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Volltext: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 1: Charakteristik und Entwicklung der Stadt, Ingenieurbauten

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Straßenwesen. 
Um unverhältnismäßigen Preissteigerungen bei den Steinlieferungen vorzubeugen, w urden 
bereits im Jahre 1873 von der Stadt Steinbrüche in Marbach bei Mauthausen erworben und 
später allmählich erweitert, sowde noch weitere Steinbrüche in Windegg und Lina in Ober 
österreich angekauft. Der Steinbruch in Lina ist seither bereits erschöpft und daher im Jahre 
1901 aufgelassen worden. Es besteht die Absicht, noch andere Steinbrüche zu erwerben. Die 
städtischen Brüche werden gegenwärtig in eigener Regie der Gemeinde Wien betrieben. Da 
die städtischen Steinbrüche nicht den ganzen Bedarf decken, wird der Mehrbedarf alljährlich 
im Offertwege vergeben. Der Form nach werden nachfolgende Steingattungen verwendet: 
a) Würfelsteine, das sind regelmäßige, rechtwinklig bearbeitete Steine mit möglichst ebenen 
Flächen und Kantenlänge von 0184 beziehungsweise 0158 m. 
b) Parallelopipedische Steine, 0132 m breit, 0184 m hoch und entweder 0184 m oder 
0 237 m lang. Sie sind ebenso regelmäßig bearbeitet wie die Würfelsteine und werden an 
der Oberfläche zur Erzielung besseren Haltes für die Hufe der Pferde häufig mit Rillen versehen. 
c) Fünfecksteine, gleich bearbeitet wie die Würfel. 
d) Zwickelsteine, das sind diagonalhalbierte Würfel. 
Ferner kommen ausnahmsweise noch mindere Sorten von Steinen, als Halbwmrfel, 
Köpfelsteine und ordinäre Steine, sowie Würfel mit D^fadier Länge zur Anwendung. 
In der Regel werden in Straßen bis zu 25 0 / 0 o Steigung Würfel, in solchen bis zu 30%,, 
Steigung parallelopipedische, und über 30% 0 Steigung ebensolche mit zwei Rillen (doppelt 
geritzte Steine) gelegt. Halbwürfel werden in Straßen minderen Verkehres, Köpfelsteine nur 
ausnahmsweise, und zwar in unwichtigen Nebenstraßen, ordinäre Pflastersteine nur zur Pflaste 
rung von Rinnsalen und Kanalschachtgittereinfassungen und Fünfecksteine zum Anschlüsse 
an die Straßenbahnschienen verwendet. 
In der folgenden Zusammenstellung ist der Verbrauch an Pflastersteinen im Jahre 1903 
angegeben. 
Verbrauch an Pflastersteinen im Jahre 1903. 
Jahr 
Bezugsort 
Würfel (a) 
Steine (b) 
Fünfeck 
steine 
(C) 
Zwickel 
(d), 
Seitenlänge 
18 4 cm 
Seitenlänge 
ungeritzt geritzt 
Maße in Zentimetern 
184 cm j IS’Scm 
132 X 184 x 184 
13-2X 18 4 X 23-7 
S t ü 
c k e 
1903 
Eigene Brüche . . 
Fremde » . . 
423.400 
2,251.800 ) 
1.700 
66.500 
262.100 
37.500 
205.400 
12.800 
8.100 
2.200 
57.300 
Zusammen . . 
2,675.200 
1.700 
328.600 
242.900 
20.900 
i 59.500 
') Der Preis für 1000 Stück Würfel von 18'4 cm Seitenlange stellte sich im Jahre 1903 je nach der Härte auf 560—630 K. 
„ „ „ 1000 „ ungeritzte Steine 13*2 X 18*4 x 18*4 stellte sich im Jahre 1903 je nach der Härte auf 420—470 K. 
» „ » 1000 „ geritzte „ 13 2 a 18*4 X 23-7 „ „ „ „ 1903 „ „ „ „ „ 600—670 „ 
Die Unterlage der Würfelpflasterungen besteht in der Regel aus einer 15 cm hohen 
Grundlage von Rundschotter und über dieser einer 3 cm hohen Schicht von Flußsand. Dort, 
wo genügend fester Untergrund bereits vorhanden ist, wird nur eine Sandschicht in der 
Höhe von 8 cm als Unterbettung gegeben. Die Würfelpflasterungen werden in allen Fahrbahnen 
mit einer Steigung unter 1:40 (25% n ) in Fischgrätenform, in sehr engen Straßen und 
zwischen den Straßenbahngleisen, ferner falls sie in Straßen von stärkerer Steigung zur Ver 
wendung gelangen, senkrecht auf die Straßenachse gelegt (siehe Abb. 141). Die Fugen, welche 
ungefähr 1 cm breit sind, werden gewöhnlich mit Sand, in stark befahrenen und in steil 
ansteigenden Straßen, ferner an Wagenstandplätzen mit einer Mischung von Asphaltsurrogaten, 
Steinkohlenteer und Pech mit etwas Wellsand ausgegossen. Dieses Vergußmittel ist zwar 
im Interesse der Haltbarkeit des Pflasters und der Verminderung des Straßenstaubes sehr vor 
teilhaft, seiner allgemeinen Verwendung stehen einerseits die Kosten entgegen, hauptsächlich 
aber der Umstand, daß durch dasselbe das Aufbrechen des Pflasters schwierig, zeitraubend 
und mit steten Materialverlusten verbunden ist. Die mehrfach gemachten Versuche, die Fugen 
mit Roman- und Portlandzementmörtel zu vergießen, haben nicht befriedigt, weil das Pflaster 
längere Zeit nach Fertigstellung behufs Erhärtens des Zementes abgesperrt bleiben mußte,
	        
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