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Die Entwässerung.
kanälen versehenen 6870 Häusern mündeten 2408 teils direkt, teils durch Straßenkanäle in den Donaukanal
ein. An den Wienfluß und seine beiden Mühlbäche waren 2423 Häuser angeschlossen. An den Ottakringerbach
gaben innerhalb der Linienwälle 1080 Häuser die Brauchwässer und Fäkalien ab, so daß der Wienfluß
die Abgänge von 3503 Häusern aufzunehmen hatte. An den Alsbach waren innerhalb des Linienwalles
656, an den offenen Schmidtgraben in der Rossau 288, an den Währingerbach 3 und an den Franzosengraben
12 Gebäude angeschlossen. Diese Ziffern geben ein deutliches Bild des Zustandes der im Jahre 1830
die Stadt durchziehenden offenen Wasserläufe. Am allerärgsten waren wohl die Verhältnisse am Wienflusse.
Durch die Einbringung so bedeutender Mengen Schmutzstoffe längs der nicht ausreichend befestigten Ufer
sowie durch die Aufnahme des gänzlich verjauchten Ottakringerbaches nächst dem heutigen Gebäude der
Sezession wurde ein ganz unerträglicher Zustand hervorgerufen. Schon im Jahre 1792 hatte eine Kommission
als einziges und gründliches Abhilfsmittel dieser Übelstände die Herstellung von Sammelkanälen an den
Ufern des Wienflusses bezeichnet; sowohl diese als eine im Jahre 1822 erneuerte Anregung hatten keinen
positiven Erfolg. Ebenso traurig wie am Wienflusse waren zu dieser Zeit auch die Verhältnisse an dem
Ottakringer- und am Aisbache sowie am Schmidtgraben in der Rossau.
Derartige Zustände konnten wohl nicht ohne Einwirkung auf die Gesundheitsverhältnisse der Bewohner
bleiben. Es erklärt sich dadurch auch die hohe Sterblichkeit der Wiener Bevölkerung, die im
Jahre 1830 noch SO 0 /,,.) betrug, und es war die höchste Zeit, daß in diesen beklagenswerten Verhältnissen
eine Änderung eintrat. Es bedurfte aber bedeutender Ereignisse, um die damalige Regierung zu einem energischen
Handeln zu veranlassen. In kurzer Aufeinanderfolge war die Stadt von zwei schweren Katastrophen
heimgesucht. Am 28. Februar 1830 trat die Donau infolge Eisverstopfung aus ihren Ufern und erreichte
der Wasserstand am Pegel der Ferdinandsbrücke die außerordentliche Höhe von 6'95 m über dem Nullpunkte.
Das ganze Gemeindegebiet bis an den Steilrand hinan war durch mehrere Tage überschwemmt.
Kaum waren die schwersten Nachteile, die die Überflutung der Bevölkerung der Stadt gebracht hatte,
zum Teil beseitigt, brach mit unheimlicher Macht die Cholera zum ersten Male in das Gemeindegebiet
von Wien ein und wütete besonders in den an den offenen, verseuchten Wasserläufen und Mühlgräben
gelegenen Wohnstätten sowie in den durch die Überschwemmung betroffenen Stadtteilen.
Die jahrelangen Versäumnisse, die so schwere Opfer an Menschenleben und Wohlstand forderten,
nötigten nun die maßgebenden Kreise zum raschen, energischen Eingreifen. Noch während der Cholera, im
Herbste des Jahres 1831, wurde der Bau des rechtsseitigen Wienflußsammlers in Angriff genommen und
mit großer Beschleunigung fortgeführt. Nachdem der 4873 m lange rechte Wienflußsammler von seiner Ausmündung
in den Donaukanal, oberhalb dem Dampfschiffahrtsgebäude, bis zum Linienwalle nächst der
ehemaligen Hundsturmer Linie beendet und sämtliche Einmündungen von Haus- und Straßenkanälen am
rechten Wienflußufer beseitigt waren, wurde der Stadt mit kaiserlicher Entschließung vom 12. Dezember 1834
die Erbauung des linken Wienflußsammlers sowie die Einwölbung des Ottakringer- und Aisbaches bis zum
Linienwalle aufgetragen und die Zuwölbung des Schmidtgrabens in der Rossau gefordert. Die Kosten der
auf mehrere Jahre zu verteilenden Kanalherstellungen waren mit 1,260.000 K veranschlagt, welche die
Gemeinde Wien aus den laufenden Einnahmen zu bestreiten hatte.
Mit diesen Anordnungen war ein wichtiger Schritt zur Assanierung Wiens eingeleitet und die
Regierung bestand in der Folge mit festem Willen auf deren Ausführung. Bereits im Jahre 1836 wurde der
Bau des linken Wienflußsammlers in Angriff genommen und im Oktober 1839 bis zum Linienwalle
in einer Gesamtlänge von 4832 m fertiggestellt. Gleichzeitig mit diesen Arbeiten wurden auch alle Ausmündungen
von Kanälen am linken Wienflußufer durch Anschluß an den Sammler beseitigt, so daß von
dieser Zeit an innerhalb des alten Gemeindegebietes keine Unratsableitungen in den Wienfluß mehr stattfanden
und dieser mit den Sammelkanälen nur durch Regenauslässe in Verbindung stand, ln den Jahren
1837—1840 gelangte die Einwölbung des O ttakrin gerb ach es (Gesamtlänge 2368 m) bis an den Linienwall
zur Ausführung. In den Jahren 1840—1843 wurde endlich die Einwölbung des Aisbaches, vom Donaukanale
bis zum Linienwalle, in einer Länge von 2213 m ausgebaut. Innerhalb des Zeitraumes von 1830 bis
1843 wurden daher 14.285 82 m große und wichtige Sammelkanalbauten ausgeführt, die eine Kostensumme
von 2,884.497 K erforderten. Weiters ließ die Gemeinde im Jahre 1848 den Währingerbach von seiner
Einmündung in den Alsbach bis zum Linien walle, und schließlich im Jahre 1850, nach Ableitung des
Döblingerbaches, auch den Schmidtgraben in der Rossau einwölben, womit das im Jahre 1830 und 1834
aufgestellte Programm für die Herstellung der dringend notwendigsten Kanalbauten zum Abschlüsse
gebracht war.
Die Gemeinde Wien kann auf die in den Jahren 1831—1843 hergestellten Kanalbauten, durch welche
Jahrhunderte alte Mißstände beseitigt wurden, mit großer Befriedigung zurückblicken. Aber auch in technischer
Beziehung sind die damals hergestellten Bauwerke, deren Ausführung viele Schwierigkeiten bot,
höchst anerkennenswerte Leistungen, da zu dieser Zeit Sammler und Bacheinwölbungen in einheitlicher
und planmäßiger Durchführung für so bedeutende Niederschlagsflächen und in solchen Längen noch in