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Die Entwässerung.
Für die Bestimmung der Brauchwassermenge ist die Bevölkerungsdichte und der
Wasserverbrauch pro Einwohner maßgebend. Behufs Verfassung der Kanalisationsprojekte
wurde unter Festhaltung der Bestimmungen für die zukünftige bauliche Entwicklung Wiens
das ganze Stadtgebiet in fünf Kategorien eingeteilt, wovon die erste jene Flächen um
faßt, die auch in Zukunft voraussichtlich unverbaut bleiben werden. Diese besitzen ein
Ausmaß von 4086-2 ha. Für die zweite Kategorie wurde eine villenartige Verbauung
mit 75 Einwohner pro Hektar der Berechnung zugrunde gelegt; diese Fläche beträgt 2354-6 ha'.
Die dritte Kategorie mit einer Fläche von 3487 4 ha wurde als weitläufig verbaubar
bezeichnet und als Bevölkerungsdichte 300 Einwohner pro Hektar angenommen. In diese
Kategorie wurden auch jene Stadtteile eingerechnet, die vorzüglich für Fabriksanlagen bestimmt
sind. Die vierte und fünfte Kategorie bilden die enge und sehr enge verbauten Stadtgebiete,
deren Bewohnerzahlen mit 400 und 520 Personen pro Hektar angenommen sind und die 3178'2ha
beziehungsweise 4790-1 ha umfassen. Die Gesamtzahl der Bewohner, welche der Kanalisations
anlage zugrunde gelegt ist, beträgt hiernach rund 4,985.000 Personen, die bei gleicher Ver
mehrung wie in den letztverflossenen Jahrzehnten im Jahre 1954 erreicht sein würde. Das von
einem Bewohner innerhalb 24 Stunden verbrauchte Wasser wurde bisher mit 90 5 1 den Be
rechnungen für die Kanalisation unter der Voraussetzung zugrunde gelegt, daß die Hälfte
dieser Menge innerhalb zehn Stunden zum Abflüsse gelangt.
Die Menge des Meteorwassers, welche durch die Kanäle zum Abfluß gelangt, ist zunächst
von der Dauer und Intensität der Sturzregen, dann von dem Grade der Versickerung in den Boden
und allfällig auch von der Verzögerung im Abflüsse abhängig. Als Ende der Siebzigerjahre das
Programm für die Verfassung eines Generalkanalisierungsplanes für Wien aufgestellt wurde,
mangelte es an Beobachtungen über starke Regengüsse. Damals wurde, wie in vielen anderen
Städten, ein stündlicher Regen von zirka 20 mm = 55 Sekundcnliter pro Hektar als Grund
lage für die Kanalisation angenommen und vorausgesetzt, daß infolge Versickerung, Ver
dunstung und Verzögerung nur der dritte Teil des Regens gleichzeitig zur Abführung kommt.
Auf dieser Grundlage wurden die Profile des Wiener Kanalnetzes bis Ende der Achtzigerjahre
ausgemittelt. Die unausgesetzten Beobachtungen der Wasserabführung in den Kanälen sowie
die Resultate der nunmehr in größerer Anzahl in Verwendung stehenden selbstzeichnenden
Regenmesser haben die Notwendigkeit ergeben, die Normen für die Berechnung der Kanäle
einer Abänderung zu unterziehen. Was zunächst die Regenmenge betrifft, so mußte schon
aus wirtschaftlichen Rücksichten davon abgesehen werden, das Kanalnetz derart zu dimen
sionieren, daß es auch jene höheren Niederschläge, die im Durchschnitte nur alle H/ 2 bis
2 Jahre verkommen, rückstaufrei abzuführen imstande ist. Auf Grundlage der in Wien ge
messenen Sturzregen wird seither zur Berechnung der Kanalquerschnitte für die sehr dicht
verbauten Stadtteile ein Regen von 125 sl/ha und halbstündiger Dauer, für die übrigen
Gebiete ein Regen von 100 sl/ha und 20 Minuten Dauer als Norm festgehalten. Von dieser
Regenmenge gelangt aber infolge der Versickerung nur ein Teil zum Abflüsse. Den Berech
nungen wird als Versickerungskoeffizient für unverbautes Gelände 0-20 bis 0-50, für villenartig
verbaubare Flächen 0’25 bis 0'50, für weitläufig verbaubares Terrain 0'30 bis 0'60, für enge
und sehr enge verbaute Gebiete 0’50 bis 0'70 beziehungsweise 0’70 bis 0'90 zugrunde gelegt,
wobei die unteren Grenzwerte für das flache Alluvialgebiet und die oberen für steile Gelände,
Fels und schweren Tonboden Anwendung finden.
Eine Verzögerung im Abflüsse wird nur dann in Rechnung gezogen, wenn von einer
Fläche der Regenabfluß bis zu einem bestimmten Punkte längere Zeit erfordert, als die
angenommene Regendauer beträgt. In diesem Falle wird die Verzögerung mittels Abflußlinien
bestimmt. 1 ) Nebst dem Brauch- und dem Meteorwasser haben die Kanäle auch das Quell
wasser der Bäche und teilweise auch das Grundwasser abzuleiten. Das Quellwasser wächst
namentlich im Frühjahre zu bedeutenden Mengen an. Bezüglich des Grundwassers ist jenes
Gebiet, das unter dem Einflüsse der Donauwasserstände steht, zu unterscheiden von den
höher gelegenen Stadtteilen, deren Grundwasser sein Einsickerungsgebiet in den die Stadt
umgebenden Höhenzügen besitzt. Im Alluvialgebiete ist wegen der bedeutenden Wassermengen
eine Verbesserung der Grundwasserverhältnisse durch die Kanalisation nicht zu erreichen,
dagegen wird in dem höher gelegenen Stadtgebiete durch die unter der Kanalsohle angeord
neten Drainageleitungen eine Senkung und Fixierung der Grundwasserspiegel und damit die
Trockenhaltung der Keller- und Hausfundamente erzielt.
') Ed. Bodensehcr, über Stadtentwässcrungsanlagcn. Zeitschrift des österreichischen Ingenieur-und Architekten-Vercines. 1900.