzeichnet. Abb. 116 zeigt ein Bild der Matzleinsdorferstraße mit der inmitten einer 
Verbreiterung derselben stehenden St. Florian-Kirche als Beispiel einer interessanten und seltenen 
Lösung. Als Beispiel für eine streng geradlinige Führung der Straßenfluchten, welche bei 
den alten Straßen nur ausnahmsweise vorkommt, sei die Praterstraße, Abb. 114 und 117, eine 
der in Wien so seltenen Straßen mit Avenuecharakter, hervorgehoben. Die regelmäßige und 
geradlinige Ausgestaltung findet sich häufiger in den in der zweiten Flälfte des 19. Jahrhunderts 
entstandenen Stadtteilen, z. B. in Favoriten, in Rudolfsheim, in den Stadtteilen an dem regulierten 
Donaustrome und im Gebiete der ersten Stadterweiterung auf dem ehemaligen Glacis (siehe 
Tafel XI). Eine der schönsten Straßen in dem letztgenannten Stadtteile neben der Ringstraße 
ist die von der Votivkirche bis zum Justizpalaste an der Hauptfront des Rathauses vorbeiführende 
Reichsratsstraßc. Abb. 118 zeigt einen Blick durch dieselbe. Hier sei auch die im Jahre 1837 
entstandene, am Praterstern beginnende und beim Rennplätze in der Freudenau endigende 
Hauptallee erwähnt, welche in einer Länge von 4 55 km den Prater durchzieht. Sie bildet die 
schönste Korsostraße für die Ausfahrten der wohlhabenden Kreise der Stadt im Frühjahre 
und Herbste. Abb. 121 zeigt die Querprofilsausbildung der gegen den Praterstern zu gelegenen 
Abb. 117. Praterstraßc gegen den Praterstern. 
Straßenhälfte. Die gegen den Rennplatz zu gelegene Strecke hat auf jeder Straßenseite eine 
Baumreihe weniger. 
Der äußere Eindruck des Straßennetzes ist — trotz der zahlreichen durchgeführten Stra 
ßenregulierungen und Neuanlagen im überwiegenden Teil der Stadt — noch immer durch die 
alten Anlagen bestimmt, ein malerischer, und ungefähr auch heute noch so, wie ihn Moltke 
in einem Briefe an seine Mutter im Jahre 1835 geschildert hat. 1 ) 
Er schreibt: „Wien ist eine prächtige Stadt, schon, weil sie krumme Straßen hat; denn nichts 
ist langweiliger als solche gerade, lange Straßen. Die krummen hat das Bedürfnis allmählich 
entstehen lassen, solche Städte haben eine geschichtliche Vorzeit und sprechen das Gemüt 
an; die nach dem Lineal gezogenen sind von der Laune eines einzelnen hervorgerufen und 
uniformiert.“ 
') Moltke in seinen Briefen. Berlin 1902, Ernst Siegfried Mittler & Sohn.
	        
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